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Der Israelit · 1893-12-21 · Heft 101 (21.12.1893) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 101 (21.12.1893)
Date
1893-12-21
Page
– (sequence 24)
Language
German
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1950 werden mit Vergnügen constatiren, daß an dieser Schule streng pädagogischer Takt, geordnete Disciplin und reger Pflichteifer herrscht, daß der Lehrkörper sich seiner hohen Aufgabe bewußt ist. daß somit jedes Kind ohne Unterschied gleich einer jeden andern öffentlichen Schule die Talmud Thora- Schule unbeschadet seines sittlichen Betragens besuchen kann. Eine solche Meinung wäre eine Verletzung der Cultusgemeinde Repräsentanz, unter deren Obhut und Aufsicht die Anstalt steht. Im abgelaufenen Schuljahre, dem ersten in den neu adaptirten, prächtigen, luftigen Schulräumen in der Langengasse, zeigt sich bereits die wohlthätige Wirkung der günstigen Situirung der Anstalt in vielfacher Beziehung. Die Zahl der aufgenommenen Schüler in den acht Knabenclassen betrug 302, um 120 Schüler mehr als in den früheren Jahren, das Schülermaierial war ebenfalls ein besseres und rccrutirte sich aus 148 Mittelschülern (Gynanasial-Realschülern und aus der Lehrerbildungsanstalt,) aus Universitätshörern und Rabbinatscandidaten und aus 228 Volks- und Bürgerschülern, welche alle recht fleißig die Schule besuchten, so daß am Ende des Schuljahres 286 Schüler classificirt werden konnten und Zeugnisse erhielten. Für die vorzüglichen Schüler bestehen an der Anstalt Schulprämien, die alljährlich seitens der Cultusgemeinde-Repräsentanz der Anstalt zufließen und nur jenen Schülern zugewendet werden, die durch sehr fleißigen Schulbesuch, durch sittliches Betragen und sehr guten Fortgang sich auszeichnen. Im heurigen Schuljahre wurden an 21 Schülern 245 Kronen an Prämien vertheilt, außerdem bestehen für würdige Schüler mehrere Stiftungen. Der im heurigen Schuljahre neu eingeführte Lehrplan bat sich vorzüglich bewährt; denn in fast allen Classen wurde das festgesetzte Lehrziel erreicht und die Schüler zeigten auch recht viel Lust und Liebe für die vorgetragenen Lehrdisciplin. Sie bestehen in Leselehre, im Memoriren der Segenssprüche und deren Uebersetzung, im Uebersetzen des Pentateuchs, der Propheten, des Raschi-Commentars, in der hebr. Grammatik mit freien hebr. Uebersetzungen, endlich im Unterrichte der Mischna und des Talmud. Im Interesse der Heranwachsenden Generation ist es gelegen, wenn es sich Eltern angelegen sein lassen, ihre Kinder die Talmud Thora-Schule fleißig und dauernd besuchen zu lasten. Hier ist ihnen reichlich Gelegenheit geboten, in den Geist der hebräischen Sprache, in die Sprache unserer Gebete einzudringen, unser erhabenes und lehrreiches Schriftthum kennen zu lernen; dann erst wird die zukünftige Generation im Stande sein, ihre Zugehörigkeit zum jüdischen Stamme zu würdigen und das allmählich schwindende jüdische Bewußtsein wird wieder rege werden. Daher mögen die Schüler fleißig und mit Vorliebe hebräisch lernen, es ist hiezu in der Talmud Tbora Schule Gelegenheit geboten und es eröffnet sich die günstigste Perspective für die Zukunft. Der Unterricht ist unentgeltlich. Es ist aber auch eine Ehrenpflicht der Herren Religinonslehrer. den Besuch der Anstalt durch ihre Intervention nach Kräften zu fördern. Es genügt nicht, auf den Bestand und auf die Frcquentirung der Schule aufmerksam zu machen, sondern sich auch von Zeit zu Zeit durch Nachfragen die Ueberzeugung zu verschaffen. ob die angemeldeten Schüler wirklich continuirlich die Schule besuchen. Durch ihre Autorität werden sie im staube sein, die Säumigen ftu ermuntern und die Lässigen hiezu zu verhalten. Nicht nur daß sie dem eigentlichen Religionsunterrichte hierdurch Vorschnb leisten und sich selbst die Arbeit erleichtern, sie fördern hiedurch noch mehr das jüdische Bewußtsein, die Begeisterung für die heilige Sprache und für das Schriftthum, und dadurch wird dem Jndenthum mehr geleistet, als durch den gesetzlichen Religionsunterricht in den öffentl. Schulen, woselbst sich nur minimale Erfolge erzielen lassen, da die Zeit nur zu kurz bemessen ist. Deshalb fehlen auch unfern Mittelschülern, die sich beispielsweise dem Rabbinerstande widmen wollen, die nothwendigen Vorkenntnisse, und deshalb ist einem großen Thetl unserer Jugend unser Judenthum, unsere Geschichte und unser Schriftthum fast unbekannt. Es möge also eine Remedur platzgreisen, und da soll und darf die moralische Unterstützung der Herren Religionslehrer nicht fehlen. Die hiesige Talmud Thora-Schule kann und wird dann eine Anstalt werden zur Aneignung gründlicher Kenntniß der Thora, zur Vorbereitung für den Rabbinerstand und zur Heranbildung tüchtiger Religionslehrer, an denen leider in letzterer Zeit besonderer Mangel herrscht. Nur auf diese Weise wird sie den Intentionen ihrer Gründer und der löblichen Cultusgemeinde-Repräsentanz gerecht werden. l\m rinzrgangene Bücher: (Besprechung Vorbehalten.) — Verlag: „Ach iasaf", Marschau. ♦pi« '8N 'n 'n ♦-neos DHvrn nrnp mus *nsD bwri ♦nntn un ♦ t-k th rrnS rvurot 11 n—1 ro—k Verantwortliche Redaktion: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der I oh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz.

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