Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 83 (19.10.1893)
- Date
- 1893-10-19
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448392--37282-2485339- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1574 Anzeiger abgegeben haben. Die gesetzliche Verfolgung wurde veranlaßt von dem Jnspector des Thierschutzvereines, welcher zum größten Theil aus sentimentalen Damen besteht, die aber keineswegs dem Vegetarianismus huldigen. Die Anklage stützt sich auf den ersten Theil der Thierschutzakte vom Jahre 1850. Die Beschuldigung richtet ihre Spitze nicht gegen die jüdische Schlachtmehode als solche, sondern gegen einen diesen Fall betreffenden Nebenumstand. Es wird behauptet, daß das sogenannte Werfen ungeschickt vollzogen wurde, daß das Thier dabet ein Seil riß und kein Stroh untergelegt war. Nichtsdestoweniger fühlt man allgemein, daß mit diesem Fall die ganze Schächtfrage aufgerollt wurde. Thatsächlich sind die Spalten der Lokalblätter mit diesem Gegenstand angefüllt, auch wurde das jüngst von Rev. Isidor Harris anläßlich der Abstimmung in der Schweiz in der „Times" erstattete Gutachten über das Schächten neuerlich abgedruckt. Als vor einigen Jahren in Dundee das Schächten zuerst eingeführt wurde, machte sich auch eine lokale Opposition geltend, welche sich erst beruhigte, als ein Comitö mit der Untersuchung betraut wurde nnd dieses ein günstiges Gutachten abgab. Italien. Livorno im October. Während wir am vergangenen Erew Jom Kipur das Mtnchagebet verrichteten, da wurde an den Pforten unserer großen Synagoge und in den zahlreichen kleinen Jeschibot hier, die an den hohen Feiertagen zugleich auch als Berhäuser dienen, ein Erlaß unseres Cultusvorstandes angeschlagen, in dem man uns ganz unerwartet mittheilte, daß auf behördlichen Befehl alle diese Gotteshäuser am Jom Kipur geschlossen bleiben müssen und zwar der Choleragefahr wegen. Obwohl es schon spät war, so traten doch schleunigst zahlreiche Gemetndemitglieder auf und kündigten den aufs Höchste bestürzten Glaubensbrüdern an, daß sie in ihren Privatwohnungen den Gottesdienst werden abhalten lassen. In einem Nu waren Chasanim, Kohanim und Sefarim bestellt und eine Stunde nachher gab es in Livorno eine unzählige Menge von Privatsynagogen, wo überall andächtig und auch anständig gebetet wurde. Möge der Allmächtige allen diesen Edlen ihren frommen Eifer belohnen. D"n naien -w'y ruttf nmu rup ar\b im . kvp3 D'D'yn oon« Vermischtes. Brieg, 13. October. Das 50jährige Bürgerjubiläum feierte heute Herr Banquier Böhm. Zahreiche Gratulanten fanden sich vom frühen Morgen an in der Wohnung des hochgeehrten, sich bewundernswerther Rüstigkeit und geistiger ‘ Frische erfreuenden Jubilars ein. Namens des erschienenen Vorstandes und die Vertretung der jüdischen Gemeinde richtete Herr Rentier Sachs herzliche Glückwünsche an den Gefeierten. Dann erschienen der Mitglieder des Magistrats und des Büreaus der Stadtverordneten unter Führung des Ersten Bürgermeisters Herrn Heidborn zu warmer, aufrichtiger Beglückwünschung. Zahlreiche Freunde brachten weiter ihre Huldigungen dar. Bei dem in des liebenswürdigen Jubilars gastlichem Hause der Fest-Versammlung gebotenen Frühstück feierte Herr Prediger Pionkowsky in geistvoller, mit großem Beifall aufgenommener Rede die großen Verdienste des Jubilars um das allgemeine Wohl unserer Stadt, welches Thema Herr Erster Bürgermeister Heidborn weiter ausführte, wobei er sinnig an das Gesuch anknüpfte, welches Herr Böhm vor 50 Jahren um Verleihung des Bürgerrechts an den Magistrat gerichtet hat. Dem auf den Jubilar mit Begeisterung ausgebrachten Hoch ließ Herr Stadtverordneten-Vorsteher G ä b e l ein solches auf dessen Familie folgen. Es war ein herrliches, schönes Fest, ein sichtlicher, überzeugender Beweis, wie unsere Stadt wahren Bürgersinn und echte Bürgettugend zu schätzen und zu ehren weiß. Herr Böhm steht in religiöser Beziehung auf echt conservativem Standpunkte und ist ihm die Aufrechthaltung der Religiösilät in der hiesigen jüdischen Gemeinde zu verdanken. Dem wackeren, immer noch für das Gemeinwohl rüstig arbeitenden, insonderheit alle Wohlthätigkeitsbestrebungen thatkräftig unterstützenden Mitbürger bringt auch die „öffentliche Meinung" den aufrichtigsten, herzlichsten Glückwunsch dar! Möge dem hochgeachteten Jubilar beschieden sein, noch recht lange in bisheriger Rüstigkeit gleich segensreich unter uns zu wirken. Wien. 10. September. ismon rvn D”n yy min. So lautet der Name unseres neuen Beth-Hamidrasch, das sich in dem neugebauten Vorhause unserer Schiffschule, welches als Gaffenfront dient, befindet und das in der vergangenen Woche, Donnerstag Abends, von Rabbiner Sal om o n Spitzer '"1 feierlich seiner Bestimmung zugeführt wurde. Dieses Beth-Hamidrafch dient zwei Zwecken zugleich, min und rnny, da in demselben nicht nur unsere heilige Thora gelehrt und gelernt, sondern zugleich auch gebetet wird. Budapest. Die Reihe der humanitären Institute in der Hauptstadt wird demnächst mit einer neuen Wohlthätigkeitsanstalt vermehrt, welche der isr. Handwerks- und Ackerbauverein gelegentlich der demnächst stattfindenden fünfzigjährigen Jubiläumsfeier inSLeben ruft. Zweck der Anstalt wird es sein, elternlosen, ganz alleinstehenden Handwerkszöglingen, welche in ihrer Werkstätte keine Unterkunft finden, für die Dauer ihrer Lehrzeit ein Obdach und später nach ihrer Freisprechung Gelegenheit zur geistigen Ausbildung zu bieten. Das Lehrlingsasyl wird im Hause Damjanichgaffe Nr. 48 untergebracht sein, welches im Gebäude bereits adaptirt wird. Die Kosten des Institutes, welches im nächsten Monat gelegentlich des Vereinsjubiläums seiner Bestimmung in feierlicher Weise übergeben wird, betragen 35,000 fl. Bisher sind 15,000 fl. und an Spenden von Sigmund Gomperz und Leopold Leitersdorfer je 1000 fl. beisammen. Kopenhagen. Die „National-ökonomische Zeitung" bringt einen Bericht über die jüdische Bevölkerung in Dänemark. Danach kamen die ersten Juden um die Mitte des 17. Jahrhunderts ins Land, und zwar waren es portugiesische und deutsche Juden. Im Jahre 1726 lebten 65 jüdische Familien in Kopenhagen. 1834 zählte die Hauptstadt 2465 jüdische Einwohner, die anderen Städte 1545. Im Jahre 1890 war die Bevölkerung in Kopenhagen bis auf 3491 gestiegen, in den anderen Städten aber war eine Ab- 1 nähme bis auf 492 Juden zu verzeichnen.