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Der Israelit · 1893-12-21 · Heft 101 (21.12.1893) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 101 (21.12.1893)
Date
1893-12-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXTF. Jahrgang. Zweite Beilage ju M101 -es „Israelit". Lettender Art»«». „Die Juden als Werörecher." Eine Hauptaufgabe des Antisemitismus ist es, die Juden als hinter der arischen Rasse moralisch weit zurückstehend darzustellen. Einmal ist dies das einzige Moment, mit dem man den Antisemitismus begründen kann und auf der anderen Seite auch das beste Agitationsmittel für denselben. Namentlich stellt man den Juden gern hin als den Wucherer, den Blutaussauger; aber damit läßt man sich keineswegs Genüge leisten, sondern der Antisemit ist redlich bemüht, dem Judenthum auch alle möglichen sonstigen schlechten Eigenschaften anzuhängen. Nun läßt sich aber mit Worten allein schwer arbeiten und auch der enragierteste Antisemit muß sich von Zeit zu Zeit wieder Muth und neue Kraft schöpfen aus Zahlen, die bekanntlich beweisen. Diese Zahlen nun sich selbst in richtiger Weise zu gruppiren, dazu fehlt ihm freilich Alles und so muß er es berufsmäßigen Zahlenkünstlern überlasten, diese für ihn zurecht zu legen. In welcher Weise nun dabet die antisemitischen „Statistiker" mit dem gegebenen Zahlenmaterial umspringen, das zeigt uns Dr. H. Lux in einer sozialwissenschaftlichen Arbeit: Die Juden als Verbrecher *) Wenn wir in diesem Artikel der Luxschen Arbeit in ihrem Gedankengange folgen, so bemerken wir von vornherein, daß es im Rahmen eines kurzen Aufsatzes weder möglich ist, alle dort vorgebrachten Gedanken zu berücksichtigen, noch auf der anderen Seite das dort gegebene Zahlenmaterial zu bringen. Wer sich eingehend mit dem allerdings interessanten Gegenstand beschäftigen will, den müssen wir auf das Studium der Original-Arbeit verweisen. Dr. Lux zeigt uns zunächst, wie der antisemitische „Statistiker" zu arbeiten Pflegt. Wegen Verbrechen und Vergehen wurden in der Zeit von 1882 — 1889 überhaupt verurtheilt 2,699,799 Christen und 27,453 Juden; d. h. auf 100,000 über 12 Jahre alte Christen kommen 8404,2 auf dieselbe Zahl über 12 Jahre alte Juden 6965,5 V.rurtheilte. Die Kriminalität der Christen verhält sich also zu der der Juden wie 1:0,83, oder die christliche Bevölkerung zeigt eine 1,205 mal größere Kriminialttät als die jüdische Bevölkerung. *) Die Juden als Verbrecher. Eine Beleuchtung antisemitischer Beweisführung von Dr. Lux. (Sammlung gesellschafts-wissenschaftlicher Aufsätze. Herausgegeben von Eduard Fuchs.) Verlag von M. Ernst, München. Aehnlich liegen die Verhältniste bei den Eigenthums- Vergehen. Zu der oben angegebenen Zeit wurden wegen Verbrechen und Vergehen gegen das Eigenthum verurtheilt Christen 1,271,634, Juden 10,813, auf 100,000 der strafmündigen Zivilbevölkerung gleicher Kategorie also Christen 3958,5, Juden 2743,5; die Christen zeigen hier also eine 1,449 mal größere Kriminalität als die Juden. Diese Zahlen sprechen so offenkundig für die Juden, daß es fast wunderbar erscheint, wie es den Antisemiten möglich ist, die Ziffern der Kriminalstattstik für ihre Theorien zu verwenden. In welcher Weise dies ist, zeigt uns dann der Versaster. Die Antisemiten scheiden vor allen Dingen eine Reihe von Strafoelikten aus ihrer Statistik aus. So stnd^es namentlich die direkten Vergehen gegen das Eigenthum uud das Leben: Diebstahl, Sachbeschädigung und Mord. In Bezug auf diese Verbrechen zeigt die Kriminalstatisttk für die Juden so niedrige Ziffern, daß sie dabei überhaupt kaum in Betracht kommen. Der Antisemit hat natürlich dafür sofort eine in seinen Jdeenkreis passende Erklärung; er meint, daß diese Verbrechen „in gewissem Maße Muth und Thatkrast" beanspruchen, die den Juden fehlen. Damit scheidet die Betrachtung dieser Verbrechen von vornherein aus der antisemitischen Kriminalstatisttk aus. Man steht: der Jude wird verbrannt! Er mag den statistischen Ausweisen nach ein Engel sein; dann fehlt ihm sicherlich der Muth zur Sünde, oder er ist ein Teufel — dann ist die Statistik unanfechtbar. Der antisemitische Krimtnalstatistiker bringt also von den Eigenthumsvergehen vor allen Dingen Diebstahl und Sachbeschädigung in Abzug; dann stehen sich allerdings 435,082 verurtheilte Christen und 7578 verurtheilte Juden gegenüber, auf 100,000 Strafmündige derselben Kategorie 1354,4 Christen und 1922,7 Juden, sodaß diesmal die Juden eine 1,42 so große Kriminalität zeigen als die Christen. Wie ist das erklärlich? Einfach daraus, daß jeder Mensch das Produkt seiner Verhältnisse ist. Der Jude pflegt in Deutschland meist zu den Unternehmern zu zählen. Seine Vergehen sind solche gegen die Gewerbe-Ordnung, sind Wucher, Bankerott 2C. Die Christen überwiegen die Juden in Bezug auf die, nennen wir sie einmal „groben" Vergehen Dtebstahs, Sachbeschädigung, Mord rc.), weil unter ihnen viele Proletarier sich befinden. Will man ein wirkliches Bild davon haben, welche Kategorie zu bestimmten Vergehen oder Verbrechen mehr hinneigt, so muß

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