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Der Israelit · 1893-11-30 · Heft 95 (30.11.1893) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 95 (30.11.1893)
Date
1893-11-30
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1806 haben, wie mir ein alter Israelit einst erzählte, schon seit 4000 Jahren ihre strenge Fletschschau gehabt, wir Andersgläubigen aber hier erst seit der Eröffnung unseres Schlachthofes. Wie aber, und das ist doch wohl eine durchaus berechtigte Frage, denken unsere Aerzte über den Genuß des Fleisches von Thteren, die kranke, perlsüchttge, schwindsüchtige Lungen gehabt habend Können denn nicht in anderen Fleischtheilen von solchen Rindern sich auch Tuberkulose-Bazillen befinden, die beim Genuß z. B. des rohen Hackfleisches beim Menschen ansteckend wirken können? Meiner Ansicht nach sollte man alle Schlachthtere, die bet der Untersuchung sich nur im Geringsten als krank Herausstellen, als trefe, wie der israelitische Ausdruck heißt, als ungenießbar für den menschlichen Genuß zurückweisen. Zur Düngerbereitung alles kranke Vieh! das müßte die strengste Anweisung für unfern Schlachthof in Zukunft sein." Dieser Vorschlag, so gut gemeint er auch ist, so schwer ist seine Ausführung. Es ist eben doch ein gewaltiger Unterschied, ob es Rücksicht auf die Polizei oder Rücksicht auf den Willen Gottes ist, welche zu einer Untersuchung der Schlachtthiere führt. Selbst die Rücksicht auf die Gesundheit reicht nicht aus, um sich sicher auf die Controlle verlassen zu können. Nur die aus religiöser Gewiffenhaftigkeit sich ergebende Selbstcontrolle bietet hinlängliche Bürgschaft für eine richtige Fleischbeschau. Auch diese Erwägung zeigt, wie selbst dieser am meisten in die Augen springende Vorzug des jüdischen Schlachtverfahrens nur dann in Wirklichkeit vorhanden ist, wenn die religiöse Seite des ganzen Schächtakts gewissenhaft eingehalten wird, denn ohne richtige Schechita ist auch eine richtige Bedika undenkbar. Oester.-Ungar. Monarchie. Wien, 24. Nov. Es ist wohl ein seltener Fall, daß ein Ehepaar, das durch 60 Jahre in gleichem Schritt durch das Leben gegangen ist und sich am Abende des Daseins im Versorgungshause befindet, das schöne Fest der diamantenen Hochzeit feiert. Eine solche Feier fand in überaus herzlicher, wenn auch bescheidener Weise vor Kurzem in dem israelitischen Versorgungshause in der Seegasse im IX. Bezirke statt. Daselbst feierten Herr Ignaz Dux und dessen Gattin Juliana den Gedenktag, da sie vor 60 Jahren das Jawort getauscht. Der Jubelbräutigam, ein sehr bekannter Fachgelehrter auf biblischem Gebiete, steht im 85., seine Gattin im 82. Lebensjahre und erfreuen sich die beiden greisen Leute großer geistiger und körperlicher Rüstigkeit. Nagh-Rata, 20. November. Unser Rabbiner, Herr Marcus Fischer, wurde vor Kurzem zum Rabbiner von Gödöllö gewählt und beabsichtigte er nun, auch die Gemeinde Tapio-Szele seinem neuen Bezirke etnzuverletben. Er begab sich zu diesem Zwecke am 15. ds. nach dem genannten Orte, um dort mit den Gemeindevorstehern über diese Angelegenheit zu verhandeln, worauf er wieder hierher zurückkehrte. Kaum hatte er das Coupe verlassen, als er von der Lokomotive eines auf dem Nebengeleise daherkommenden Lastzuges erfaßt, zu Boden geworfen und getödtet wurde. Die zerschmetterte Leiche des Unglücklichen wurde in den Aschensänger der Lokomotive geschleudert und dort von den zu Hilfe eilenden Personen aufgefunden. Der Verunglückte, der erst seit einundeinhalb Jahren verheiralhet war, lebte in glücklicher Ehe und htnterläßt eine Wittwe und ein sechs Monate altes Kind. Das Letchenbegängniß fand am 16. ds. statt, wobei der Devanyäen-Rabbiner, der Vater des Verunglückten, die Grabrede hielt, raun. Frankreich. fr. Paris, 8. November. Laut den neuesten Nachrichten der Gesellschaft zur Gründung von Colonien in Argentinien wurde beschlossen 9 Colonten (Dörfer) zu gründen. Dleselb n sollen n.ben folgenden Ortschaften liegen: 1) neben Casso W lbassa, 2) neben Trimero del Mecho, 3) neben St. Gregorio, 4) neben Elaro, 5) neben Ciaro Espagnole, 6) neben Spangenberg, 7) neben San Koje, 8) neben San V ucent, 9) entweder neben St. Vmcent oder neben San Antonio. Alle 9 Dörfer werden also zu dem Kreise Entre-Rio gehörig sein. — Die Verwaltung der Colonien liegt gemeinschaftlich in den Händen der Herren Cohn, Cafes und Hirsch. Vermischtes, -ch- Belgrad, 8. November. Auf seiner Reise durch das Innere des Landes berührte Seine Majestät unser König Alexander auch das nahegelegene Nisch. Bürgermeister und Gemeinderath veranstalteten eine Festtafel, an welcher Seine Majestät theilnahm, zu welcher unsere Glaubensgenossen die Herren Jsac Cabisohn und Gemeindevorsteher Salamon Russo geladen waren. Am Geburtstage des Königs wurde der hiesige Gemeindevorsteher mit dem Takowa-Orden III. Classe belehnt. Derselbe trägt übrigens noch einen ihm vom König Milan verlieyrnen Orden. Der Papst Leo XIII. hat, wie verläßliche Meldungen aus Rom berichten, die Verwaltung des päpstlichen Vermögens der Firma Rothschild in Paris übertragen. <^er heutigen Nummer liegt ein Prospekt der Buchhand- ** lung I Kauffmaun, Frankfurt«. M., betreffs Bäck Geschichte des jüdische« Volkes bei, auf welchen wir unsere Leser besonders aufmerksam machen.

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