Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 97 (7.12.1893)
- Date
- 1893-12-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1846 „Er ist schwach", entgegnete die Mutier. „Aber eine gute Botschaft wird ihm nicht schaden, rief Lina, und sie eilte in's Zimmer an daS Bett des VaterS und sagte: „Ich bringe sie wieder, die Menorah, mein Vater. Und mit der Menorah wird das Glück wieder einziehen in unser Haus." „Owen, wechen jehi rozaun*)“, sagte der Vater mit schwacher Stimme. Und Lina stellte ein kleines Tischchen an die Seite des Krankenbettes und darauf stellte Oscar die Menorah, sodaß der Kranke sie bequem sehen konnte. Freude verklärte das Antlitz des Greises, als er sein Familtenkleinod wieder vor sich stehen sah, und seine Lippen sprachen: „Vater im Himmel, laß mich noch einmal schauen den Glanz der Lichter des Weihefestes." Darauf trat Lina wieder zu ihrem Vater und sagte: „Aber nicht nur die Menorah habe ich Dir gebracht, mein Vater. Kannst Du eine gute Botschaft hören, willst Du Jemand empfangen, den Du seit Jahren nicht gesehen und der Dir nahe, sehr nahe steht." „Gewiß, mein Kind, laß meinen Bruder nur eintreten, ich freue mich, ihn noch einmal wiederzusehen." Erstaunt blickte Lina den Vater an. Woher wußte dieser, daß sein Bruder in der Nähe? Und der Vater las die Frage auf ihrem Antlitz und er sagte, freundlich lächelnd: „Ich sah Dich mit Deinem Onkel und seinem Sohne im Traume." Lina hörte nicht zu Ende. Sie eilte zur Thüre und öffnete dieselbe. Da trat der Onkel herein und schritt auf das Bett zu. Er erschrack, als er den abgezehrten Kranken erblickte, aber er erkannte ihn. fiel vor dem Bette nieder, erfaßte die Hände des Kranken, bedeckte sie mit Küssen und ries: „Mein Bruder, mein lieber Bruder! So sehen wir uns wieder." „öorneh mechajeh hammesim,“ sprach der Kranke bewegt, „gepriesen sei Gott, der mir vor meinem Tode noch diese Freude gegeben hat." Lange hielten sich die Brüder umschlungen und Niemand wagte es, die erste Freude des Wiedersehens zu stören. Endlich trat auch Oscar heran und gab der Freude Ausdruck, daß Gott alles so zum Besten geleitet. „Jetzt wird mein Väterchen auch wieder gesund," rief Lina freudig bewegt. *) Amen, so sei Sein helliger Wille. „Und für mein Büschen hat die Zeit der Arbeit und Sorge ein Ende," sagte Oscar, dem jungen Mädchen glücklich in die Augen sehend, „denn von Morgen ab wohnt Ihr in unserem Hause, nicht wahr, Vater?" „Mir würde es die größte Freude bereiten," erwiederte dieser. „Für's erste bleiben wir hier," entschied endlich die Mutter, „bis der Vater wieder ganz hergestellt ist; dann mag er entscheiden und sein Wille ist unser Wille." „Du triffst doch immer das Rechte, mein Mütterchen," sagte Lina, die Mutter zärtlich umschlingend. „So sei es," sagte der Onkel, „und bis dahin werden wir Euch hier aufsuchen, so oft wir können." „Kommt morgen Abend zum Anzünden der Chanukkahlichter zu uns," bat der Kranke und die Damen unterstützten diese Bitte, so daß Oscar und sein Vater zu kommen versprachen. War das ein Chanukkahfest in dem ärmlich ausgestatteten Stübchen! Ein überirdischer Glanz ging von den Lichtern der Menorah aus und fand seinen Wtederschein in den glücklichen Gesichtern. Die Freude war die beste Medizin für den Kranken, der mit lauter Stimme und inniger Andacht den Segensspruch sprach: „Scheoso nissim laawausenu bajomim hohem baseman haseh, der Wunder erwies unsern Vätern in jenen Tagen um diese Zeit." Beim Scheine des Chanukkahlichtes erzählten sich die Brüder die Geschichte ihres Lebens und erkannten daraus, daß die Zeit der Wunder 'noch nicht vorüber ist, daß Gott heute noch Wunder wirkt für die, so ihn lieben und seine Gebote halten. Und während die Eltern sich gegenseitig ihre Herzen ausschütteten fanden sich die Herzen der beiden Kinder. Beim vollen Lichterglanz der Menorah verlobten sich am Abend des siebten Chanukkahtages Oscar und Lina. Noth und Sorge hörten jetzt auf und man sah einer glücklichen Zukunft entgegen. Und als das Chanukkahfest wieder erschien, da stand ein glückliches junges Ehepaar vor der Menorah und wartete mit Ungeduld auf das Erscheinen der Eltern. Endlich waren diese da und nun ergriff Oscar den Schamos, entzündete die Menorah und auS glücklichem Herzen und voller Brust ertönte aus aller Munde die Chanukkahhymne: Noauo zur iesehnosi! Der Urahn hatte Recht: „So lang die Menorah am Chanukkah brennt, wird über Dich und Dein Haus keine Gteseroh getrennt."