Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 91 (16.11.1893)
- Date
- 1893-11-16
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Euer Hochwohlgeboren! Wir nehmen keinen Anstand, zu erklären, daß unsere Angaben in dem Werke „Die animalischen Nahrungs- und Genußmittel des Menschen" über das Schächten insoferne irrthümlich sind, als die auf pag. 62 desselben enthaltenen Thesen nicht dem Werke Ehrmann's, sondern einer ebenfalls unter dem Titel „Das Schächten" erschienenen Streitschrift entstammen, deren Verfasser von unserer diesbezüglichen Quelle — dem „Archiv für animalische Nahrungsmittelkunde (1891, Nr. 6—7, pag. 106, Redakteur Dr. Schmidt- Mühlheim und Anton S t i ch e r in Cöln) — gleichfalls als Jude bezeichnet wird. Dieser letztere Umstand bot in Gemeinschaft mit der Gleichheit des Titels die Veranlassung zur Namensverwechslung, welche wir aus Gründen der literarischen Wohlanftändigkeit bedauern, zumal uns jede etwa vermuthete, auf anderen als rein sachlichen Principien bastrende Beurtheilung der Schächtfrage vollkommen ferne liegt. Wenn wir erst heute in der Lage sind, dies zu eröffnen, so hat das seinen Grund darin, daß e8 hiezu langwieriger Nachsuchungen in unserem bedeutenden Quellenmaterial bedurfte. Euer Hochwohlgeboren werden gewiß keinen Anstand nehmen, dieser Erklärung in Ihrem geschätzten Blatte Raum zu geben und uns sowie Herrn Dr. H. Ehrmann in Baden, Schweiz, je ein Exemplar der bezüglichen Nummer, eventuell gegen Ersatz der Kosten unsererseits zu übersenden. Wir zeichnen mit dem Ausdrucke der vorzüglichen Hochachtung Euer Hochwohlgeboren ergebener Postolka, Toscano. Wien, am 4. November 1893. Soweit die „Oesterr. Wochenschrift." Wir sind in der Lage über eine Bereicherung des Quellenmaterials der Herren Postolka und Toscano berichten zu können, welche vielleicht nicht ohne Eiufluß darauf war, daß die Herren in einem einzigen Tage fanden, was sie 15 Wochen lang vergeblich gesucht haben. Dieselbe hat folgenden Wortlaut: Baden (Schweiz), 3. November 1893. Herren August Postolka und Anton Toscano, Beamtete Thierärzte. Wien. In Ihrer Schrift „Die animalischen Nahrungs- und Genußmittel des Menschen" findet sich Seite 61 ein Passus, der Cttate aus meiner Schrift „das Schächten" bringt. Dieselben gipfeln in der Behauptung, daß der jüdische Schlachtritus in den mosaischen Gesetzbüchern nicht begründet und daß es aus religiösen Gründen geboten sei, den bisher üblichen Schlachtritus durch die Schlachtmaske zu ersetzen. Ich erlaube mir Ihnen unter Streifband zwei Exemplare meiner Schrift „das Schächten" zuzusenden, damit Sie sich selber überzeugen können, daß dieselbe nicht ein einziges Wort in diesem Sinne enthält, sondern ganz ausdrücklich die ganz entgegengesetzte Tendenz hat, nämlich die religiöse Verbindlichkeit und die technische Vorzüglichkeit des jüdischen Schlachtverfahrens ins rechte Licht zu setzen. Ich bitte Sie daher Ihre Angaben öffentlich als irrig zu widerrufen und mir gefälligst diesen Widerruf bis zum 15. d. Mts. einzusenden. — Sollte dies bis dahin nicht erfolgt sein, so wäre ich genöthtgt selbst die geeigneten Schritte zu thun, die ich der Wissenschaft und meiner amtlichen Stellung schuldig bin. Hochachtungsvoll Bezirks-Rabbiner Dr. Ehr mann. Rußland. Petersburg, 31. Oktober. Zu Beginn des Jahres 1894 wird das von einer Spezialkommission des Ministeriums des Innern aufgestellte Projekt des allgemeinen Juden-Reglements im Reichsrath zur Prüfung gelangen. Zu gleicher Zeit wird der Reichsrath auch über die vom Departement der geistlichen Angelegenheiten und der fremden Konfessionen ausgearbeiteten Abänderungen zu den jetzt bestehenden jüdischen Wohlthätigkeitsbestimmungen verhandeln. vermischtes. Berlin, 10. Nov. Ein großartiges Autodafe fand an den ersten drei Tagen dieser Woche im Moabiter Kriminalgericht statt. Nachdem das im Judenflinten-Prozeß gegen Ahlwardt gefällte ilrtheil rechtskräftig geworden ist, war mit den Ueberbleibseln des Prozesses aufzuränmen. In den Verwahrungskammern des Gerichts lagen noch 50,000 beschlagnahmte Judenflinten-Broschüren, diestaut rechtskräftigem Urtheil vernichtet werden mußten. Das ganze Material wanderte in die Heizung des Gerichtsgebäudes. Zum großen Theil waren die Druckbogen noch nicht gefalzt und geheftet, ganze Ballen verschlang das Feuerloch eines riesigen Dampfkessels Da Papier aber sehr langsam brennt, so dauerte die Prozedur drei Tage. Der Dampfschornstein auf dem Kriminalgericht warf zuweilen derartige Rauch-- und Aschenmengen aus, daß die nächste Umgebung von Weißen Flecken wie nach einem Schneefalle bedeckt war. Einmal erkundigte sich sogar die Polizei danach, ob ein Brand ausgebrochen sei. Die Verbrennung fand unter strengster Aufsicht statt. Am Mittwoch wurden der Firma Ludwig Lowe die Bücher — ein ganzer Wagen voll — ausgehändigt, die während des Prozesses beschlagnahmt waren.