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Der Israelit · 1893-12-21 · Heft 101 (21.12.1893) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 101 (21.12.1893)
Date
1893-12-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1913 Feuilleton. Der Hohepriester. Novelle von Jakob Frankfurter. III. Verrauscht und verklungen waren Freude und Jubel, vorüber der festliche Glanz und die festliche Pracht, die sich am Wochenfefte entfaltet hatten; die frommen Pilger waren wieder zurückgekehrt zu ihren Beschäftigungen, die Priester verrichteten die täglichen Opfer, doch fehlte ihr Oberhaupt, der Hohepriester in ihrer Mitte. Am Sabbat nach dem Wochenfeste hatte er zum letztemnale seines heiligen Amtes gewaltet. Als er an diesem Tage das Gotteshaus verließ, war er ohnmächtig zusammengebrochen, man hatte ihn in sein Haus gebracht, doch von dem Bette, auf das man ihn gelegt hatte, erhob er sich nicht mehr, ruhig und sanft war er hinübergeschlummert in die Ewigkeit. Groß war die Trauer im ganzen Lande; jedermann, ohne Unterschied, vom Könige bis zum letzten Sklaven hatte ihn geliebt und geehrt. Als die ersten Tage der Trauer vorüber waren, da wurde seinem einzigen Sohne Eleasar die Würde des Hohepriesters übertragen. Es war Srtte, daß diese vom Vater auf den Sohn überging, und wenn dies auch nicht der Fall gewesen wäre, einen Geeigneteren hätte man wohl schwerlich unter den Priestern gefunden. Eleasar war einer der größten und schönsten Männer in ganz Juda, doch die Vorzüge, mit denen die Natur seinen Körper ausgestattet hatte, waren nur ein schwaches Abbild von den Vorzügen seines Geistes. Trotz seiner Jugend, er stand erst im achtundzwanzigsten Lebensjahre, überragte er an Wissen und Bildung viele seiner älteren Landsleute, von denen so mancher zu ihm kam, um sich seinen Rath oder seinen Beistand zu erbitten. Jeder, der ihn verließ, rühmte die edlen Eigenschaften, die ihn zierten; die Männer, die in schwierigen Fällen seine Meinung sich erbeten hatten, priesen seine Weisheit und sein verständiges Wesen, die Armen, von denen keiner ungetröstet von ihm ging, lobten seine Herzensgüte, mit der er überall bereit war zu helfen, wo Hilfe nöthig war. Er war das Muster eines vollkommenen Menschen, eines glaubensstarken Juden, eines wahren Priesters. Seine männlich schöne Gestalt erregte allgemeines Wohlgefallen im zahlreich versammelten Volke, als er zum erstenmal, angethan mit den prächtigen Amtskleidern, seinen Dienst verrichtete. Sein schweres, mit goldenen Schellen besetztes Oberkleid aus blauem Purpur wurde von einem aus kostbaren Stoffen und Goldfäden kunstvoll gewebten Leibrock bedeckt, den ein Gürtel zusammenhieli. Von den Schultern hing an goldener Kette der Brustschild hernieder, geschmückt mit zwölf glänzenden Edelsteinen, auf denen die Namen der zwölf Söhne Jakobs eingegraben waren. Sein Haupt trug einen Kopfbund, an dessen Vorderseite ein goldenes Diadem beftsttgt war, auf dem die Worte standen: „Heilig dem Ewigen". Heilig dem Ewigen war der Mann, den diese Gewänder zierten, heilig wie sein Amt war all' sein Denken und Thun, frei von den Schwächen und Fehlern seiner Mitmenschen. Nun sollte Eleasar eine Lebensgefährtin wählen und alles war erwartungsvoll gespannt, welcher von den Töchtern des Landes das Glück widerfahren werde, als Gaitin des Hohepriesters heimgeführt zu werden, des ersten und angesehensten Mannes in Juda und Israel nach dem Könige. Eleasar hatte bereits gewählt. Seine Liebe zu Leah, der Tochter Jochanans, war seine erste gewesen und wurzelte tief in seinem Herzen, es war keine leichte Neigung des Augenblicks, sie wollte er zum Weibe nehmen, von ihren trefflichen Eigenschaften hatte er Kunde erhalten und war überzeugt, daß sie würdig sei, als Gattin des Hohepriesters fernem Hause vorzustehen. Er sandte seinen nächsten Anverwandten, Elram, den Bruder seiner verstorbenen Mutter, mit reichen Geschenken zu Jochanan, um für ihn um Leah zu werben. Gastfreundlich wurde Elram ausgenommen. Nicht so von Leah. Sie liebte Simeon mit ganzem Herzen und ihre Liebe blieb unerschütterlich und fest, auch jetzt noch, wo dem niedrigen Sklaven der Hohepriester als Nebenbuhler entgegentrat. Die Wahl, die sie zu treffen hatte, mochte Niemanden aus ihrer Umgebung schwierig erscheinen. Hier waren Ehre und Ansehen. Glanz und Pracht, ein behagliches Leben an der Seite eines edlen Mannes, dort eine ungewisse Zukunft, Zorn und Haß ihres Vaters. Es gab ein arges Zerwürfnrß, als Leah sich weigerte, dem Brautwerber zu folgen, alle Bitten, alle Drohungen waren vergebens. Tagelang verbrachte sie in Weinen und stummem Nachdenken in ihrem Gemach. Ein heftiger Kamps durchbebte ihr Inneres. Willfahrte sie dem Wunsche des Vaters nicht, dann bereitete sie ihm ein kummervolles Alter, ja verkürzte vielleicht die wenigen Jahre des Lebens, die ihm noch beschieden waren. Das durfte nicht geschehen, dagegen sträubten sich alle edlen Regungen ihres Herzens. Groß war ihre Liebe zu Simeon, doch größer noch die kindliche Liebe und Pietät, und diese siegten. An einem frühen Morgen trat sie vor den kummervoll dasitzenden Vater und erklärte, sie sei bereit, mit Elram zu ziehen. Da heiterte

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