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Der Israelit · 1893-12-18 · Heft 100 (18.12.1893) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 100 (18.12.1893)
Date
1893-12-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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§1897 sie waren stärker als Feuer und Schwert, und wie oft auch Juda und Israel von ihren Nachbarstämmen niedergeworfen wurden, wie oft seine Heiligthümer zerstört, seine Ländereien verwüstet, seine Bewohner in die Knechtschaft geführt wurden, nichts konnte ihnen die Lehre Gottes rauben, welche sie auf eine hohe Kulturstufe stellten, schon zu einer Zeit, als alle anderen Völker der Erde noch in der Nacht roher Barbarei lebten. Lebhafte Bewegung herrschte im ganzen Lande in den Tagen, die dem Wochenfeste vorangingen. In all' seinen Theilen, von Dan bis Berseba, vom Gestade des Meeres bis zum Gebiete von Gilead und Moab rüsteten sich die Bewohner zur Wallfahrt, um dem Gesetze gemäß vor dem Herrn zu erscheinen und die Erstlinge der Wetzenernte an der Stätte des Heiltgthumes darzubringen. Zu den Männern seines Stammes gesellte sich auch Jochanan; der Ephraimite. Ihn begleitete seine liebliche Tochter Leah, die sich längst danach gesehnt hatte, die heilige Stadt kennen zu lernen, welchem Wunsche nun willfahrt wurde. Ihm folgten mit Opfergaben, deren bedeutender Werth seinem großen Vermögen angemessen war. seine Sklaven. Einige von ihnen trieben vor sich her die größten und stärksten Stiere und Widder, auserlesen aus seinen zahlreichen Herden, prächtige blumengeschmückte Thiere. Andere trugen große, bis an den Rand gefüllte Oelkrüge, wieder andere Säcke feinsten Mehles, das erst vor wenigen Tagen gemahlen worden war. So mancher unter seinen Stammesgenossen beneidete ihn, ob seines Reichthums, manchen Anverwandten, manchen Freund begrüßte er unter ihnen und stimmte mit ein in die Wallfahrtslieder, welche von den frommen Pilgern gesungen wurden. Sie baten Gott um glückliches Erreichen ihres Reisezieles und empfahlen seinem Schutze die Angehörigen, die sie zurückgelassen halten, Hab und Gut. Mehrere Tage dauerte die Wanderung, bald führte die Straße bergauf und zu den Beschwerlichkeiten des Hinansteigens gesellte sich noch Hitze und Staub, bald wieder ging es hinab durch dichte Wälder, deren hohe Bäume Schatten und Kühlung brachten. Endlich erblickte man die Zinnen der Zionsburg, bald darauf auch Theile des Tempels, nur kurze Zeit noch und man war am Ziele. Jubelnd begrüßten die Wanderer die Stadt Davids mit dem Liede: „Ich freue mich, wenn man zu mir spricht: Laß uns eingehen in's Haus Gottes!" In Deinen Thoren standen einst unsere Füße, Jerusalem! Jerusalem, Du wohlgebaute Stadt, wo alles einig sich htndrängt! Wohin die Männer Gottes wallen zu Israels Zeugntß, zu preisen den Namen des Herrn; denn dort stehen Richterstühle, Sitze für Davids Herrscherhaus. O! wünschet Glück Jerusalem; wohl gehe es Deinen Freunden, in Deinen Mauern wohne Frieden, in Deinen Schlössern Sicherheit. Um meiner Freunde und Brüder willen verkünde ich Dir Glückseligkeit, um unseres Gottes Tempel willen strebe ich nach Heil für Dich." Nun war der geräumige Vorhof des Gotteshauses erreicht, eben als die Priester nach vollbrachtem Abendopfer die heilige Stätte verließen. Ehrerbietig wurden sie begrüßt mit den Worten: „Lobet Gott, all' ihr Diener des Herrn, die ihr des Nachts in seinem Hause Wache haltet! Erhebet Eure Hände in Heiligkeit und preiset den Herrn!" Als Gegengruß sprachen die Priester den Segensspruch: „Der Herr segne Euch von Zion aus, der Schöpfer des Himmels und der Erde." Die Pilger schlugen ihr Lager auf, die Ruhe that ihnen wohl nach den Mühen und Anstrengungen der letzten Tage. Am nächsten Morgen legten sie ihre Festgewänder an, versammelten sich im Tempel und brachten dorthin ihre Opfergaben. Auf dem großen Altäre wurde das Festopfer dargebracht, zwei Stiere, ein Widder, sieben Lämmer, die schönsten Thiere, welche sich in Juda auftreiben ließen, dazu das Mehl- und Trankopfer und die übrigen für den Tag vorgeschriebenen. Auf den Seitenaltären wurden die Spenden der zur Feier erschienenen Männer geopfert. In hohen senkrechten Säulen qualmte der Rauch zum Himmel empor, zum Zeichen der wohlgefälligen Aufnahme. Nun ließen die Chöre der Leviten liebliche Psalmgesänge ertönen, dann beugte das gesammre Volk die Knie und neigte das Haupt zur Erde. Die Priester hüllten sich in ihre mit blauen Schaufäden geschmückten Oberkleider und segneten die Versammelten mit dem Spruche ihres Ahnherrn Ahron: „Der Herr segne Dich und behüte Dich! Der Herr lasse leuchten sein Angesicht zu Dir und sei Dir gnädig! Der Herr wende sein Antlitz Dir zu und verleibe Dir den Frieden!" Das gottgefällige Werk war vollbracht, freudig kehrte ein Jeder in sein Zelt zurück. Seine Opfergaben waren wohlgefällig ausgenommen worden, der Segen Gottes ruhte auf dem Werk seiner Hände, war mit ihm und den Seinigen, schützte seine Heerden und Ländereien vor allen Unbilden und Gefahren. Freude und Jubel herrschte in allen Theilen des Lagers; wohin man blickte, festliche Gelage, Gesang und Retaentänze. Schlecht paßte zu dieser Fröhlichkeit die zwar freundliche, aber ernste Miene eines stattlichen Mannes, welcher langsam die Reihe der Zelte durchschritt. Die ihm Begegnenden verneigten sich ehrerbietig, denn der noch ziemlich junge Mann trug

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