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Der Israelit · 1893-12-07 · Heft 97 (7.12.1893) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 97 (7.12.1893)
Date
1893-12-07
Page
– (sequence 18)
Language
German
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*=* 1852 Aerzten stets mit der größten Achtung gegenüberträten. Eine solche, führte er nun Wetter aus, genießen die Aerzte auch jetzt noch bei den Juden, denn sie schenken dem Arzt das größte Vertrauen, die Honortrung ist durchaus angemessen. Dieses Verhalten dem Arzte gegenüber hat seine Ursache in dem überaus innigen Zusammenleben der Familie. Wenn ein Familienmitglied erkrankt, sind die andern in der höchsten Besorgniß. Man wendet sich sofort an den Arzt, hält sich mit ängstlicher Genauigkeit an alle seine Anordnungen, um ja nicht den erkrankten Liebling irgend welcher Gefahr durch Vernachlässigung auszusetzen. Ist der Kranke genesen, dann beweist die Familie dem Arzt die größte Dankbarkeit. Das Familienleben der Juden ist geradezu klassisch, eine solche Anhänglichkeit der Eltern an die Kinder und umgekehrt findet man gar nicht bei den Christen. Diese guten Seiten der Juden werden jetzt bei den antisemitischen Tiraden ganz übersehen. Der Antisemitismus ist eine geistige Epidemie und wird mit der Zeit wieder verschwinden, wenigstens wird der Kampf der Antisemiten, der eigentlich gegen das jüdische Kapital gerichtet ist, in der Form, wie er jetzt geführr wird, aufhören und es werden Juden und Junker zugleich bekämpft werden, wie es jetzt schon in Ostpreußen der Fall ist. (Jsr. Wchschrft.) Aus dem Grostherzogthum Baden. Der Großh. Oberrath der Israeliten in Karlsruhe übersendet an sämmtltche Bezirkssynagogen und Synagogenräthe des Landes einen Entwurf, die Vertretung der isr. Religionsgemeinschaft des Großherzogthums durch eine Synode, ähnlich wie bei den Protestanten des Landes betreffend. Zur Begutachtung des Entwurfs, die spätestens bis zum 30. d. M. der obersten Kirchenbehörde vorgelegt sein muß, sollen Bezirksversammlungen abgehalten werden. Die Synode soll nicht lediglich Steuerbewilligungsorgane sein, sondern es soll eine Vertretung der Gesammtheit geschaffen werden, die in allen wichtigen Fragen des kirchlichen Lebens die Bedürfnisse, Wünsche und Forderungen der Gesammtheit in autorativer Weise zu vertreten habe, sowie bei Erlaß neuer Satzungen und Umordnungen ihre Willensmetnung in die Wagschale zu werfen hätte. Die Synode soll aus 5 geistlichen und 20 weltlichen Mitgliedern bestehen, jene von den Landesrabbinern, diese unmittelbar von den Stimmberechtigen eines jeden Wahlbezirks in geheimer Abstimmung gewählt werden. Die Einberufung der Synode erfolgt alle drei Jahre durch die oberste Kirchenbehörde im Einverständnis mit der Großh. Regiernng. Die Berathung und Beschlußfaffung soll öffentlich sein. > vermischtes. Glogarr, im November. Zum Andenken an das vor mehreren Jahren verstorbene Joseph LazaruS'sche Ehepaar ist jüngst von einem Sohne dieses Ehepaares eine Stiftung von Hunderttausend Mark gemacht worden. Die Stiftung soll würdigen verschämten Armen Glogau's ohne Unterschied des Bekenntnisses zu Gute kommen. Justizrath Friedmann, ein naher Anverwandter des Testators, gehört zum Curatorium. Grünstadt, 14. Nov. Herr Simon Nahm feierte vor einigen Tagen sein 25jähriges Jubiläum als Vorstand der hiesigen israelitischen CultuSgemeinde. Aus diesem Anlässe wurde ihm von den Synagogen-Ausschußmitgliedern ein Gedenkblatt gewidmet, welches in künstlerischer typographischer Ausführung in Gold- und Farbendruck hergestellt ist und von den Ausschußmitgliedern in der Wohnung des Jubilars mit einer Ansprache überreicht wurde. A«S Elsaß-Lothringen, 1. Dec. Nach einer soeben veröffentlichten amtlichen Statistik beläuft sich zur Zeit die Gesammtzahl der Schüler an den höheren reichsländischen Schulen auf 8511. Darunter befinden sich 3927 Katholiken. 3764 Protestanten und 820 Israeliten. Katholiken und Protestanten sind also in annähernd gleicher Stärke vertreten Das Berhältniß ist für die Katholiken sehr ungünstig angesichts der Thatsache, daß Elsaß-Lothringen zu °/» katholisch ist. Meran. Das Asyl der Königswarter-Stiftung am Greutendamm wurde am 16. v. M., wie wir bereits kurz gemeldet, in feierlicher Weise eröffnet. Zur Feier waren als geladene Gäste u. A. erschienen: der k. k. Bezirkshauptmann Hr. Graf Wolkenstein-Rodenegg, Hr. Dr. Huber als Vertreter der Stadt Meran, Kurvorsteher Hr. v. Pernwerth, Vorsteher Tschoner von Untermais, die Kurärzte Hofrath Dr. Röchelt, Dr. Frank, Dr. Fischer u. a. m. Nachdem sich die Mitglieder der israelitischen CultuSgemeinde mit den Geladenen in dem geschmackvoll ausgestatteten Betsaale, der mit den Büsten des Kaiserpaares geschmückt war, versammelt halten, begrüßte dieselben Hr. Friedr. Stransky als Obmann des Curatoriums der Königswarter-Stiftung mit herzlichen Worten, der Bedeutung des Tages gedenkend. Nach ihm ergriff der Secretär der Gemeinde, Hr. Markus Vogel, der zur Zeit auch die kirchlichen Functionen versteht, das Wort, um zunächst das Weihegebei über das Haus zu sprechen, woran er ergreifende Ausführungen schloß über das Thema, welches die Confesston in ihren herrlichschönen Lehren über die leiblichen Werke der Barmherzigkeit behandelt. Nach einer Geschichte der Stiftung sprach Redner das Gebet für den Kaiser und sein Haus, als den Hort der Glaubensfreiheit, und schloß mit Segenswünschen für das Gedeihen unseres engsten Kreises, des Kurortes Meran. Hieraus erklärte Hr. Stransky das Asyl für eröffnet und lud die Gäste zum Rundgange durch das Haus ein. Wer das freundliche Haus sieht und dessen hellen, ansprechenden, für jedes mögliche Bedürfniß vorsorglich eingerichteten Räume durchwandert, dürfte kaum denken, mit welchen beschränkten Mitteln solches bewerkstelligt worden. Nur die muthigste, freudigste Schaffenskraft der Kuratoren der Stiftung, der Herren Stransky, Sanitätsrath Dr. Hausmann, R. Magnus, Ph. Bauer Dr. Hönigsberg, und nur deren Ausdauer und liebevolle Hingebung für die gute Sache waren die mächtigen Hebel, die das humane Werk zum Gelingen brachten. Das Haus, in allen seinen Theilen den hygienischen Forderungen der Jetztzeit entsprechend eingerichtet, präfentirt sich wahrhaft mustergiltig. Für jetzt ist für 9 Stiftlinge Platz geschaffen, welche dort unentgeltlich Wohnung, Frühstück, Beleuchtung, Beheizung, ärztliche Hilfe und Medikamente und Kurtax-Freiheit genießen. —

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