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Der Israelit · 1893-10-26 · Heft 85 (26.10.1893) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 85 (26.10.1893)
Date
1893-10-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Zweite Beilage ju M 85 des „Israelit“. Leitender Artikel. Pie Aokonien des Maron Airsch. Von Lucicn Gerbe l. «Nachdruck verboten.) (Fortsetzung aus Nr. 80.) Ter Regen, welcher schon beim Eintreffen Dr. Loewenthals begonnen, dauerte fort und Mauricico bot wieder ein so trauriges Bild wie nach der Ankunft der ersten Familien. Da unsere Anwesenheit auf der Colonie sehr nöthig war, so baten wir Herrn Ingenieur Terracini Dr. Loewenthal zu begleiten. Tie Lage in Mauricio hatte Dr. Loewenthal zu Thränen gerührt. Nach seiner Rückkehr aus Casares theilte uns Ingenieur Terracini mit, daß ihn Tr. Loewenthal mir nassen Augen darum bar, ein Mittel zu ersinnen, um eiligst den Familien in Mauricio Schutz gegen die ungünstige Witterung zu bieten, und ermächtigte uns, selbst 50,000 Dollar hierfür zu verwenden, wenn nur dadurch das Elend gehoben würde. Ader selbst die größte Summe Hüne es nicht ermöglicht, rasche Hilfe zu schaffen. Herr Ingenieur Terracini schlug uns vor, große Schuppen aus Holz mit Wellblech überdacht aufzubauen; aber in Mauricio war das nöthige Material nicht vorhanden und die Anschaffung, welche nur in der Hauptstadt erfolgen konnte, hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen. Der Kalender notirte die ersten Tage Oktober und man sah dem Ende des dieses Jahr so regenreich ausgefallenen Frühlings entgegen. In der Thal war dies auch der letzte Regen, den uns diese Jahreszeit brachte, nunmehr stellte sich andauernd schönes Wetter ein und jetzt stand dem energischen Angriff der Arbeiten nichts mehr im Wege. Zur Beschleunigung der Landvermessungs-Arbeiten war dem Ingenieur Terracini ein Assistent, Mr. Ade, königl. dänischer Lieutenant der Reserve, beigegeben. So lange die Parzellirung nicht beendet, konnte die Ansiedelung der Familien auf ihren Feldern nicht vorgenommen werden. Um aber Allen Beschäftigung geben zu können, legten wir einen großen Garten an. In diesem Garten wurden alle Gemüsearten gepüanzt und war damit der doppelte Zweck verbunden, erstens Samen zu ziehen, der dann den Familien vertheilt werden sollte, zweitens sollten diese Arbeiten eine agronomische Vorschule sein. Bei diesen Gartenarbeiten beschäftigten wir alle Colonisten, welche kein Handwerk hatten. Nun gingen sie alle sehr willig ans Werk, da sie gesichert waren, daß ihnen ein Drittel ihres Tageslohnes in Baar ausbezahlt werde. Unter den Colonisten waren alle Handwerke vertreten, wir richteten alle Klein-Industrien ein. Da mittlerweile alles nöthige Material und Handwerkzeuge in Mauricio eingetroffen waren, ließen wir für jedes Gewerbe eine Werkstätte aus Brettern und mit Zinkwellblech überdacht, Herstellen. Auf der Colonie waren ca. 15 tüchtige Zimmerleute und in wenigen Tagen hatten sie mit großer Geschicklichkeit die nöthige Anzahl Pavillons erbaut. Eine der größten Werkstätte wurde den Tischlern und Zimmerleuten angewiesen. Unter der Leitung eines lüchtigen Meisters, ebenfalls ein jüdischer Colonist, waren in dieser Werkstätte alle Tischler und Zimmerleure vereinigt; wir waren in der Lage, sie mit genügend Hobelbänken und mit ganz ausgezeichneten Handwerkzeugen auszurüsten. Arbeit war auch genügend vorhanden. Nachdem sie die nöthigen Tische und Stühle für die andern Werkstätten und für die Administration angefertigt hasten, nahmen sie gleich die Herstellung der Thüren und Fensterrahmen für die Colonisten-Häuser in Angriff. Mit Freude sahen alle Colonisten das rasche Fortschrciten diefer Arbeiten. In dieser Werkstätte wurden auch die nöthigen Schlitten für die bevorstehende Ernte hergestellt; diese Schlitten, sowie übrigens alle Tischlerarbeiten, waren so geschickt und schön ausgeführl, daß benachbarte Gutsbesitzer, welche unsere Colonie besuchten und mit großem Jntereffe ihre Entwickelung verfolgten, uns baten, auch für sie die Herstellung von Schlitten zu übernehmen. Da wir genügend Arbeiter hatten, konnten wir dem Wunsche unserer Nachbarn genügen: im Camp ist es sehr der Brauch und übrigens auch nothwendig, gute Nachbarschaft zu halten und sich gegenseitig nach Möglichkeit zu unterstützen, wir selbst kamen in der Folge öfter in die Lage, von unseren Nachbarn Gesälligkeitsdienste in Anspruch zu nehmen. Fast gleichzeitig mit den Tischlern und Ziminerleuren begannen alle unter den Colonisten vorhandenen S äi mi ed e und Schlosser ihre Thätigkeit. Der große Schuppen, der im Anfang den Colonisten - Familien Unterkunft bot, wurde ganz neu hergestellt, ebenfalls mit Zinkwellblech überdacht und als Schmiede und Schlosserei eingerichtet. Zwölf ganz ausgezeichnete Meister arbeiteten hier mit anerkennenswerthem Eifer, ließen unermüdlich die mit Kraft geschwungenen Hämmer auf das glühende Eisen fallen und das Anschlägen der Metalle rief helle Töne, klangvolle Melodien hervor. Es war wirklich ein schöner Anblick, in dem Halbdunkel dieser Werkstatt die kräftigen, von Ruß geschwärzten Gestalten zu beobachten. Sechs, von mächtigen Blasebälgen angefachte Feuer warfen ihren dunkelrothen Schein auf die muskulösen Männer, welche mit nervigem Arm, Giganten gleich, das harte Erz zu Formen zwangen und allerhand Werkzeuge herstellten. Alle für die bevorstehende Ernte nöthigen landwirthschaftlichen Maschinen, welche wir auf der Colonie in verwahrlostem Zustande fanden, wurden renovirt, zerbrochene Pflüge unserer christlichen Colonisten (wir haben bereits gesagt, daß 25 christliche Familien in Mauricio schon seit länger als ein Jahr ansässig waren) wurden wieder ganz gemacht, Eggen ganz neu gearbeitet etc. etc.

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