Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 95 (30.11.1893)
- Date
- 1893-11-30
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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1718 Mutter und sagte: „GotteS Wege find unerforschltch; mir ahnt, daß durch die Menaurah sich unser Geschick ändern werde." Die Eltern lächelten trübe. Sie konnten den Optimismus der Jugend nicht theilen und hatten nicht das Herz, ihr Kind seiner Hoffnungen zu berauben. So »änderte auch die Menorah anderen Tags in's Pfandhaus. Es war ein herzbrechender Abschied, den der alte Mann von seinem Kleinod nahm. Er streichelte und kosete cs wie ein Kind und seine Lippen murmelten: „Kehr' zurück mein Leuchter zur Zeit des Lichtes in die dunkle Stätte, daß dein Licht sie erhelle, dein Glanz sie erfülle!" Lina erhielt für den Leuchter einen Betrag, der hinretchte, sie und die Eltern wahrend der folgenden Wintermonate vor dem Hunger zu schützen, und so erfüllte, ohne daß man daran dachte, der Leuchter jetzt schon, was die Sage von ihm erzählt — er hielt den Hunger von der Familie fern. Alle Leiden nehmen endlich ein Ende. Das Unglück, welches die alte Handelsstadt so schwer getroffen hatte, ging auch vorüber, die Seuche erlosch und freier athmete die im ganzen Reiche verfehmt gewesene Bevölkerung auf. Ein jeder suchte den Schaden, den ihm die Epidemie verursacht hatte, wieder einzubringen, und Handel und Verkehr hoben sich ganz unerwartet. Große Opfer hatte die Stadt zu bringen. Eine neue Wasserversorgung kostete viele Millionen; die Gewährung von Steuererlassen und Darlehen an durch die Seuche in Armuth gerathene Einwohner, das Unterbrtngen von fünftausend Waisen, die ihre Eltern an der Krankheit verloren hatten, verschlang ungeheure Summen. Allein die Freigebigkeit und Opferwilligkeit der wohlhabenden Bevölkerung, die gesunden Finanzen der Stadt widerstanden auch diesem Sturm und zum zweiten Male in einem Jahrhundert erhob sich die Stadt wie ein Phönix aus ihrer Asche. Auch bei der Familie Ahronstamm hatten wieder bessere Verhältnisse sich eingestellt. Lina hatte wieder Arbeit in Fülle und von Morgens früh bis tief in die Nacht hinein arbeitete sie ohne Unterlaß. Seit der Leuchter aus dem Hause war, kränkelte der Vater. Er grämte sich noch stündlich über die Trennung von seinem Kleinod und je näher das Chanukkahfest herankam, desto stiller wurde er. Auf welche Weise konnte er wieder in den Besitz seiner Menorah kommen, um rechtzettig die Lichter des Weihefestes an derselben entzünden zu können? Wie konnte seine Tochter in so kurzer Zeit so viel verdienen, daß sie den Haushalt davon befteiten und den ansehnlichen Betrag, den sie darauf entliehen, sich ersparen könne? Und wenn der Leuchter bis zum Weihefeste nicht in seiner Hand war, konnte er nicht daran entzünden, und der Schutz des Leuchters hörte auf! Alle diese Grübeleien machten den alten Mann krank und er mußte oft Tage lang das Bett hüten. Wohl bot Lina alles auf, den Vater aufzuheitern und ihn auf andere Gedanken zu bringen — vergeblich. Außerdem durste sie ja auch ihre Kunden nicht vernachlässigen und so rieb sie sich auf in der Erfüllung ihrer Ktndespfltcht. Die Mutter stand ihr redlich bei und so arbeiteten und sparten sie und kargten wie die Geizhälse. (Schluß folgt.) Iüdlstsies Allerlei. Man rühmte einmal vor dem Rabbi Ettling er in Altona einen Mann, der zwar nicht jüdisch lebe, aber doch ein jüdisches Herz habe. Ich kann nicht gut begreifen, sagte der Rabbi, wie ein koscheres Herz und ein trefener Magen eine so friedliche Nachbarschaft halten können. ——-- (Hebräisch.) Trimmst Pu den Muß mir fort, So findest Du das Wort Peß' Inhalt uns den Anlaß gab Zn feiern unfern Weißetag. Doch läßt den Kuß Au mir Zlnd nimmst den Kops dafür Wie ich auch drüber denk' Wleiöt nur noch rin Keschenlr. Läßt Au mich, wie ich bin, So findest Au darin Per Keiertage Zahl, Jetzt rathe fie einmal. Unter den Einsendern von richtigen Lösungen wird geloost und erhält der Gewinner ein Werk aus unserem Berlage gratis zugesandt. Einsender von richtigen Auflösungen, auf die der Gewinn nicht fällt, erhalten bei Bezug eines solchen Werkes einen Rabbat von 50 %. Verantwortliche Redaction: 08cat Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.