Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 87 (2.11.1893)
- Date
- 1893-11-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448396--37367-2485428- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
XXXIV. Jahrgang. J\ß gy# Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodoxe IudenLyum. Begründet »on Dr. Lehman» in Mainz. Donuerftag, de« 2. November 5654 (1893). Leitender Artikel. Die Agitation gegen das Schächten, Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ghrmautt in Baden (Schweiz). (Schluß.) Was wir zur Bekämpfung der Agitation gegen das Schächten nach außen thun können, ist nur wenig. Aber das Wenige wird mehr als genügen, wenn es nur erst gelungen ist, der Schechita und den daran sich knüpfenden Speisegesetzen die alte Werthschätzung und gewissenhafte Beachtung in unserem eigenen Kreise wieder zu sichern. Gegen den Judenhaß, der sich in den Mantel der Thierliebe hüllt, gibt es kein Mittel. Man hat kaum eine rechte Vorstellung von den maßlosen Propaganden gegen das Schächten, die ihren Centralpunkt in Berliner Thierschutzkreisen hak. Von dort aus wird wie die ganze antisemitische Agitation im allgemeinen und spectell die gegen das Schächten in alle Länder dirigirt. (In Paranthese sei daran erinnert, daß in Berlin nicht nur der Antisemitismus, sondern auch der zeitgenössische Abfall vom überlieferten, historischen Judenthum seine Hochburg hat. Es ist, als sollte man die Wahrheit mit Fingern greifen, daß beide Auswüchse unserer Zeit einen und denselben Boden haben!) Millionen von Flugblättern werden von dort nach allen Richtungen zur Discreditirung der Schechita verbreitet. Es giebt Einzelne, welche die Bekämpfung des Schächtens sich zur Lebensaufgabe gemacht haben und ihr ihre ganze Thätigkeit widmen. Ein solcher hat erst kürzlich die Erklärung abgegeben, er könne nicht sterben, bis das Schächten allgemein verboten sei. Der Herr, an den diese Erklärung gerichtet war, erwiederte ihm darauf, daß er dann voraussichtlich sehr lange leben werde. Aber eine allgemeine Aufregung und Beunruhigung der Juden in aller Herren Länder werden die Agitatoren jedenfalls erreichen. Die Agitation wird durch ihre Maßlosigkeit und ihre Ausdehnung auch vorurtheilsfreie Kreise gewinnen, die von Haus aus Juden und Judenthum nicht feindlich gesinnt sind. Man wird bestrebt sein die Agitation soweit zu betreiben, bis man glücklich allenthalben eine „Schächtfrage" zu Wege gebracht hat. Stellt man aber das Schächten erst in Frage, so hoffen die Agitatoren, daß die Antwort, welche auf diese Frage erfolgt, nach ihrem Wunsche ausfallen werde. Man wird die Discussion darüber in die Zeitungen, Versammlungen und in die - Parlamente tragen und dre bisherigen Erfolge sind nicht geeignet die Bekämpfet' des Schächtens zu entmuthigen. Wenn wir diesem Eifer unserer Feinde ebenbürtig entgegen treten wollen, müssen wir eine ähnliche, eine womöglich noch ausgedehntere Propaganda entfalten. Es müßte dann ein Central- Comitö und an allen Orten Local-Comitss ad hoc gebildet werden, welche die Zeitungen, Flugblätter und die Verhandlungen in den Thierschutz-Vereinen verfolgen, um ihnen entgegen zu treten. Dazu gehört eine eingehende Kenntniß der einschlägigen Literatur und speciell aller Einwände, welche die Gegner des Schächtens geltend machen, um ihnen mit Erfolg entgegen^treten zu können. Ich habe alles was