Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 89 (9.11.1893)
- Date
- 1893-11-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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. 9^C:-7-yx T“.^'' TT; -'-7*v""'V^*lRr* XXXIV. Jahrgang. Mette Beilage;u M 89 ües „Israelis. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Ratibor. Zur Nachahmung empfohlen halten wir folgende Worte, die der Landtags-Candidat für den Kreis Ratibor, Herr Hauptmann a. D. von Gilgenheimb, in seiner Rede gesprochen: „Meiner christlichen Lebensanschauung entspricht es nicht, Andersdenkende wegen ihrer politischen oder religiösen Ansichten zu verfolgen. Auswüchse müssen bekämpft werden, wo immer sie sich finden; aber ich halte es für unrecht, wegen Uebergriffe Einzelner eine ganze Gemeinschaft zu verurtheilen." — Was wird Herr Stöcker sagen zu den Ausführungen eines Mannes, der. Aristokrat vom Scheitel bis zur Sohle, von sich erklärt, daß seine politischen Anschauungen auf durchaus ch ristlich-conservativen Grundsätzen beruhen, sowie daß er ein üb e rze u g r e r Katholik sei? Und was wird er weiter sagen, wenn er hört, daß die öffentliche Aufforderung zur Wahl dieses Candidaten von Herrn Erzpriester S t r z y b n y unterzeichnet war? — Der in Ratibor erscheinende „Oberschlesische Anzeiger" bringt folgende Notiz: Der Pastor prim, in Pitschen, Kreis Kreuzburg OS. sandte dieser Tage an den Vorstand der Synagogengemeinde in Ostrowo ein Schreiben folgenden Inhalts: Vor zwei Jahren starb hier der Cultusbeamte Isaak O s ch e r, ein Mann, der trotz seiner nur in Polen genossenen Ausbildung ein nicht unbedeutender Hebräer gewesen ist. Zuletzt bezog er ein Gehalt von monatlich 30 Mark und die sehr unbedeutenden Schächtgebühren, weil die Judengemeinde hier sehr klein ist. Seine Wittwe lebt hier in dürftigen Verhältnissen, weil von ihren 9 Kindern noch keines im Stande ist. die Mutter zu unterstützen. Da nun die hiesige Judengemeinde so klein ist, so erlaube ich mir, für die Wittwe dieses braven Mannes und tüchtigen Hebräers fürbittend einzutreten und wende mich mit der Bitte um eine Unterstützung auch an die Synagogengemeinde zu Ostrowo, indem ich mit gutem Gewissen die Frau Oscher einer Unterstützung für ebenso würdig als bedürftig erkläre. H. Koelling, Pastor prim. Der Bitte des Pastors wurde sofort entsprochen. England. London, Ende October. Getreu dem Grundsätze »^.uäiatur et altera, pars“ glaubten wir der nachstehenden Correspondenz die Aufnahme in unserem Blatte nicht versagen zu dürfen. Geehrter Herr Redacteur! In einem längeren Artikel „Ein Nothschrei aus London" bringen Sie einen Auszug aus einer Broschüre und knüpfen Bemerkungen daran dahingehend, daß die religiösen Zustände überhaupt die Schechita am hiesigen Orte gar im argen seien. Daß Sie, geehrter Herr Redacteur, in der Aufnahme eines solchen Artikels in dem guten Glauben dem orthodoxen Judenthume einen wesentlichen Dienst zu leisten, handelten, daran zweifelt niemand, dem das ehrenhafte Bestreben Ihres geschätzten Blattes, das frei von irgend welcher Beeinflussung stets für das Gute eintritt, wo es immer kann, bekannt ist. In der That, die in dem genannten Artikel erwähnten „Thatsachen" sind der Art, daß sie jeden zu der irrigen Meinung verleiten könnten, als hätte unsere Gemeinde mit einem bedeutenden Theil des überlieferten Judenthums gebrochen. Glücklicher Weise entbehren diese Thatsachen jeder Grundlage — dieses zu beweisen, ist der Zweck der folgenden Zeilen. Ein derartiger dem wahren Sachbestand hohnsprechender Vorwurf konnte nur aus der gehässigen Feder eines Parteimannes hervorgegangen fein, und ist es daher die Pflicht eines jeden, den wahren Sachbestand klarzulegen, da es sich hier nicht allein um die Ehrenrettung unseres ehrwürdigen Chief Rabbi und seines streng religiösen Beth-Din, nicht um die Rechtfertigung einer unschuldig angeklagten dsi tv handelt, sondern um die Klarstellung der Wahrheit, die dem Schreiber von „Ein Nothschret aus London", wie mir scheint, nicht bekannt ist. Ich will für heute wenigstens, auf den Vorwurf, daß hier das Resormjudenthum mit unbeschränkter Macht herrsche, nicht eingehen, da jeder, dem die Verhältnisse hier bekannt sind, leicht sehen kann, daß es eine bloße Phrase ohne irgend welchen inneren Gehalt ist, und für den weniger Eingeweihten würde eine bloße Bemerkung en passant, wie es die Natur dieses Artikels erfordert, kaum hinreichend sein. Aber die Infragestellung des nnura unserer Schechita ist von einer solchen Wichtigkeit, daß eine sofortige Widerlegung mir unumgünglich nothwendig erscheint. Was der erste Passus in der zweiten Fortsetzung des genannten Artikels betrifft, so bemerke ich darauf: Es ist nicht wahr, daß Dr. Adler sich nicht auf eine gründliche Erforschung und Untersuchung des Thatbestandes einlaffen wollte. Die Schechita war und ist ein Gegenstand besonderer Aufmerksamkeit seitens des hiesigen Beth-Din; Dr. Adler weigerte sich