Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 82 (16.10.1893)
- Date
- 1893-10-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. Beilage M J\s 82 des „Jsrnplit“. Leitender Artikel. Gin Woty schrei aus London, m. Wir lassen nun im Auszug einige Schreiben großer Männer folgen, die uns hilfreich zur Seite gestanden sind. — HerrRabbinerDr.Breuer Nachfolger von Samson Raphael Hirsch in Frankfurt a. M., schreibt uns: Antwortlich Ihrer Anfrage: 1) Kann man sich auf die Beaufsichtigung eines Beth-Din verlassen, dessen ihm unterstellte Metzger vollständig verbotenes Fett und ungeporschtes Fleisch ihren jüdischen Kunden verkaufen, die ferner an Juden mehr als drei Tage altes Fleisch ohne jegliche Wässerung verkaufen, und das Beth-Din weiß dieses alles und schweigt dazu? 2) Wenn an einem solchen Orte sich eine fromme Gemeinde befindet, die einen durch Thora und Gottesfurcht hervorragenden Rabbiner und zwei gottesfürchtiqe Schochtim angeftellt hat, um ohne jedes Bedenken koscheres Fleisch zu beschaffen, hat dann das vorher genannte Beth-Din die Kraft, das von dem neu angestellten Rabbiner beaufsichtigte Fleisch zu verbieten? Und liegt in Folge ein solches Verbots ein religiöses Bedenken vor, dieses koschere Fleisch zu genießen? erklären wir Ihnen: Was die erste Frage betrifft, so ist es selbstverständlich, daß man sich auf ein Beth-Din dieser Art nicht verlassen kann. Was die zweite Frage betrifft, so ist allerdings im Schulchan-Aruch, Jore Deah Cap. I und XVIII dem Beth-Din die Machtbefugniß eingeräumt, denjenigen mit einem Verbot zu belegen, der ohne seine Erlaubniß schächtet. Dies gilt jedoch nur für den Fall, wenn die Aufsicht des Beth-Din eine gute und entsprechende ist. Ist diese Aufsicht aber nicht gut, dann thun alle eine große Mizwah und üben ein gutes Werk, welche bestrebt sind ohne jedes Bedenken koscheres Fletsch zu beschaffen. Solches koscheres Fletsch mögen dann alle freudig ohne jedes religiöse Bedenken genießen. Rabbiner Salomon Spitzer in Wien schreibt: „Da es in unserer Zeit viele Städte gibt, wo die Führer und Vorsteher der jüdischen Gemeinde sammt dem Rabbiner und Bet-Din nicht den Vorschriften des Schulchan Aruch entsprechen, so ist es in solchen Orten jeder frommen Gemeinde erlaubt, eigene zuverlässige Schochtim anzustellen und kein Beth-Din hat die Kraft solckes zu verbieten. Denn das ganze Auftreten eines Beth-Din muß genau ohne jede Abweichung dem Gesetze entsprechen. Das Verboteines solchen Beth-Din ist vollkommen werthlos. Jeder Gottesfürchtige, der von dem Ernste des Gotteswortes erfüllt ist, darf daher nur von dem koscheren Fleisch der neuen Gemeinde genießen und nicht von dem Fleisch, das unter der Aufsicht des früheren Bet-Din steht. ." In gleichem Sinne sprechen sich noch andere rabbinische Capacitäten aus, deren Schreiben ebenfalls in der vorliegenden Broschüre abgedruckt sind. Ihre vollständige Wieder abe würde jedoch den Rahmen dieser Zeilen überschreiten, weßhalb wir uns auf die beiden Stimmen hier beschränken. Es muß sich ja jeder Einsichtige selber sagen, daß der Schutz und die Machtbefugniß, die das jüdische Gesetz seinen Vertretern einräumt, jedenfalls denen nicht zu gute kommen kann, die sich über dasselbe hinwegsetzen. Nun ist es geschehen, daß sich Herr Dr. Adler an verschiedene durch Gottesfurcht und Thorakunde ausgezeichnete rabbinische Capacitäten in Rußland gewandt und diese ersucht hat, das Fleisch des Verbandes Machastke Haddas als ns“iö zu erklären, und diese Männer haben diesem Verlangen entsprochen! Unter diesen Männern befindet sich unter anderen der berühmte Rabbiner von Kowno, Rabbi Jizchak Elchanan Spektor! Die Broschüre schildert nun die Verwirrung und Discredittrung des Vereins Machastke Haddas und seiner Bestrebungen, die dieses Vorgehen zur Folge gehabt hat, in wirklich ergreifender Weise. -„Wenn sich hier die kleine Vereinigung der Machastke Haddas gebildet hat, die das Volk zur Gottes Thora zurückrufen möchte, so versteht es sich von selbst, daß sich das nicht ohne Zwistigkeit vollziehen kann. Denn es gibt hier viele falsche Propheten, die für Geld und Ehrenbezeugungen jede gute Seite unseres heiligen Gesetzes zu Grunde richten. Statt, wie wir hofften, daß die hervorragenden Rabbinen Rußlands aushelfend und schirmend zur Seite stehen werden, ist das Gegentheil eingetreten. Sie gerade sind Gegner. Darüber, daß wir so tief sinken konnten, darüber schreit der Stein aus der Mauer, daß so etwas in unseren Tagen möglich sein sollte. Unter unseren Edlen, unseren Rabbinen und heiligen Männern ist auch nicht ein einziger, der ein Herz hätte für die Stimme feiner Brüder.-" „Als der gefeierte, große Samson Raphael Hirsch in Frankfurt a. M. seine neue Gemeinde gründete und sich von der alten Gemeinde lossagte,