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Der Israelit · 1893-12-18 · Heft 100 (18.12.1893) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 100 (18.12.1893)
Date
1893-12-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1902 Beginn des laufenden Schuljahres wurde in Wien eine höhere israelitische theologische Lehranstalt zur Heranbildung von Rabbinern und israelitischen Religionslehrern eröffnet. Diese Lehranstalt verdankt ihre Entstehung hauptsächlich privater Wohlthätigkeit; außerdem hat die Staatsverwaltung diesem österreichischen Rabbiner-Seminar eine Subvention von jährlich 5000 fl. bewilligt. Das Curatorium dieser Anstalt beschloß nun seinerzeit in einer Sitzung, bei welcher noch der seither verstorbene Baron Moritz Königswartcr den Vorsitz geführt hatte, eine Dankes-Deputation an den Kaiser zu entsenden. Dieselbe, bestehend aus dem Oberrabbiner Dr. Güdemann, den beiden Vice-Präsidenten des Curatoriums, Herren Karpeles und Reichsralhs- Abgeordneten Dr. Byk (Lemberg), sowie den Mitgliedern David v. Gutmann und Baron Lichtenstein (Prag), wurde heute vom Kaiser in Audienz empfangen. Ober-Rabbiner Dr. Güdemann sprach zuerst bedeckten Hauptes, mit Bewilligung des Kaisers, den rituell vorgeschriebenen Segensspcuch und gab dann in warmen Worten den Gefühlen des DankeS für die gewährte Subvention Ausdruck. Der Kaiser antwortete hierauf: „Es gereicht Mir zur Befriedigung, der israelitischen theologischen Lehranstalt eine Subvention zu gewähren, und hege Ich die bestimmte Hoffnung, daß aus dieser Anstalt Männer hervorgehen werden, welche die jüdischen Gemeinden in dem bewährten und Mir bekannten Patriotismus erhalten werden." Der Monarch erkundigte sich dann, wie es mit der Frequenz der Anstalt stehe, und als Dr. Güdemann an die Beantwortung dieser Frage die Bemerkung knüpfte, daß auch für die Kenntniß der Landessprachen vorgesorgt sei, wendete sich der Kaiser an den Abgeordneten Dr. Byk mit der Frage, ob auch das Polnische gelehrt werde und wie zahlreich der Besuch aus Galizien sei. Dr. Byk antwortete, daß die größere Hälfte der Frequentanten aus Galizien stamme und ihr Studium der polnischen Sprache am Seminar fortsetze. Der Kaiser bemerkte hierauf: „Es freut mich, daß diese Frequentanten in Oesterreich ihre Lehranstalt haben und nicht mehr ins Ausland gehen müssen." Hierauf entließ der Monarch die Deputation in huldvoller Weise. Wien. Am 8. d., 12 Uhr, fand die durch das Statut vorgeschriebene Plenarversammlung des Vereins für das israelitische Blinden-Jnstitut auf der Hohen Warte statt. Da diese Anstalt mit Ende des Jahres 1892 eine 20jährige Wirksamkeit vollendet hat, so entwarf der Vorsitzende des Curatoriums, kaiserlicher Rath Dr. Wölfl'er, in gedrängter Kürze ein Bild dieses den unglücklichsten Kindern gewidmeten Erziehungs-Institutes. Die aus den verschiedenen Provinzen hieher gebrachten, oft sehr verwahrlosten Zöglinge in den 20 Jahren, 90 Knaben und 34 Mädchen, waren so gut geartet, daß keines derselben wegen Btldungsunfähigkeit oder wegen einer Untugend aus der Anstalt entlassen werden mußte. Alle erlangten nach hier zugebrachter Btldungszeit volle Erwerbsfähigkeit, und sehr viele genießen durch ihre Lebensführung und besonders durch ihre Arbeitslust die Achtung ihrer Umgebung. Diese vorzüglichen Erfolge, sowie die Anerkennung dieser Anstalt unter ihren Schwesteranstalten verdankt dieselbe der umsichtigen Leitung ihres genialen Direktors S. Heller, welcher mit seinen pädagogischen Fähigkeien ein warmes Herz für seine Zöglinge und Hingebung für seinen Beruf verbindet. Besonders rühmend wurde des geistigen Begründers der Anstalt, des Dr. L. A. Frankl, erwähnt und erinnert, wie er dem Institute als Wiegengeschenk den Congreß der Blindenlehrer und Freunde ins Leben rief, den nie ermüdenden Schutz der Blinden-Erziehung. Dem Wunsche für das Wohl und das Glück dieses greisen Wohlthäters wurden allseitig warm empfundene Worte verliehen. Allen edlen Wohlthätern, welche die Erhaltung der Anstalt förderten, wird dankend gedacht, und das Andenken der Kuratoren, der Freiherren v. S ch e y und Köntgswarter, welche dem Institut durch volle 20 Jahre angehörten, pietätsvoll gerühmt. An Stelle des Ersteren wurde Herr Karl Mayer cooptirt; die Stelle des Letzteren wird, dem Statute entsprechend, von der freiderrlichen Familie v. KönigSwarter besetzt werden. Den Damen des Curatoriums, welche der durch Frau Curatorin Cäcilie Adler eingeführten Sparkörbchensammlung so viele und erfolgreiche Arbeit und Mühe widmen, wird unter allseitiger Zustimmung wärmstens gedankt. Durch Acclamation wurde das bisherige Curatorium, ergänzt durch Herrn Karl Mayer, wiedergewählt und bei Constituirung des Curatoriums kaiserlicher Rath Dr. Wölfler zum Vorsitzenden, Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Adolph Stein zum Schriftführer, Hofbuchdruckerei - Besitzer Wilhelm Engel zum Casstrer ernannt. > Vermischtes. Alzey, 9. Dezember. 50 Jahre sind es heute, seitdem der hiesige israelitische Frauenverein, der sich namentlich Pflege und Unterstützung bedürftiger und kranker Glaubensgenoflen zur Aufgabe gemacht, gegründet wurde. Eine entsprechende Feier in der -Synagoge wird dem Tage eine erhöhte Bedeutung geben. Briefkasten -er Redaetio« SB. in F. Eine größere historische Erzählung von Dr. Lehmann lassen wir in Kürze in Buchformat beginnen. N. in W. Leider nicht verwendbar. Senden Sie gelegentlich Anderes.

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