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Der Israelit · 1893-12-04 · Heft 96 (4.12.1893) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 96 (4.12.1893)
Date
1893-12-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1880 Borwand für alle möglichen Ungerechtigkeiten und Mißhandlungen und die ganze Gemeinde ist auf Gnade und Ungnade dem Gouverneur ausgeliefert. Der zweite Uebertritt fand am Tage nach Jom Kippur statt und am selben Tage sandte der Kadi seine Häscher und ließ die Frau des Convertiten aus ihrem Wochenbett mit dem 12 Tage alten Säugling in den Armen, ins maurische Viertel schleppen, wo sie zurückgehalten wird. Sie wird dort auf jede mögliche Weise mißhandelt und gezwungen am Sabbat zu arbeiten und alle Gesetze unseres Glaubens zu verletzen. Trotz all diesem verharrt sie in ihrer Religion. Der Kadi hat wieder die Aeltesten der Gemeinde bedroht, die m Verzweiflung find, weil sie jeden Augenblick Prügel strafe und Gefängniß zu fürchten haben. Wenige Tage vor der geschilderten Begebenheit soll ohne Ursache ein junger Jude von den Mauren zu Tode geprügelt worden sein. Welcher Glaubensgenosse oder edle Menschenfreund weiß ein Mittel die marokkanische Regierung und Beamten zu einer menschlichen Behandlung der jüdischen Unterthanen zu veranlassen? > Vermischtes. Rogasen, Ende November. Auf Veranlassung unseres verehrten Rabbinen Herrn Dr. Rosenthal hat sich hier ein Verein gebildet, der durch die Pflege der geistigen Güter des Iudenthums fördernd auf den religiösen Sinn der Mitglieder etnwirken will. Wenn man bedenkt, daß die heute leider so grassirende gleichgiltige Seite für den angestammten Väterglauben und seine Vorschriften in erster Linie auf den Umstand zurückzuführen ist, daß den Meisten eine eingehende Kenntniß der jüd. Geistesaüter abgeht, so muß ein Verein, welcher sich die Pflege dieser Güter zur Aufgabe gemacht hat, naturgemäß aus den relig. Sinn geistig einwirken. — „Was man kennen und gelernt hat, wird man in diesem Falle schützen, lieben und achte« lernen." Das war die Idee, welche den hochverehrten Rabbinen, der mit wahrhaft unermüdlicher Kraft zur Jnstituirung geeigneter Einrichtungen bestrebt ist, die hiesige Gemeinde zu einer „Ir woem Bejisroel“ zu machen, bei Gründung des Vereins leitete. Möge der Erfolg nicht ausbleiben und der Verein blühen, wachsen und gedeihen. D. K. Wounrowitz, 29. November. Geleitet von denselben Erwägungen, die bei Gründung des Vereins für jüd. Geschichte und Literatur in dem beuachbarten Rogasen maßgebend waren (siehe unsere ' Correspondenz Rogasen in heutiger Nummer. D. R.) hatten verschiedene Herren die Gründung eines ebensolchen Vereins auch für den hiesigen Platz projektirt. Der Impuls zur Realistrung dieses Projekis sollte von außen kommen. Im benachbarten Rogasen hatte auf Veranlassung des dortigen Rabbinen Herr D. K. durch einen im Literaturverein gehaltenen Vortrag in weitesten Kreisen Interesse für diesen Verein wachgerufen. Es gelang Herrn K. zur Abhaltung eines Vortrages auch für den hiesigen Ort zu gewinnen, der dann gestern Abend im Saale des Saovadischen Hotels stattfand. Herr K. verstand es in längerer hinreißender Rede die Anwesenden derartig für die Ziele einer jüdisch-wissenschaftlichen Vereinigung zu entflammen und die Bedeutung eines derartigen Vereins für die Pflege des religiösen Sinnes klar zu legen, daß fast die gesummte Zuhörer sch a st ihren Beitritt zu dem projektirten Verein, erklärte, was eine augenblickliche Constttuirung desselben ermöglichte. Durch Vorl'.äge aus den verschiedenen Gebieten des jüdisch - geistigen Lebens, durch talmudisch-wissenschaftliche Uebungsabende rc. wird unser Verein sein Ziel zu erreichen suchen. Vom württemberqischeu - chwarzwald 30. Nov. Der gestrige Tag war für die Gemeinde Nordstetten ein schöner Festtag. Die Schreiner Abraham Rödelsheimer'schen Eheleute feierten in einer seltenen, körperlichen und geistigen Rüstigkeit die goldene Hochzeit. Auf 12'/* Uhr Mittags war M-nchagottesdienst eingerichtet, bei welchem sich die ganze Gemeinde, darunter die bürgerlichen und kirchlichen Ortsbeyörden, betheiligre. Nach beendigtem Gebete intontrte der „Sangerkranz" ein stimmungsvolles Weihelied und Lehrer-Vorsänger Strauß bestieg zu einer wirkungsvollen Ansprache die Kanzel. Das Jubelpaar hatte vor der letzteren Platz genommen. Zum Schlüsse der Rede erhob es sich und sprach als Dankgebet die wrinty rü~Q. Ein weiteres Lied beschloß die gottesdienstliche Feier, die auf Jeden einen tiefen Eindruck machte und ebenso wie das nachfolgende Bankett den deutlichsten Beweis dafür lieferte, daß die Familie des „alten Schreiners", der bis vor wenigen Jahren seinem Handwerke treu oblag und in demselben über 20 Lehrlinge ausbildete, bei der ganzen paritätischen Gemeinde in hoher Liebe und Achtung steht und daß das gesellschaftliche Zusammenleben hierorts das allerbeste ist. Gran. Die hiesige Synagoge wurde Nachts ausgeraubt. Unbekannte Einbrecher drangen durch's Fenster in das Gotteshaus, zerschnitten die wrthvollen Altartücher, stahlen eine Menge Silberzeug und entweihten die Gesetzesrollen. Der Oberstuhlrichter und der Komorner Stadthauptmann haben sofort eine Untersuchung eingeleitet. Es geschieht nun schon zum zweiten Male, daß die Grauer Synagoge in so frecher Weise beraubt wird. In Chaltanooga wurde der demokratische Kandidat Georg Ochs zum Oberhaupt der Stadt, Mayor, erwählt; der neue Mayor ist dev Herausgeber einer Gewerbezeitung, sein Vater war der Gründer der jüdischen Gemeinde und ihr freiwilliger Rabbiner, der aus Fürth in Bayren dahin kam und in Knoxville das Amt eines Friedensrichters bekleidete. Juden als Arbeiter tu de« Baamwollfpittuereieu i« Makedonien. In welcher Weise sich in Macedonien eine Baumwollindustrie entwickelt, zeigt der jüngste Bericht

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