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Der Israelit · 1893-11-30 · Heft 95 (30.11.1893) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 95 (30.11.1893)
Date
1893-11-30
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1812 Mannheim, 16. Nov. (Verein für jüdische Geschichte und Literatur.) Im Casino-Saale hielt gestern Abend vor einer zahlreichen Zuhörerschaft Herr Dr. C. Heinemann aus Frankfurt a. M. einen etnstündiaen mit vielem Beifall aufgenommenen Vortrag über „Nathan der Weise in seinem Verhältniß zum Judenthum". Der Vortragende verstand seinem Thema, das ja schon häufig und eingehend in Wort und Schrift behandelt worden ist, noch neue Gesichtspunkte abzugewinnen und auch, wo er Bekanntes wiederholen mußte, so fesselnd zu sprechen, daß seine Ausführungen nie ermüdend wirkten. Ausgehend von einer kurzen Schilderung der Bedrückungen, welchen die Juden im 18. Jahrhundert ausgesktzt waren, hebt der Redner hervor, daß die Juden es Lessing niemals vergessen werden, daß er in seinem „Nalhan der Weise" für Menschenrecht und Menschenwürde machtvoll eingetreten ist und die Botschaft der Liebe und Duldung verkündet hat. Der jüdische Weise Moses Mendelssohn hat bekanntlich Lessing als Vorbild für seinen Nathan gedient. Die interessante Persönlichkeit Moses Mendelssohn, welcher die religiösen Anschauungen des Judenthums in sich verkörpert, nimmt dann auch in den Ausführungen des Vortragenden einen breiten Raum ein. Er weist nach, daß die religiösen Anschauungen Moses Mendelssohu's sich mit den Aussprüchen, welche Lessing Nathan dem Weisen in den Mund legt, in Ucbereinstimmung befunden. Die Fabel von den drei Ringen im „Nathan", welche Lessing dem Dekameron des Bocaccio entnahm, ist wie Dr. Heinemann darlegt, jüdischen Ursprungs. Sie findet sich auf Grund jüdischer Ueberlieferungen ausgezeichnet im „Schebath Jehuda." Dort waren es zwei Juwelen und die Frage sollte entschieden werden, welche Religion die beste sei. Lessings Fabel hat eine andere Tendenz erhalten, welche dahin geht, daß so lange Religionsverschiedenheiten bestehen und Bekenner verschiedener Religionen neben einander leben, Liebe und Duldung herrschen sollen- In diesem Sinne sprach sich auch die Antwort aus, welche Moses Mendelssohn Caspar Lavater auf dessen Herausforderung zu theil werden ließ. Uebrigens bildete die Schilderung der Vorgänge, welche sich zwischen Mendelssohn und Lavater absptelten, und ein hervorragendes Beispiel für die wahre Seelengröße des elfteren bilden, eine schöne und werthvolle Episode des Heinemann'schen Vortrages. * Vermischtes. * Berlin. Die im 3. Vierteljahrshefte der Zeitschrift des Königl. preußischen statist. Büreau's (1893) veröffentlichte Untersuchung des Geh. RegierungSrates Freiherrn v. Fircks über die Muttersprache und Abstammung der preußischen Bevölkerung enthält u. A. auch Nachrichten über die Verteilung der Angehörigen der einzelnen Sprachstämmen nach dem Religionsbekenntnisse. Soweit sie die 3 Hauptreligionen, insbesondere die Juden betreffen, hier zusammen und zwar auf's Tausend berechnet. 1 Religionsdekenntniß der germanischen Sprachgenossen: dänisch deutsch friesisch hollännorschwedisch englisch disch wegisch Evangelische 698,6 988.4 228,2 995,9 984,6 641,5 Römisch-Kathl.284,1 4,1 748,0 1,0 8,0 92,4 Juden . - .13,8 1.7 18,10 0,5 4,0 64,0 Juden finden sich hiernach in bedeutender Zahl unter den Personen englischer, demnächst unter denen holländischer Zunge, sehr selten dagegen unter denen der skandinavischen Sprachen und den Friesen. 2. Stetigionäbetcnntniä romanischer Sprachgenossen: wallonisch franz. Italien, spanisch portug. Evangelische . . . 19,3 358,0 28,0 323,8 354,3 Römisch-Katholische 979,2 610,8 965,6 637,7 570,9 Juien. 0,6 21,2 3,6 18,5 59,1 Juden finden sich also in größerer Menge unter den Portugiesen, demnächst unter Franzosen und Spaniern. 3. Religionsbekenntnis der Litauer und slavischen Sprachgenoffen: litaupolmasukassuwentschemährussisch isch nisch risch bisch disch chisch risch Evang. 968,4 90,8 962,5 25,8 957,7 448,9 14,8 218,4 Rom.-Kath.28,3 907,7 26,0 973,9 41.0 542,8 984,2 114,5 Juden . 0,6 1,1 1,8 0,2 0,1 6,0 0,9 339,4 Mehr als ein drittel der in Preußen lebenden Personen russischer Muttersprache sind ihrem Religionsbekenntnisse nach Juden. Wie«. Dem Berichte, welches das der, Blinden-Jnstitut über die Jahre 1890 bis 1892 veröffentlicht, entnehmen wir folgende Stellen: Mit dem Abschlüsse des letzten Trienniums im December 1892, hat das unserer Obsorge anvertraute israelitische Blinden-Jnstitut 20 Jahre seiner Wirksamkeit vollendet. In dieser Zeit haben 124 Zöglinge — 90 männliche und 34 weibliche — Erziehung und Unterricht erhalten, von welchen dem Vaterlande nach 19 nach Niederösterreich, 36 nach Galizien, 13 nach Böhmen, 14 nach Mähren, 2 nach der Bukowina, 2 nach Eroatien, 16 nach Ungarn, 4 nach Deutschland, 6 nach Rußland, l nach Frankreich, ü nach Rumänien, 3 nach Palästina und 2 nach Egypten gehören. 79 Zöglinge, und zw. 59 männliche und 20 weibliche haben nach ordnunsmäßiger Bildungszeit die Anstalt verlassen. Im letzen Triennium erhielten 53 Zöglinge — 37 männliche und 16 weibliche - Erziehung und Unterricht. In Budapest starb am 26. v. M, allgemein betrauert, Bernhard Deutsch de Hatvau, ein hervorragender Industrieller, ein edler Wohlthäter. Sein Leichenbegängnis) legte Zeugniß für die große Beliebth-üt des Dahingeschiedenen ab. — Meran, 15. Nov. Heute Vormittag wurde hier das Asyl der Königswarter'schen Stiftung für unbemittelte israelitische Kurgaste, die daselbst freie Wohnung nebst Heizung, Bedienung und Beleuytung, Frühstück, ärztliche Behandlung und Medikamente, Bäder. Befreiung von der Kurtaxe und sonstige Beneficien erhalten, im Beisein der staatlichen und städtischen Honoratioren und vieler illustren Kurgäste feierlichst eröffnet. Paris. Dem ehemaligen Präfekten des unteren Seine- Departements M. Hendle steht eine bedeutende Beförderung bevor. Er soll zum Präfeclen des Seine-Departements ernannt werden, und da dieses Departement Paris umfaßt, so ist dieser Posten einer der höchsten im französischen Civil- ' dienste.

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