Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 95 (30.11.1893)
- Date
- 1893-11-30
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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WWWWWWNWWWWWM^WWMWWWVWMI^.' u .^.,... ,T,... ,.... ■■.,j-r.. , - ■■ , XXXIV Jahrgang. ’ Jfa 95. Der Israelit. (Sin Gentrak-Hrgan für das orthodore IudentHum. Brgründet von Dr. Lehma«« t« MninK. Donnerstag, de» 30. November 5654 (1893). Mainz, 29. November Der Allgütige hat das deutsche Reich vor einem schreckliche« Unglück geschützt. Bon ruchloser Hand hatte man Anschläge gegen de« Kaiser n«d den Reichskanzler beabsichtigt. Bon Orleans aus sind am Sonntag an de» Kaiser und den Reichskanzler eine Sendung mit einer Höllenmaschine mit einem gleichen Begleitschreiben eiugetroffen. Ein glücklicher Zufall erregte rechtzeitigen Argwohn und vereitelte die Wirkung der Höllenmaschine. In seiner großen Freude, daß dieser verdammenswürdige gegen den Kaiser und den Reichskanzler gerichtete Plan vereitelt worden ist, wird das ganze deutsche Bolk dankend seinen Blick zu dem gütige« Leuker der menschlichen Schicksale erheben Leitender Artikel. Judentum wider Gfiristentßum. Mainz, 29. November. Die kaiserlichen Worte: „Ich gebrauche christliche Soldaten, die ihrVaterunser beten", haben in der öffentlichen Meinung und ihren Organen, je nach ihrer religiösen Anschauung vielfache Beachtung und Erörterung gefunden. Wir hätten keine Veranlassung auch unsererseits zu diesen Worten Stellung zu nehmen, wenn nicht auch dieser Anlaß benützt worden wäre, um in verlogener, gehässiger Weise das Christenthum wider das Judenthum auszuspielen. Ueber unsere Auffassung dieser Worte und die Bedeutung, welche wir ihnen beimessen, brauchen wir nicht viel zu sagen. Alle, welche, wie diese Blätter, im Dienste einer positiven Religion stehen, mögen es Bekenner des Judenthums oder einer seiner Tochterreligionen sein, alle müssen die Gesinnung achten und ehren, aus welcher diese kaiserliche Kundgebung stießt, und aufs sehnlichste wünschen, daß sie allenthalben richtig aufgefaßt, beherzigt und verwirklicht werde. Wir vermögen darin auch nicht den leisesten Schein einer Zurücksetzung derjenigen Glieder der Armee zu finden, die nicht dem Christenthum angehören. Im Gegentheil finden wir es begreiflich, daß der erste Befehlshaber einer Armee, die sich zum allergrößten Theil aus Bekennern des Christenthums rekrutirt, wenn er dem religiösen Moment einen hohen Werth beilegt, in erster Reihe vom christlichen Soldat spricht. Man müßte mit wahrheitswidriger, splttterrichtender Spitzfindigkeit an diesem Fürstenworte deuten, wollte man ihm unterstellen, er wünsche nur christliche und z. B. keine jüdischen Soldaten. DaS kann durchaus nicht der Inhalt dieses Wortes sein. Es sagt nur, daß die christlichen Soldaten, aus welchen der großen Mehrheit nach, die Armee besteht, christlich-religiös sein und diese Gesinnung durch ihr Gebet bekunden sollen. Nichts mehr und nichts weniger. Ungläubige Christen und irreligiöse Juden sind es allerdings, welche dieser kaiserliche Ausspruch als unbrauchbar für die Armee bezeichnet. Diese haben thatsächlich allen Grund sich an dieser Auffassung zu stoßen. Aber, daß sich diese Elemente daran stoßen, ist ohne Zweifel die wohlberechnete Absicht dieser Aeußerung. Diese mögen gegen einen solchen Ausspruch geltend machen, daß er nicht verfassungsmäßig ist, weil das Gesetz keinen Unterschied zwischen gläubigen und Nichtgläubigen Bürgern und Militärpflichtigen kennt. Aber wenn es eben die tatsächliche Ntchtberücksichtigung des religiösen Moments im Staatsgesetze ist, welche diese Aeußerung eines persönlichen kaiserlichen Wunsches veranlaßt hat, so wird man das Aussprechen eines solchen Wunsches keinem Bürger und gewiß nicht dem ersten Befehlshaber der Armee verdenken wollen.