Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1893-12-07 · Heft 97 (7.12.1893) · page 27

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 97 (7.12.1893)
Date
1893-12-07
Page
– (sequence 27)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448315-2448406--37599-2485670
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

'■•'■"v ' ’ -’z- " ' '.'V-'T'. " Bl Namentlich aber bitten wir edeldenkende Glaubensgenossen, uns beizustehen, dass wir unsere Anstalten nach zwei Richtungen hin ausbauen können. Je länger unsere Waisenanstalt besteht, desto grösser wird die Anzahl der Zöglinge, welche wir ihres vorgerückten Alters wegen entlassen müssen, um jüngeren Waisen Platz zu machen. Was sollen aber die jungen Leute nun anfangen? Wir lassen sie zwar zu Handwerkern erziehen, so lange sie in der Anstalt sind; wir geben ihnen auch etwas Kleidung mit, wenn sie dieselbe verlassen; jedoch mehr zu thun, gestatten uns weder unsere Statuten, noch unsere Mittel. Und doch möchten wir so gern für Handwerkszeug sorgen, möchten den jungen Leuten über den Anfang hinaushelfen, der überall so schwer, und in dem übervölkerten, nothleidenden Jerusalem noch viel, viel schwieriger ist, damit sie nicht nach einer kostspieligen Erziehung schliesslich dem Bettel und dem Elend anheimfallen. Möchte doch ein mit Glücksgütern gesegneter Freund des heil. Landes seinen Namen durch Stiftung eines Fonds für unsere entlassenen Waisenzöglinge verewigen! Er würde dadurch für alle Zeiten die Segenswünsche Derjenigen erlangen, welche von den Wohlthaten der Stiftung Gebrauch machen werden. Noch ein Zweites ist es, was uns schon seit Jahren beschäftigt, und dies bezieht sich auf die Schule. Unsere Mitglieder wissen, dass der Unterricht in gemietheteu Räumen ertlieilt wird. Sobald die Miethszeit abgelaufen ist, müssen wir uns mit dem Hausbesitzer wieder einigen, und um nicht, wie dies bereits mehrfach geschehen ist, mit dem Lokal zu wechseln, auch Bedingungen eingehen, die ein anderer Miether - nicht genehmigen würde. Dass die Räume nicht den Anforderungen entsprechen, die man in Europa an eine Schule zu stellen gewohnt ist, versteht sich von selbst. Vor Allem aber sind sie beschränkt, da die Häuser in Jerusalem nicht geräumig sind. Unser sehnlichster Wunsch geht nun daliin, ein passendes Schul haus zu erbauen. Natürlich würden wir einer grösseren Anzahl von Kindern die Möglichkeit einer guten Schulbildung gewähren und zugleich den in gesundheitlicher Beziehung an Schulräume zu stellenden Anforderungen gerecht werden können. Die Summe von 40,000 Frcs. würde hinreichen, ein eigenes, der Bedeutung der Schule entsprechendes Unterrichtslokal zu erbauen. Eine ähnliche Summe (40,000 Mark), die vor 13 Jahren eine ungenannte edle Wohlthäterin spendete, reichte hin, um das herrliche Grundstück unseres Waisenhauses zu erwerben und auszubauen. Aber auch schon die Summe von 25,000 Frcs. könn te uns die Möglichkeit eines Baues gewähren, da in dem grossen Hofraume des Waisenhauses Platz genug für einen der Schule entsprechenden Neubau vorhanden ist. Nur müssten dann die Anpflanzungen, die sich bis jetzt zugleich als eine vorzügliche Erholungsbeschäftigung für unsere Zöglinge bewähr t haben, geopfert werden. ImNothfalle müsste eben das Bessere dem Guten weichen. Wir hoffen, dass unsere Bitten nicht auf unfruchtbaren Boden fallen mögen. Die Noth im heiligen Lande ist so gross; wie vielen Unglücklichen könnten wir noch helfen, wenn die Mittel vorhanden wären! Doch wir verzagen nicht; für bedürftige, verlassene, unmündige Kinder haben unsere Glaubensgenossen stets das Herz und die Hand offen. (Fortsetzung folgt.) Ueber die Kolonien des Baron Hirsch. -.-ktGLSKZIZS',».- In der Oberleitung der „Jewish Kolonisation Association“ steht schon wieder ein Personenwechsel bevor, indem der bisherige Director, Herr Maxi m o Kogan, durch die Herren Sam. Hirsch, zuletzt Director der Ackerbauschule in Jaffa (Palästina) und Dr. Oayes Pages, Beide französische Israeliten, ersetzt wird. Nachweisbar haben unter der Oberleitung des Herrn Maximo Kogan die jüdischen Kolonisten ihre Hände nicht in den Schooss gelegt; sind doch dieses Jahr in den verschiedenen Kolonien des Baron H i r s c h an 9000 Hectaren Land neu bebaut worden, und zwar in folgenden Kolonien: Kolonie Mauricio . . 4500 Hectaren, „ Moisesville . 2000 „ Kolonie Clara . . . . 1500 Hectaren, „ San Antonio . 500 „ „ Monigotes . . 500 „ Es wurde Weizen, Mais, Alfalfer und Kleesaat angebaut, und stehen die Felder bereits im grünen Schmuck. Herr Maximo Kogan hat sich als ein strenger Vater seinen Kindern gegenüber gezeigt; aber nicht immer darf der Vater, der seine Kinder züchtigt, ein böser genannt werden, indem nach unparteiischen Urtheilen gerade ein strenger Vater seine Kinder aufrichtig liebt. So gestaltete sich denn zuletzt das Verhältnis zwischen Kolonist und Director ganz erträglich, die Einen schrieen, während die Anderen sich in die vom Director Kogan geschaffene Lage fügten, was sie warhscheinlich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.