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Der Israelit · 1893-12-07 · Heft 97 (7.12.1893) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 97 (7.12.1893)
Date
1893-12-07
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Erste Beilage;u M 97 des „Israelit“. Zeitungsnachrichten ««- Korrespondenzen. Deutschland. Berlin. Das Fest ihres 150jährigen Bestehens feiert am 16. d. Mts. die hiesige „Beth- HamidraschGesellschaft", eine der ältesten Institutionen der Berliner jüdischen Gemeinde. Ein aus den angesehensten Mitgliedern der Gemeinde zusammgesetztes Komitee ist seit mehreren Wochen mit den Vorbereitungen einer würdigen Begehung des seltenen Festes beschäftigt. Die Festlichkeit findet in den Räumen der „Gesellschaft der Freunde" (Potsdamerstraße 9) statt. Wreschen, Provinz Posen. Freitag den 24. v. Mts. starb hier Herr Heimann Mtrels, Ehrenbürger unserer Stadt, im nahezu vollendeten 87. Lebersjahre. Fast 50 Jahre war der Verstorbene Repräsentant unserer Gemeinde. Auf dem Gebiete der moy und onori n^DJi hat er sich sehr verdient gemacht. Ganz besonders bemühte er sich für die Sammlungen der rwnpn p«. Allen Wohlthätigkeitsvereinen hiesiger Stadt gehörte er als Vorstandsmitglied an. Wie sich der Verblichene jederzeit in seinem Privatleben als uneigennütziger und opferfreudiger Charakter erwiesen hat, so hat er auch in seinen öffentlichen Stellungen stets mit allen Kräften zum Wohle der Stadt und ihrer Einwohner gewirkt. In dem dem Verstorbenen von dem Magistrat und den Stadtverordneten hiesiger Stadt, gewidmeten, ehrenvollen Nachrufe heißt es u. A.: „Während seiner dreißigjährigen Wirksamkeit als Mitglied der Stadtverordneten- Versammlung hat der Verstorbene mit aufopfernder Hingabe und rastloser Pflichterfüllung sich um das Gemeinwohl unserer Stadt verdient gemacht. Als Mitglied mehrerer städtischer Kommissionen hat er an den Arbeiten derselben, insbesondere an denen der Armen-Kommission eifrigsten und gewiffenhaftesten Antheil genommen, selbst bis in die letzte Zeit hinein ist er für das Wohl der Armen thätig gewesen. Sein anspruchsloses Wesen, sein gerechter Sinn und makelloser Charakter werden das Andenken an den Verewigten in dankbarer Erinnerung bleiben lassen." Die vorgestrige Leichenfeier für den Verstorbenen gestaltete sich zu einer großartig dankbaren Kundgebung unserer Stadt. Nicht nur die jüdische Gemeinde, sondern auch die Bürger aller Konfessionen wetteiferten, dem allbeliebten Manne auch noch im Tode ihre Ehrfurcht und Hochachtung darzubringen. Die Leiche wurde am Eingänge unseres Gotteshauses von den Gemeinde-Repräsentanten empfangen und in die vorderste Reihe der Synagoge geleitet. Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt aus Königshütte, ein Neffe des Verstorbenen, hatte die Leichenrede übernommen. Ein unübersehbarer Letchenzug, dem sich auch der Magistrat und die Stadtverordneten angeschloffen hatten, begleitete dann die sterblichen Ueberreste nach der letzten Ruhestätte. Auf dem ob>iy no sprachen unser Gemeinde-Rabbiner Herr Dr. Cohn und am Grabe selbst der emerttirte Lehrer, Herr Horwitz- Tremeffen, ein Schwiegersohn des Verstorbenen. H. Wolfs. Aus Westphaleu. In einer vor circa 8 Tagen in unserer Nachbarstadt Hagen abgehaltenen Versammlung hat der bekannte Antisemitenapostel Ltebermannvon Sonnenberg unter stürmischem Beifall den antisemitisch gesinnten Zuhörern einen 3stündigen Vortrag gehalten. Eine ganz eigenthümliche Versammlungstaktik wurde hier befolgt. Der Redner ließ sich von dem Wirthe, der für die Versammlung seinen Saal zur Disposition gestellt hatte, das HauSrecht übertragen und jeder, der es wagte, den geringsten Widerspruch zu erheben, ohne daß dadurch die Ruhe im geringsten gestört wurde, wurde aus demSaale entfernt. Ebenso erging es auch den gegnerischen Rednern, denen man nur 10 Minuten Redezeit gestattete und entfernt wurden, sobald sie nur einen Zwischenruf wagten. Auch dem Redacteur von der Düsseldorfer Bürgerzeitung, Herrn Stoffers erging es nicht besser. Die Folge dieser Maßregel war, daß allerdings Skandal vermieden wurde; allein die weitere Folge wird die sein, daß diejenigen Leute, die zu einer interessanten „Vorstellung" bisher kamen, und dazu gehört die Mehrzahl — künftig nicht mehr erscheinen werden. Wirklichen Boden kann der Antisemitismus, trotz aller Agitation und Anstrengungen im Kreise Hagen schon deßhalb nicht gewinnen, weil auch hier die Sozialdemokratie zu sehr im Wachsen begriffen ist. — Es ist wohl keine seltene Erscheinung, daß auch Israeliten antisemitisch e Versammlungen besuchen, daß aber in einer solchen einer unserer Glaubensgenossen zum Vorsitzenden gewählt wurde, dürfte bis jetzt noch nicht vorgekommen sein und verdient als Unikum mitgetheilt zu werden. In der Kreisstadt Hamm a. d. Lippe wollte man einen antisemitischen Verein gründen und hatte man zu diesem Behufe eine Versammlung anberaumt. In dem Augenblicke, als man zur Wahl eines Vorsitzenden schreiten und die Versammlung für eröffnet erklären wollte, erschien auch der jüd. Vorsteher Herr H .. z, der sich, nebenbei bemerkt, in allen, sowohl jüdischen, als christl. Kreisen, einer großen Beliebtheit erfreut, er

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