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Der Israelit · 1893-12-07 · Heft 97 (7.12.1893) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 97 (7.12.1893)
Date
1893-12-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1841 ihm von der Nachforschung ab, bis die Seuche vollständig erloschen sei und wieder geordnete Verhältnisse etngekehrt wären. Aber Oscar und sein Vater gaben die Suche nicht auf. Sie engagirten einen Privat-Detectiv, als ihr Forschen vergeblich war und gaben diesem die Sache zur weiteren Verfolguug. Unterdessen hatten sich die Verhältnisse Lina Ahronstamms und ihrer Eltern wieder gebessert. Lina hatte wieder vollauf zu thun und hätte sich schönes Geld ersparen können, wenn der Vater nicht krank geworden wäre. Die fortwährenden Grübeleien und die Aufregungen der letzten Zeit hatten den schwachen Körper des Mannes arg mitgenommen und er wurde bettlägerig. Der Arzt verlangte die sorgfältigste Pflege und die kräftigste Ernährung, so daß an ein ferneres Sparen nicht zu denken war. Krankheiten kosten immer Geld und wenn eine Krankheit in einem Hause erscheint, wo das Geld sauer verdient werden muß, so verschlingt sie dann den ganzen Verdienst und alle mühsam gemachten Ersparnisse. So erging es auch Lina. Die Pflege des Vaters verschlang nicht nur den augenblicklichen Verdienst, sondern ste zehrte auch die Ersparnisse auf, die sie zur Einlösung der versetzten Gegenstände zurückgelegt hatte. Sie gab mit Freuden alles für den Vater hin, wenn nur Leben und Gesundheit ihm erhalten würden! Der Arzt war aber so bedächtig und so ernst, daß sie sich auf das Schlimmste gefaßt machte. Sie fragte deßhalb den Arzt gar nicht und eines Tages, als der Arzt wiederum lange am Krankenbette verweilt hatte, nahm er, ehe er wegging, Lina allein und sagte: „Fräulein, die Krankheit Ihres Herrn Vaters giebt mir ein Räthsel aus. Das physische Leiden könnte den Patienten unmöglich so rasch und so weit herunterbringen; es müssen seelische Einflüsse da sein, die all unser Mühen, die Kräfte des Patienten zu heben, vergeblich erscheinen lassen." „Ich verstehe nicht, was Sie meinen, Herr Doctor!" „Ihr Herr Vater muß einen großen Kummer, eine Angst, eine Sorge haben, die mit jedem Tage größer und darum gefährlicher wird. Wissen Sie vielleicht etwas davon?" „Ob ich davon weiß," entgegnete traurig lächelnd das junge Mädchen; „Vater hat kein Geheimniß vor uns, und was ihn bedrückt, bedrückt uns auch." Und Lina erzählte dem Arzte, in welch' trostloser Lage ste sich mit den Eltern befunden hätte und wie man, um das nackte Leben zu erhalten, alles Entbehrliche verpfändet habe und wie zuletzt das höchste Kleinod der Familie, die Menorah in's Pfandhaus hatte wandern müssen. Ste erzählte ihm, welche Sage sich an das Kleinod knüpfe und schloß: „Das Chanukkahfest kommt heran und ich sehe keine Möglichkeit, bis zu dieser Zeit den Leuchter einzulösen. Der Vater kann dann die Freuden- und Weihelichter nicht daran entzünden und sieht deßhalb großes Unheil über uns heretnbrechen. Das bekümmert ihn; das hat er sich zu Herzen genommen. —" „Ja," versetzte der Arzt, „daS ist schlimm; da hilft alle Medizin nichts." Er entfernte sich und ließ Lina mit ihrem Kummer allein. Sie zerbrach sich den Kopf, auf welche Weise ste die Menorab wieder herbeischaffen könne — vergeblich, sie fand keinen Ausweg, und als das Wethefest vor der Thüre stand, da entschloß sie sich, zu dem Pfandleiher zu gehen, und ihn zu bitten, ihr während des Festes den Leuchter zu leihen und Abschlagszahlungen auf die geliehene Summe von ihr anzunehmen. Am Tage vor dem Eintritt des Chanukkahfestes machte ste stch auf den Weg. Je näher ste ihrem Ziele kam, um so langsamer wurden ihre Schritte. Ach, sie hatte so wenig Hoffnung, daß ihre Bitte erfüllt werden würde. Warum sollte es der Pfandleiher auch? Man sagt im Allgemeinen, Leute, die ein solches Geschäft haben, seien hart, die Noth. von der sie stets hören, die Thränen, die sie fortwährend sehen, mache sie unempfindlich gegen Jammer und Schmerz. Und zu einem solchen Manne lenkte Lina ihre Schritte, um von ihm Hilfe und Barmherzigkeit zu erbitten. Zagend trat sie in das große und finster aussehende Gebäude. Sie fragte einen der Angestellten, ob sie nicht den Chef sprechen könne und wurde von diesem in das Privatcomptoir geführt, woselbst Vater und Sohn an ihren Schreibtischen saßen und fleißig arbeiteten. Als Lina eingetreten war und den alten Herrn an seinem Schreibtische sitzen sah, stockte ihr Herzschlag. Hätte sie nicht sicher gewußt, daß ihr Vater leider schwer krank zu Hause liege, so hätte sie darauf geschworen, daß er vor ihr an dem Schreibtische sitze. Eine solche Aehnltchkeit konnte nicht zufällig sein und sie dachte sofort an einen Bruder des Vaters, der als Knabe schon in die Fremde gezogen und seitdem verschollen war und dessen der Vater manchmal schon erwähnt, den er aber stets als todt betrachtet hatte. Wenn dieser Bruder jetzt vor ihr stünde, so hätte der Allmächtige ja ihr Gebet erhört und der Vater würde wieder gesund werden, denn vom Onkel, vom Bruder ihres Vaters durfte sie die Erfüllung ihrer Bitte erwarten. Und als jetzt der alte Herr sie mit seiner weichen, wohlklingenden Stimme nach ihrem Namen und Begehr fragte, da waltete kein Zweifel mehr

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