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Der Israelit · 1893-11-23 · Heft 93 (23.11.1893) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 93 (23.11.1893)
Date
1893-11-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1776 achten der beiden Herren sprechende Wohlwollen gegenüber dem jüdischen Lehrer, der meistens auch pn und dhw ist und gerade den Nachmittag vor dem Pesachfeste zu Obliegenheiten aller Art gebrauchen muß. Die kgl. Regierung der Pfalz, deren Loyalität auch in der Art und Weise, wie sie zu dieser Entscheidung kommen mußte, deutlich erkennbar ist, mag ein rührendes Beispiel von der Einigkeit der Herren Bezirks-Rabbiner (die allerdings auch sonst nicht groß ist) bei der Abgabe von religiösen Entscheidungen bekommen haben. Am meisten Erstaunen mag das Reskript bei denjenigen erregt haben, die da wissen, daß die Herren Bezirksrabbiner von Dürkheim und Zweibrücken, inssondere der erstere, streng religiös sind, während die beiden andern Herren, die hier N-ioin^ entschieden haben, der Reform angehören, der Herr Bezirks-Rabbiner von Landau der am weitgehendsten. Möchten doch die Herren Bezirksrabbiner in Zukunft bet derartigen Anlässen mehr Einigkeit zeigen, als in ihrer sonstigen Thätigkeit, damit die kgl. Regierung der Pfalz mit mehr Recht und Sicherheit ihre Entscheidung anrufen kann. Oester.-Ungar. Monarchie. Prag, 31. October. Gestern fand hier im Mischen Rathhause die zahlreich besuchte konstituirende Versammlung eines neuen Vereines statt, der einem von den Rabbinern unseres Landes schon lange gefühlten Bedürfnisse entspricht, des Vereines „Rabbiner-Verband in Böhmen". Die Aufgaben, welche der Verdand sich stellt, werden am Deutlichsten aus § 2 der behördlich bereits genehmigten Statuten ersichtlich. Dieser § 2 lautet: Der Zweck des Vereines ist: a) Hebung des religiösen Sinnes durch Förderung des Religionsunterrichtes, Pflege der jüdischen Wissenschaft und Abhaltung öffentlicher Vorträge. d) Wahrung der Ehre des Judenthums durch Verbreitung richtiger Kenntnisse seines Inhalts und durch Abwehr öffentlicher Entstellungen desselben. c) Die Gründung und Förderung solcher Anstalten anzustreben, welche den religiösen und humanitären Bedürfniffen der Judenheit in Böhmen Rechnung tragen. d) Wahrung der Würde und Jntereffen des Rabbinerflandes. e) Austausch von Erfahrungen in der Amtsthatigkeit. Geleitet wird der Verband von einem siebengltederigen Ausschüsse, in welchen folgende Herren gewählt wurden: Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Prag, zum Präsidenten, Rabbiner Dr. Kurrein, Teplitz, zum I. Vtcepräsidenten, Rabbiner Dr. S. Back, Smichov, zum H. Viceprästdenten, Rabbiner Dr. I. Ziegler, Karlsbad, znm Schriftführer, Rabbiner Dr. Poznansky, Pilsen, zum Cassier, Dr. Banet, Gablonz, zum Beisitzer und Rabbiner Dr. Stern, Saaz ebenfalls zum Beisitzer. Um eine gründliche und gediegene Wirksamkeit zu ermöglichen, wurde der Beschluß gefaßt, für die Bearbeitung des reichhaltigen Materiales drei Sektionen zu errichten. Diese Sectionen sind: I. Für Religionsunterricht. Obmann Dr. Grün, Prag. II. Wissenschaft und Apologetik, Obmann Dr. S. Back, Smichov. III. Wahrung der Standeswürde, Obmann Rabbiner Dr. Stark, Weinberge. Zu lebhaften Debatten gab ein weiterer Programmpunkt: „Ueber Heranbildung von Religionslehrern", Anlaß. Es wurde endlich beschlossen, die Errichtung eines Lehrerseminares in Böhmen anzustreben und die Gemeinden aufzufordern, durch Beiträge und Sammlungen die Geldmittel zur Gründung einer solchen Anstalt zu beschaffen. Die Section „Religionsunterricht" wird beauftragt, schon jetzt einen Lehrplan für die ins Auge gefaßte Lehranstalt vorzubereiten. Dieselbe Section schreitet auch an die Ausarbeitung eines einheitlichen Lehrplanes für den Religionsunterricht an Volks-, Bürger- und Mittelschulen. Beim letzten Punkt der Tagesordnung „Freie I Anträge" gibt Dr. Stern, Saaz die Anregung, daß eine populärwissenschaftliche Monatsschrift zur j Belebung und Hebung des religiösen Sinnes, zu- 1 gleich als Organ des Verbandes gegründet werde. | Nach verschiedenen Erwägungen wurde der Antrag i angenommen und zum Redacteur Dr. Hirsch, Karolinenthal bestimmt; ins weitere Redactionscoj mitS jedoch auch noch Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, Dr. Kurrein und Dr. Stern gewählt. Nachdem die Versammlung ihrem würdigen! Vorsitzenden für seinen Beitritt zum Verbände — der allein ihn lebensfähig gemacht — durch Erheben von den Sitzen ihren wärmsten Dank ausgesprochen, schließt der Präsident die constituirende Versammlung des R.-B. i. B. mit herzlichen Worten des Dankes für die Opferwilligkeit und Begeisterung der Mit-! glieder, die zweifellos schöne und erhebende Leist-; ungen erhoffen lassen. Frankreich. - Paris. In der großen Synagoge der Rue de la Victoire fand eine Versammlung der einbes rufenen israelitischen Seminaristen und der sonstigen? israelitischen Rekruten statt. Der Großrabbiner Frankreichs, Herr Zadoc Kahn, entflammte mit hinreißender Beredsamkeit die Seminaristen und ihre Kameraden für die gewiffenhafte und patriotische Erfüllung ihrer Pflichten in dem Militärdienste des Vaterlandes; er entwickelte das Thema, daß der den Landesgesetzen schuldige Gehorsam auch eine religiöse Vorschrift und Verpflichtung sei. Es wird ß dazu bemerkt, daß die katholischen wie die israeliti- 1 schen Seminaristen ausgezeichnete Rekruten find, z deren Anwesenheit im Regimente niemals Veran-! laffung zu einer Ungebührlichkeit gibt.

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