Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 85 (26.10.1893)
- Date
- 1893-10-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. Erste Beilage ju M 85 des „Israelit“. Leitender Artikel. I)ie Agitation gegen das Schächten. Von Bezirks-Rabbiner Dr> Ehrmann in Baden (Schweiz). III. Ist die Agitation gegen die Schechita dazu bestimmt, um uns selber wieder mit Achtung und Werthschätzung für diese Mizwa zu erfüllen, dann wird erstere aufhören, so bald sie diesen Zweck erreicht hat, und wird nicht aufhören, sondern so lange iw mer bedenklichere Dimensionen annehmen, bis man sich jüdischerseits nicht länger gegen diese Wahrheit sperrt. Das beweist der ganze Verlauf, den die Agitation bisher in den verschiedenen Staaten genommen hat, in Sachsen, in der Schweiz und in Rußland. In Sachsen und in der Schweiz wurde die Schechita verboten, in Rußland ging sie siegreich aus allen Gefahren hervor, die sie eine Zeit lang ernstlich bedrohten. In beiden erstgenannten Ländern bekunden die jüdischen Institutionen im allgemeinen und die Schechita - Institution insbesondere von einigen Ausnahmen abgesehen, die ganze Zerfahrenheit und Verkümmerung, die in den vorhergehenden Aufsätzen geschildert wurden. An der Spitze der jüdischen Gemeinde in der sächsischen Residenz steht etn Mann, welcher seit Jahr und Tag mit fanatischem Eifer und Einsetzung seines ganzen Einflusses einen Vernichtungskampf gegen das überlieferte Judenthum und seine Satzungen führt. Man braucht die dortigen Verhältnisse nicht zu kennen, wenn aber ein Schluß von dem Haupt auf die Glieder statthaft ist, so muß man, so paradox es auch klingt, sich sagen: Unter solchen Verhältnissen ist ein Verbot der Schechita das einzige Mittel für ihre Würdigung und Rettung. Wer hat sich bisher dort um die Schechita, um ittfD und hdiu, um miD und TiDK gekümmert? Etn großer Theil der Familien hat das nnteo aus den Häusern gebannt, etn ganz minimer, verschwindender Prozentsatz respectirt noch auf der Reise die Speisegesetze; die Schechita war für sie ein orthodoxer Zopf, ein überwundener Standpunkt. Das Schächtverbot und seine ernsten Conseguenzen haben das im Handumdrehen geändert. Leute, die mit der Schechita in xraxi längst gebrochen hatten, petitioniren um Aufhebung des Schächtverbots, sammeln Gutachten von Fachgelehrten und ersehen daraus, daß das nach Jahrtausenden zählende jüdische Schlachtverfahren alle anderen übertrifft. Ist auf diesem Wege nicht eher als auf dem bisherigen die Möglichkeit geboten, daß man auch dort noch einmal zu der Ueberzeugung gelangt, daß Gott es ist rwwn um rmucausn? hipn? Vor wenigen Jahren noch hat man in diesen Kreisen die Schechita und was damit zusammenhängt, hochmüthtg und geringschätzig ignortrt und sie mit der Zeit todt schweigen zu können geglaubt. Heute spricht man wenigstens von ihr; sie ist salonfähig geworden. Das ist doch ein entschiedener, ernster Schritt zur Besserung. In der Schweiz bewegt die Schechitaangelegenhett schon seit einer Reihe von Jahren die jüdischen Geister und Gemüther. Aber die Bewegung ist keine tief gehende. Wohl waren die jüdischen Gemeinden und Einzelne jederzeit zu allen pecuntären Opfern bereit, welche der aufgedrungene Kampf erforderte. Aber, daß eine einzige von all den Gemeinden, in Reichen die Schechita sich in verwahrlostem Zustand befindet, sich angesichts des Ernstes der Situation aufgerafft hätte, dieser Verwahrlosung entgegenzutreten, davon ist nichts bekannt geworden. An Anregungen dazu hat es nicht gefehlt. Aber die Art und Weise, wie sie ausgenommen oder vielmehr nicht ausgenommen, wie sie wiederholt zurückgewtesen wurden, für dieses und noch vieles andere wird auch noch die Stunde kommen, um es öffentlich zur Sprache zu bringen. Die Schechita war in der Schweiz von allen Instanzen als zu Recht bestehend anerkannt worden, dieser günstige Ausgang hat aber das Gros der Schweizerischen Gemeinden nicht bestimmt, es mit der geretteten Schechita nun auch Ernst zu nehmen und sie toottn ntra ma einzurichten. Aber als dann die Angelegenheit dem Volke unterbreitet werden sollte, vollzog sich eine Umwandlung, die, wenn sie auch noch nicht den Kern der Sache berührte, doch zu der Hoffnung berechtigt, daß es dazu kommen wird. Was noch ein Jahr vorher völlig undenkbar gewesen wäre, vollzog sich jetzt als etwas ganz selbstverständliches: Sämmtliche Rabbiner mit einer einzigen Ausnahme ordneten im Hinblick auf die ernste Lage einen allgemeinen Fasttag an, und die Anregung fand allenthalben sympathische Aufnahme. Alle Gemeinden ttaten betend, fastend und npis spendend vor ihren himmlischen Vater hin, daß er das drohende Verhängniß abwenden möge. Das Resultat der ^Abstimmung hat das gezeigt, wie leicht unsere Sache mit Gottes Hilfe hätte siegen können. 43 Stimmen mehr, und die Majorität der Kantone hätte zu Gunsten der Schechita entschieden. Es hat nicht sollen sein; es