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Der Israelit · 1893-12-14 · Heft 99 (14.12.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 99 (14.12.1893)
Date
1893-12-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1874 zweckentsprechende Organisation der Local-Comite's an den Grenzen die russischen Auswanderer, in das Innere Deutschlands zu gelangen, indem sie von den Comite's direkt nach den Einschiffungshäfen befördert wurden. So lange die oft geschilderten und genugsam bekannten traurigen Zustände in jenen Ländern andauern, wird eine Abnahme des Wanderbettels bei uns kaum eintreten, werden die Hülfscasfen und die Privatwohlthätigkeit aller Orten, wo Juden wohnen, ihres Amtes walten müssen. Sind ja auch die Zustände in unserem eigenen Vaterlande derart, daß die materielle Lage eines großen Theils unserer Glaubensgenossen stark geschädigt ist, und viele derselben, vornehmlich in den ländlichen Distrikten, in unverschuldete Nothlage gerathen und sich der Mildthättgkeit preisgegeben sehen. Für die Erleichterung der Lage dieser hart Bedrängten müßte schon im Interesse der Heranwachsenden Jugend kräftig eingetreten werden. Ein Besuch der Hülfscasfen, eine Umschau bei den Unterstützungsvereinen, sowie Nachfrage bei Privatwohlthätern würden jeden unbefangenen Urtheilenden sehr bald darüber belehren und den augenfälligen Beweis liefern, wie böswillig und ungerechtigfertigt der den Inden von Seiten Uebelwollender gemachte Vorwurf ist, daß sie alle sich des Ueberflusses erfreuen, ja, daß sie nahezu in dem ausschließlichen Besitze der weltlichen Güter sich bcfiuden. Die leider allzuhäufige Armuth und oft unbegrenzte Dürftigkeit und Hülfslosigkeit, denen ein so beträchtlicher Theil unserer Glaubensgenossen preisgegeben ist, stellen die nur zu wenig beachtete Kehrseite zu dem glänzenden Bilde von Reichthum und Ueberfluß dar, das von anderer Sette in manchesmal vordringlicher Weise zu Tag tritt. Die Ausgaben betragen 27901,17 Mk., die bis auf 755,67 Mk. durch die Einnahmen gedeckt wurden. Stnttgart Wie ich von gutunterrichteter Seite höre, ist die Wahl des Herrn Seminardircctors Dr. Kroner in Hannover zum Nachfolger des im vorigen Jahre verstorbenen Kirchenraths und Rabbiners Dr. v. Wassermann so gut wie gesichert. Herr Dr. Kroner hat auf Wunsch und Einladung der Israel. Oberkirchenbehörde und des Israel. Kirchenvorsteheramtes am 4. d. vor denselben einen Probevortrag gehalten, und durch diesen sowohl, als auch durch seine Persönlichkeit ganz außerordentlich befriedigt. Der gute Ruf, der Herrn Dr. Kroner vorausgeht, lassen hoffen, daß durch dessen Anstellung der religiöse Sinn in Stuttgart und in ganz Württemberg wieder mehr geweckt und gehoben werde. Leipzig. Die hiesigen antisemitischen „Grenzboten" suchen für das Sächsische Schächtverbot, durch den Hinweis auf die Schweiz Stimmung zu machen. Das gehört zu ihrem Metier und deßhalb wird das Jeder in Ordnung finden. Aber sie sollten dabei ein wenig wählerischer in ihren Mitteln sein, und sich zu keinen Behauptungen versteigen, denen man die Verlogenheit auf den ersten Blick ansteht. Dazu gehört z. B. die Behauptung: „Daß auch orthodoxe Juden Fleisch von nicht geschächteten Thieren essen können, beweist übrigens die Schweiz selbst; denn für die eingezogenen jüdischen Soldaten wird nicht besonders geschlachtet und gekocht und in Deutschland essen schon lange sehr strenge Rabbiner an fürstlichen Tafeln unkoscheres Fleisch." Wenn der Genuß von unkoscherem Fleisch durch in der Schweiz etngezogene jüdische Soldaten als Beweis dafür gelten soll, daß auch orthodoxe Juden nicht geschlichtetes Fleisch essen, so müssen in der Schweiz nur orthodoxe Juden zum Militär herangezogen werden. Das glauben aber die „Grenzboten" wohl füglich doch selber nicht. Werden aber in der Schweiz die jüdischen Militärpflichtige zum Dienst herangezogen ohne Rücksicht auf ihre Orthodoxie oder Nicht-Orthodoxie und die Orthodoxen suchen sich auf rituelle Weise zu verköstigen, wie dies auch in Deutschland der Fall ist, während die Nicht- Orthodoxen in dieser Zwangslage nicht ihren Spetsegesetzen gemäß leben, so wäre doch unergründlich, wie man aus diesem Umstand einen Strick drehen kann, wie es da die Grenzboten versuchen. Mit dem zweiten Argument ist's aber noch kläglicher bestellt. — Wenn die Grenzboten nur einen einzigen nicht sehr strengen, sondern nun halbwegs strengen Rabbiner mit Namen nennen können, der an einer fürstlichen Tafel „schon lange" unkoscheres Fleisch gegessen hat, so wollen wir alle ihre andere Verlogenheiten für baare Münze nehmen! U. A. w. g. Schweiz. Basel, 7. Dezember. Die hiesige Chewra „EspSrance“ hatte bei Gelegenheit ihres 25jährigen Jubiläums eine Summe von tausend Francs zur Gründung eines Waisen-Fonds gestiftet. Durch Sammlungen in unserer allezeit wohlthätigen Gemeinde wuchs diese Summe schnell an. Jetzt ist bereits so viel vorhanden, daß aus den jährlichen Beiträgen und den Zinsen des Kapitals etwa 1000 Francs jährlich für den Zweck der Waisen- Erziehung ausgegeben werden kann. Am jüngsten Dienstag fand die konstituirende Versammlung des neuen Vereins statt, der den Namen: „Verein zur Erziehung israel. Waisen in Basel" annahm. Der Verein,

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