Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 91 (16.11.1893)
- Date
- 1893-11-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1730 Ort, wo solche Differenzen auszugleichen waren, oder sind es die stiftungsfeindlichen Lemberger Journale, wo man sie zum unverbesserlichen Schaden der armen Glaubensgenossen an die große Glocke hängt? Hat das Curatorium, welches ja mehr als genug Ursache hatte, tief begründete Klagen gegen das Exccutiv-Comtls zu führen, jemals einen solch ignoblen und gefährlichen Weg betreten? Uebrigens hat Herr Professor Rosenblatt inzwischen zur Genüge aus dem Jndianergeheul der Lemberger judenfeindlichen Presse erfahren, wessen Arbeit er damit besorgt hat, daß er seine „privcipiellen Meinungsverschiedenheiten" in die Oeffentlichleit so ostentativ hinausgeschrieen hat; es wäre denn, daß er auf die Dankbarkeit dieser Presse rechnet. Bezüglich der Vorwürfe über Mißstände beim Religionsunterrichte erwähne ich nur, daß das Curatorium beim Beginne meiner Thätigkeit über meine Veranlassung einen eigenen, die Hebung des Religionsunterrichtes bezweckenden Erlaß an die Schulleitungen ergehen ließ. Auch ist es unrichtig, daß ich eine Reducirung der Lehrergehalte veranlaßt habe. Die Lehrergehalte bei der Stiftung sind genau so wie beim Lande in einem eigenen Regulaliv fixet, und sagen die Stiftungsstatuten nirgends, daß dieselben höher zu sein haben als die Landes Lehrergehalte. Ich habe blos eine eigene Kategorie von „besoldeten" Praktikanten eingeführt, während die Praktikanten beim Lande unbesoldet sind. Auf die gegen meine Person vorgebrachten Verunglimpfungen brauche ich umso weniger zu reagiren, als der objrctiv Dankende schon nach den bisherigen Proben wissen wird, was er von solchen Auslassungen zu halten hat. So viel sei mir noch gestattet zu bemerken, daß man auf gewisser Seite sehr, sehr unangenehm überrascht sein würde, wenn ich die auf meinen Jnspectionsreifen gemachten Erfahrungen veröffentlichen wollte. Ich kenne jene gewissenlosen Handlanger, welche jeden Augenblick auf die Losung lauschen, solche erlogene Alarmberichte, wie sie gegenwärtig an der Tagesordnung in Galizien sind, auch an auswärtige, mit unseren galiztschen Verhältnissen ganz unvertrauten Journalen abzuscnden. und werde Gelegenheit finden, die fortwährend im Verborgenen Wühlenden ans Tageslicht zu zerren und die gemeinen Motive ihrer Handlungsweise zu enthüllen; aber das mögen sie sich heute schon gesagt sein lassen: ihre Absichten, die Lehrer der Stiftungsschulen zu alarmiren und diese selbst zu zerstören, uud zwar uur deshalb, weil diesen Frivolen ihr schädlicher Einfluß auf diese Schulen abgeschnitten wurde — das wird nimmer gelingen. Pest, il. Rov. Der Minister des Innern hat die Stiftungsurkunde betreffend die Anton Freistädtler'sche 100,000 Gulden Stiftung, welche die Pester israelitische Kultusgemeinde zu erhalten hat, nicht genehmigt. Der Minister wünscht, daß l. der Urkunde ein Auszug des Freistädtlerffchen Testamentes beigeschlossen werde; 2. daß das Datum des Freistädtler'schen Sterbetages, für welche die Urkunde den 15. Mai, der königl. Gerichtshof aber den 17. Mai anführt, rektififirt werde und 3. daß der Nachweis über die nach diesem Stiftungskapital bezahlte Erbsteuer zu unterbreiten ist. Dieser Gegenstand wird im Wege des Magistrates der Kultusgemeinde zugestellt. Briefkasten der Redaction. Herr D. in H — Wenn wir alle Geschmack- und Taktlosigkeiten der Rahmer'schen Wochenschrift nach Gebühr zurückwersen wollten, so müßten wir ihnen allwöchentlich eine besondere Ausgabe widmen. — Das besorgen die antisemitischen Zeitungen. — Was speciell die Expectorationen „die jüdisch-christlichen Mischehen vor der brandenburgischen Provinzia l-Synode" betrifft, so haben sich die genannten Blätter des Gegenstandes bereits als eines saftigen Bissens bemächtigt. Wir verweisen Sie auf die „Staatsbürger-Zeitung" vom 10. Nov. und den „Reichsboten" vom 11. Nov., welche die Unverfrorenheiten des Rahmer'schen Blattes natürlich als „Jüdische Gesinnung" behandeln. — Alan kann den Antisemiten schon dieses Vergnügen gönnen, da ihre Beschnüffelung der anderen jüdischen Blätter ihnen keinerlei Stoff für ihren Klatsch liefern. — Bei uns gilt Herr Dr. R. mit seinem Blatt, als das enfant terrible der jüdischen Journalistik, das daher Niemand ernst nimmt. Bei dem beschränkten Leserkreis des Blattes, würde man ohne die antisemitischen Zeitungen wenig von seiner Existenz wissen. Wir unterlassen daher den Abdruck Ihrer Entgegnung rr: ntdd N'vrr Npnc' Herr N in B Wir haben von dem Schreiben Ihres Sohnes s. Z. leider keinen Gebrauch machen können, weil es sich nur in allgemeinen Klagen erging, aber keine positiven Thatsachen enthielt. — Wenn Sie resp. Ihr Sohn un« bestimmte Anhaltspunkte an die Hand geben, so sind wir gern bereit dieselben zu veröffentlichen und dadurch den traurigen Mißständen entgegen zu wirken. M^ir Endesunterschriebene haben die Reise von London nach Capetown mit dem Dampfer ..Methven Castle" der Castle Line gemacht und machen wir uns ein Vergnügen daraus, hiermit öffentlich zu erklären, daß wir sowohl mit der Kost, als Reinlichkeit und Bedienung aus diesem Schiffe in jeder Hinsicht zufrieden waren. Während dieser Reise haben wir Juden die hohen Festtage an Bord gefeiert und war der Capitain so rücksichtsvoll, uns einen der besten Plätze auf dem Schiffe für den Gottesdienst anzuweisen, so daß wir dessen Güte und Loyalität nie vergessen werden. Auch danken wir dem obersten Steward und besonders dem holländischen Steward, welche Alles aufgeboten haben, um uns diese Reise so angenehm als möglich zu machen. Hier folgen 30 Unterschriften.