Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 99 (14.12.1893)
- Date
- 1893-12-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. ZsTWff* M 99. Der Israelit. Ein Kenlrak-Hrgan für das orlhodore IudenLyum. Begründer von Dr, Lehman» i» Mainz. Donnerstag, den 14. Dezember 5654 (1893). Da mit dem l.Jan. 1894 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1893 eingetragen unter Nr. 3224. Leitender Artikel. Pie Begründung des Schächtens. Von Bezirksrabbiner Dr. Ghrma»« in Baden (Schweiz.) Nachdem neuerdings dem deutschen Reichstag wieder ein Antrag zugegangen ist, das Schächten zu verbieten, wird die Nothwendtgkeit einer Begründung des Schächtens noch gebieterischer als bisher an die deutsche Judenheit herantreten. Wan wird gut daran thun die Bedeutung dieses neuesten Vorstoßes nicht zu unterschätzen. Daß der Reichstag durch seine Verhandlung am 18. Mat 1887 über dasselbe Verlangen zur Tagesordnung übergegangen ist, hat die Schächtgegner nicht entmuthtgt einen neuen Angriff zu wagen, und darf uns nicht zu der Annahme ermuthigen, es werde auch dieses Mal alles so glatt verlaufen wie voriges Mal. Die Situation hat sich seit sechs Jahren wesentlich zu unseren Ungunsten verändert. Das antisemitische Element ist heute stärker als damals im Reichstage vertreten. Inzwischen sind die Schächtverbote im Königreich Sachsen und in der Schweizerischen Eidgenossenschaft erfolgt. Die Gegner des Schächtens haben außerdem in der Presse, in Vereinen und bei Behörden seitdem eine ungeheuere Agitation entfaltet, und die vielfach zu Tage tretende Voreingenommenheit gegen das Schächten ist die Frucht dieser Agitation. Nichtsdestoweniger ist auch jetzt wohl nicht zu befürchten, daß die Vertreter des deutschen Volkes einem solchen Ansinnen entsprechen werden. Aber wenn ihm nicht so entschieden entgegen getreten wird, daß den Gegnern des Schächtens auf lange Zeit die Lust zu einem solchen Vorgehen vergeht, so werden sie in kurzen Zwischenräumen wieder und wieder kommen. Wenn nicht eine ganz unerwartete Wendung zum Besseren eintrttt, liegen bei der feindlichen Strömung gegen Juden und Judenthum die Chancen für uns in Zukunft nicht günstiger. Wir haben somit alle Ursache uns nach einer recht sorgfältigen Begründung des Schächtens umzusehen. So selbstverständlich dies auch ist, so läßt doch eine große Zahl der bisher jüdischersekts erfolgten Kundgebungen es nicht überflüssig erscheinen, auf eine Seite aufmerksam zu machen, die vielfach nicht die eingehende Würdigung gefunden hat, die sie in so hohem Grade verdient. Es ist dies das religiöse Moment. Es ist selbstredend, daß wenn Rabbiner, Lehrer oder, welche jüdische Wortführer auch immer in der Presse und den Behörden gegenüber das Wort zu Gunsten des Schächtens ergreifen, dies nur aus Rücksicht auf die religiöse Seite der ganzen Angelegenheit geschieht. Aber es kommt doch sehr viel darauf an, in welcher Weise die Betonung erfolgt. Es gibt sehr beachtenswerthe außerjüdische Kreise, welche in der That nicht begreifen können, daß die Art und Weise ein Thier zu lösten mit der Religion in Zusammenhang stehe und gar Gegenstand präciser, religionsgesetzlicher Normen ist. Den Bekennern einer Religion, die ihren Schwerpunkt in der Kirche hat, scheint es unverständlich, was dieselbe im Schlachthause, in der Küche, der Kleidung und vielen anderen Aeußerungen des Lebens zu thun habe Daß, wenn die Art und Weise die Thiere zu schlachten die Parlamente, die Gesetzgebung, die ganze öffentliche Meinung beschäftigt, auch die Religion wohl Veranlassung haben kann, sich damit zu befassen, ist eine Consequenz, die, so