Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 91 (16.11.1893)
- Date
- 1893-11-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448400--37451-2485516- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
*Jß* 'vvf^'‘!' ^'^■~v";&?,■ XXXIV. J-chrganss. M 91. Der Israelit. Ein Kenlrak-Hrgan für das orthodoxe IudentHuw. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Donnerstag, de« 1«. November 5654 (1893). Leitender Artikel. Z>er Kindersegen. (Zu Paraschath Wajeze). (Schluß.) II. Mainz, 15. November. Wir haben das harte Loos Jakobs im Hause Labans durch einige markante Züge zu veranschaulichen gesucht, um uns die Bedeutsamkeit des Kindersegens zu vergegenwärtigen, für den allein Jakob alle diese Widerwärdtgketten Jahre, Jahrzehnte lang htnnahm. Noch mehr als das materielle, körperliche Wohl war die Sittlichkeit, Redlichkeit und der ganze Charakter des flüchtenden Neffen im Hause des abgefeimten Onkels gefährdet. Darüber hat sich Vater Jakob am allerwenigsten einer Täuschung hingegeben, längst bevor er die Schwelle des Hauses von Laban überschritten hatte. Schon aus der Wanderschaft dahin, ringt sich ihm die Bitte aus dem gepreßten Herzen: bn otota 'naien o»p^ »fj *n mm w rra „Wenn ich in ungetrübter sittlicher Vollkommenheit wieder in mein Vaterhaus zurückkehre und Gott sich mir als Gott bewährt!" Diese Worten deuten die Weisen: p^> t*hw ,Nünr. ]d tbw TW t>ios kxd» id» ^rrtp ’b 1 n rrm DmaN^ nmi n nnoam i? ’mn*: im vdj ."prw “uniVi nvrh „In sittlicher Vollkommenheit d. h. frei von Sünde, daß ich nichts von Labans Lebenswandel annehme. Gott wird sich mir in seinem ganzen göttlichen Walten bewährt haben, wenn sich unter meinen Nachkommen kein Unwürdiger findet. Das ist die Abraham gewordene Zusicherung, Gott bewährt sich dir als Gott, wenn deine Nachkommenschaft dir nachfolgt." Wenn Jakob das Haus seines Onkels nun aufsucht, um dort nach dem Wunsche des Vaters die Lebensgefährtin zu finden und mit ihr ein Haus zu gründen, aus dem ihm eine seiner Ahnen würdige Nachkommenschaft erblüht, so begreift sich die Sorge, daß in solcher Lage kein Unwürdiger seinen Familienkreis entehren möge. Erforderte schon die eigene Makellosigkeit ungetrübt zu erhalten den energievollen Lebensvorsatz, wie wir ihn hier ausgesprochen finden, welches Einsetzen des ganzen Lebens verlangte dann erst die Erziehung von Kindern im Geiste eines Abraham unter dem Einflüsse eines Großvaters, wie es Laban war! Wie sich Jakob für seine Person diesem verderblichen Einflüsse entzog, das beulet uns das Wort des nächsten Wocheuabschnitts an, daß Jakob seinem heranztehenden Bruder zur Besänftigung sagen ließ: 'ma pV oy „bei Laban habe tch als Fremder geweilt." Raschi weist auf den Zahlenwerth des Wortes ti-ü hin, der 613 beträgt und andeutet, daß auch im Hause Labans Jakob den 613 Geboten der Thora treu blieb. Aber von diesem Zahlenwerth abgesehen, dürfte in dem Worte *rru die treue Anhänglichkeit für die Ideale des Vaterhauses angedeutet sein, die kein Umgang mit Laban zu beeinträchtigen vermochte: Ein Neffe, der 20 Jahre im Hause des Oheims lebt, ist nicht mehr fremd in diesem Hause. Wenn Jakob dennoch von sich sagen durfte, er sei in dieser Zeit dem Hause fremd geblieben, so zeugt diese abweisende Haltung gegen den Verkehr mit Onkel und Schwiegervater, »map nisa mm, daß Jakob dem Pflichtgebot der Thora die Treue bewahrt hat, daß die treue Hingebung an das göttliche Pflichtgebot der Talisman war, der ihn vor dem Eingehen und Untergehen in die Lebensweise eines Laban bewahrt hat. Viel schwieriger war es diese abweisende Haltung bei den Frauen und den Kindern Jakobs consequent durchzuführen. Wie schwer es Jakob gefallen sein mag, seine Familie diesem verderblichen Einfluß zu entziehen, das ergibt sich aus zahlreichen Andeutungen des Schriftwortes an der Hand der