Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 88 (6.11.1893)
- Date
- 1893-11-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. M 88 Der Israelit. Ei« Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthuw. Begründet von Dr. Lehman» in Mainz. Montag, den 6. November 5654 (189S). Leitender Artikel. Der Ettern fegen. (Zu Paraschath Toledoth). Mainz, 5. November. I. Unser Wochenabschnitt erzählt uns von dem Segen, den Jizchak seinen Söhnen Jakob und Esaw ertheilte. Dieser Segen hat seit Jahrtausenden bis auf den heutigen Tag der ganzen Weltgeschichte ihre Signatur verliehen. Die Stimme Jakobs und die Hände Esaw's, ihre Kämpfe, ihre Siege, sie sind es, welche der ganzen Geschichte der Menschheit ihr charakteristisches Gepräge ertheilen. Wenn dieser Kampf in unseren Tagen von beiden Seiten in erregter Weise geführt wird, wenn das Klirren des Esauschwertes, den Hall der Jakobsstimmen zu übertäuben droht, so erblicken die Herolde dieser Stimme darin nichts als die Verwirklichung der Verheißungen, welche sich an den Segen Jakobs und Esaws knüpfen. Dieses Bewußtsein, daß dieser Gegensatz nicht erst seit heute und gestern sich geltend macht, daß er weit zurück in die graue Vorzeit reicht, daß er seit Jahrtausenden von seinen ersten unscheinbaren Anfängen bis zu seinem einstigen Ausgang vorhergesehen und bestimmt ist, dieser Umstand nimmt ihm seinen schärfsten Stachel. Wir kennen den Anfang dieses Gegensatzes, wir kennen die Verheißungen und Segenswünsche, welche den feindlichen Brüdern für diesen Kampf von dem segnenden Vater für alle Zukunft mit hinausgegeben wurden, und wir wissen den Ausgang dieses Kampfes, den das Prophetenwort in die Verkündung kleidet: nn’m wy in nN ose6 ji's ins dwid ftyi . nai^on „Die Sieger auf dem Berge Zions, ziehen hinauf um Gericht zu halten über den Berg Esaw's; dann hat Gottes Königthum seine Verwirklichung gefunden." (Obadjah I. 21.) Diesen Ausgang wird kein noch so imponirendcs Auftreten des Esau-Schwertes und keine zeitweilige Unterdrückung der Jakobsstimme hintanhalten. Diese trostreiche Erwägung dürfte es sein, welche die Weisheit unsere Weisen an die ersten Worte unseres Wochenabschnitts durch den Hinweis auf die jesajanische Weissagung knüpft: osercH -jpn Dipn iw1? tai n^>s’ Nb •pty i$rv '1 DM TINO DPplsn 'n '12V nbnz PINT 'p'lvin „Jedes Waffengeräth, das gegen dich geschmiedet wird, wird nicht zum Ziele führen und jede Zunge, die sich gegen dich zum Streit erhebt, wirst du schuldig sprechen; das ist das Erbthei! der Diener Gottes und ihres mir entstammenden Rechts." (Jesaja Cap. 54, V. 17.) Der Segen, der die Brüder entzweite, der ihre Nachkommen bis zu dieser Stunde in zwei feindliche Lager theilt, lautet: PI 211 JHNH MDJPDT DWPI -vv D’p^NH JOM innen fn^ Taa in o’di^ innen d’dj? inaj?’ en’ni .^112 *p12öl 111N 1»11N “JON 02 „Es gebe dir Gott vom Thau des Himmels, von der Fettigkeit der Erde, und eine Fülle von Getreide und Most. Es sollen dir Völker dienen und sich dir Nationen beugen, werde Herr über deine Brüder, es sollen sich dir beugen die Söhne deiner Mutter; wer dir flucht, den treffe der Fluch, und wer dich segnet, sei gesegnet!" Diesen Segen hat der Vater dem erstgeborenen Esaw bestimmt. Durch eine Verkettung von künstlich herbeigeführten Veranstaltungen erhielt ihn der zweitgeborene Sohn Jakob. Man hat diese Veranstaltungen oft zu bemängeln und andererseits diese Bemänglung wieder zu entkräften gesucht. Die Jahrtausende, welche zwischen jenen Vorgängen im Zelte Jizchaks und der Gegenwart liegen, haben