Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 101 (21.12.1893)
- Date
- 1893-12-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448410--37682-2485757- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Lübeck 2× ep/1048008
OCR text
1924 man beide aus demselben Berufe wählen, sodaß äußere, durch die ökonomischen Bedingungen gegebene Einflüsse nicht mitsprechen können. Man wird bet den „groben" Etgenthumsvergehen den bi sitzlosen Juden neben den besitzlosen Christen stellen, bei der Frage nach den Konkursen den Handelsstand allein heranziehen müssen. Da die Juden vor allen Dingen Handel treiben, werden sie bei einem Vergleich mit den Christen im allgemeinen immer die größere Anzahl von Konkursen aufwetsen; trotzdem sind diese Konkurse nicht eine Eigenthümlichkeit der Juden, sondern eine solche des Handelsstandes überhaupt. Die folgende Zusammenstellung beweist, daß das Bankerottmachen keine spezifisch jüdische Eigenschaft ist. Es kommen auf 100 000 Einwohner: Konkurse Juden Bremen 45,0 570 Reuß ältere Linie 38,4 99 Lübeck 36.8 860 Königreich Sachsen 30,4 270 Hamburg 26,5 2870 Sachsen-Weimar 22,4 380 Schleswig-Holstein 22,3 290 Sachsen-Altenburg 21,8 26 Schwarzburg-Rudolfstadt 21,8 83 Oldenburg 20,8 440 Reuß jüngere Linie 20,2 120 Lippe-Schaumburg 20,2 930 Berlin 19,4 5020 Württemberg 19,4 620 Baden 19,3 1610 Pfalz 18,9 1510 Braunschweig 18,3 400 Koburg-Gotha 18,1 270 Anhalt 17,5 580 Waldcck 17,3 1320 Elsaß-Lothringen 16,7 2160 Schwarzb.-Sondershausen 15,7 300 Meiningen 14,9 700 Hessen 14,8 2570 Westfalen 14,4 790 Bayern 14,1 880 Mccklenburg-Stnlitz 13,3 500 Provinz Sachsen 13,2 310 Hessen-Naffau 12,7 2680 Mecklenburg-Schwerin 12,6 380 Rheinland 11.6 1000 Westpreußen 11,6 1520 Lippe 11.4 770 Ostpreußen 11,3 730 Brandenburg 11,3 540 Pommern 11.2 810 Hannover 10,4 660 Posen 9,5 2530 Schlesien 9,2 1140 Hohenzollern 9,1 1000 Man sieht, daß in Provinzen, die stark von Juden bewohnt werden, wie Posen, Hessen-Naffau, Schlesien, Westpreußen und Hessen, die Konkurse verhältnißmäßtg selten sind, während die fast „judenreinen" Bremen, Lübeck, Königreich Sachsen, Schleswig-Holstein und die Thüringischen Herzogthümer gerade die meisten Konkurse haben. Die Konkurse treten eben da am häufigsten ein, wo ein ausgebreiteter Handelsstand, nicht wo viel Juden vorhanden sind. Nicht die Rasse, nicht die Religion, sondern das Geschäft ist die eigentliche Ursache der Konkurse. So zeigt uns die Luxsche Arbeit all und überall, daß es weder die Juden als Rasse, noch als die Religionsgemeinschaft sind, die als besonders moralisch verkommen betrachtet werden dürfen. Die Juden sind — um cs noch einmal zu betonen — wie alle Menschen Produkte der sie umgebenden Verhältnisse. Die Auffassung der Antisemiten, sofern sie als Sprecher der Unterdrückten und Uebervortheilten auftreten, entbehrt keineswegs ihres berechtigten Kerns, aber sie verfehlt nichtsdestoweniger vollständig ihr Ziel. Die Juden haben den Kapitalismus nicht geschaffen — eine besondere Wirthschaftsfoim kann überhaupt nicht von einer einzelnen Gesellschaftsklasse geschaffen werden —, in dem Kapitalismus aber haben wir, so meint die Magdeburger socialiftische „Volksstlmme", oie Quelle der in der heutigen Form auftretenden Verbrechen zu erblicken! ZeituugSuachrtchteu «rrd Eorrespoudeuzeu. Deutschland. Danzig, 6. Dezember. (Thierschutzverein.) In der gestrigen Vorstandssitzung wurde über das rituelle Schlachten der Juden berathen. Von den Antisemiten wurde bekanntlich ein Verbot des Schächtens angestrebt und die Regierung hat mehrere hervorragende Thierärzie, darunter auch den Kreisdcpartementsthürarzt Dr. Mehrmann-Königsberg zu Gutachten aufgefordert. Alle diese Gutachten stimmen in dem überein, daß das Schächten eine Thierquälerei nicht darstelle. Der Vorstand beschloß, für den Fall des Erforderns eines Gutachtens sein Votum in demselben Sinne abzugeben. Kallstadt, 11. Dez. Wegen allzu geringer Zahl von Angehörigen wurde die israelitische Kultusgemeinde Freinsheim vom 1. Januar 1894 ab mit der hiesigen vereinigt. Die Synagoge in Freinsheim kommt infolge dessen zum „Ausgebot." (? Red.)