Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 99 (14.12.1893)
- Date
- 1893-12-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1877 ten GerkchtSschretber, der sein Mißfallen erregt hatte, ebenfalls aufs Freie hinaus und ließ ihn ebenso durch seinen Schwager mißhandeln. Die Mohamedaner jedoch erfuhren von dem Vorgesallenen und waren nicht wenig über die Mißhandlungen des ergrauten Schreibers ergrimmt. Sie meldeten den Vorfall dem Stadthauptmann, welcher die sofortige Verhaftung des gemeingefährlichen Kadi anordnete. So wird er wohl seiner Strafe nicht entgehen. ^eniUetoii. Der Hohepriester. ■<-* Novelle von 3afptt Frankfurter. I. »Ich höre meinen Freund und nach mir ist sein Verlangen! Komm' mein Freund, laß' uns gehen in's Feld, in den Dörfern übernachten und mit dem frühen Morgen nach dem Weinberg schauen, ob wohl die Aepfelbäume blühen; da will ich Dir meine Liebe geben." Diese Verse aus dem »Lied der Lieder", dem Hohelied, sang mit heller, jugendlich frischer Stimme ein Mädchen und unterbrach damit die lautlose Stille und sabbatliche Ruhe, welche über den Fluren, Hügeln und Thälern lag. welche sich vom Gebirge Ephraim bis zum Jordan erstreckten. Die anmuthigen Züge der Sängerin veränderten sich rasch und verriethen plötzliches Erschrecken, als, einem Echo gleich, die letzten Worte von einer tieferen, kräftigen, doch nicht minder melodischen Stimme wiederholt wurden. Doch nicht lange dauerte es, da klärten sie sich wieder zu einem Lächeln, als eine schmucke Jünglingsgestalt sichtbar wurde. »Simeon, Du hier," redete das Mädchen den Kommenden an, »wie freut es mich, den ersten Spaziergang nach so langer Zeit vereint mit Dir, Du Lieber, machen zu können! Komm' laß' uns diesen Hügel htnansteigen, da können wir die Natur in ihrer ganzen Schönheit ungestört bewundern, dahin wird uns doch wohl der Vater nicht folgen, der, wie Du zur Genüge weißt, es nicht duldet, daß wir zusammen auf den Wiesen uns ergehen; da werden wir wohl sicher sein vor den Augen Deiner vielen Feinde, die ja auch meine Feinde sind. Doch warum bist Du so traurig und läßt das Haupt sinken? Blick um Dich und sieh, wie hell und klar die Sonne nun wieder scheint, wie alles grünt und blüht! Freust Du Dich nicht unseres Zusammenseins?" „Leah, wüßtest Du, wie glücklich ich mich in Deiner Nähe fühle, wie ich so mancherlei Qualen und Mühen willig ertrage, die schweren und harten Arbeiten der Werktage willig verrichte, wenn ich nur am Sabbat Dich sehen, Dich sprechen kann; Dein Anblick gibt mir Kraft geduldig auszuharren, Du bist es, die mich nicht verzagen läßt. Gedenke ich Deiner, so vergesse ich, daß böses Verhängniß sich unserem Glücke entgegensteüt, daß widriges Geschick, einem gewaltigen Berge gleich, sich zwischen uns schiebt. Und doch ist es thöricht von mir, zu glauben, daß all' das sich noch zum Guten wenden könne, daß der niedrige Sklave Simeon die einzige Tochter des reichen, stolzen Jochanan jemals erlangen werde. Schwer lastei auf mir der Zorn Deines Vaters, ewig bleibt mir sein Haß." „Ewig bleibt unsere Liebe", entgegnete ihm Leah, »glaube mir, der Vater, wenn er Dir auch feindlich entgegentritt, im Innern seines Herzens meint er es nicht so; gewiß, er wird milder werden und allmählich von seinem Haß ablaffen. Vertraue auf Gott! Er, der Bileams Fluch verwandelt<in:Segen, wird meines Vaters Haß verwandeln in Liebe. Was ist denn sein Haß? Nichtigen irdischen Dingen entstammt er, nichtig wie alles Irdische wird er auch wieder vergehen. Doch ewig währt die Liebe, sie ist göttlichen Ursprunges, hoch erhaben über das Kleinliche in unserem Dasein." Die trostreichen Worte aus schönem Munde verfehlten ihre Wirkung nicht, bald waren die trüben Gedanken verscheucht, die sich des Jünglings bemächtigt, das Paar schritt gemeinsam den immer steiler ansteigenden Pfad aufwärts und befand sich endlich auf der Spitze eines rasenbedeckten Hügels, von welchem ein weiter Ausblick sich oarbot. Sah man nach Norden, so konnte man in weiter Ferne die schneebedeckten Häupter des Hermon und Libanon erblicken, die mit ihrem blinkenden Weiß sich prächtig abhoben von dem reinen Blau des Himmels. Stolz schauten sie hinab in's Thal; keines Menschen Fuß hatte noch ihre Gipfel betreten, kein Thier wagte sich in die unwirthlichen, von ewigem Winter beherrschten Höhen, nicht das kleinste Pflänzchen vermochte hier Wurzel zu fassen. Stolz schauten sie hinab auf das Meer, das sich kühne Männer''längst unterthan gemacht hatten und mit mächtigen Schiffen durchfuhren. Viele herrliche Bilderijzeigten sich auch in der Nähe. Die lange, rauhe Winterszeit mit ihren Regengüssen hatte aufgehört, die Wasser hatten die Gefilde gestärkt und gesättigt, auf allen Seiten begann es zu keimen und zu sprossen, reichlich gab der Boden das ihm anvertraute Saatgut dem fleißigen Landmanne zurück. Wie ein schmaler Silberstretfen zeigte sich hie und da der majestätische Jordan, yochangeschwollen durch die zahlreichen Gewässer, die ihm von den Bergen herab zuströmten. Die Wärme, welche die Sonne herntederfandte, wurde wohlthuend gemindert durch den frischen, kühlenden Hauch,