Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 81 (12.10.1893)
- Date
- 1893-10-12
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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;,, *&W 1546 Richtig, dort unter den Bäumen sieht Wolf einen schwarzen Schatten sich bewegen. Wieder springt er vom Pferde. Diesmal jedoch nicht, um zu fliehen, sondern um Rache zu nehmen für den Biß in die Wange. Auch der Hund kommt in raschen Sätzen näher. Sie treffen zusammen. Ein kurzes Ringen, ein Wuthgeheul, ein Wehegeheu!-Wolf hat den Hund erlegt. Kiesmal ist er ohne Wunde davongekommen. Nur sein Beinkleid ist zerrissen und von seinem blauen Kittel hängen Fetzen herab. „Hast du mir die Kleider zerrissen", denkt Wolf, „so will ich dein Fell mitnehmen, um sie zu flicken." Gesagt, gethan. Er zieht dem Hund das Fell ab, befestigt es am Halfter seines Pferdes und reitet weiter. Etwas verspätet trifft er in Luxemburg ein. Der Jahrmarkt hat schon begonnen. Sein Vater erwartet ihn, eine Fluth von Vorwürfen in Bereitschaft. Doch was ist das? Kaum zeigt sich Wolf auf dem Marktplatz, als auch schon Leute ihn umringen, die staunend auf das blutige Fell deuten. Bald hat sich eine ungeheure Menge um ihn verfammelt, daß er mit seinem Pferden nicht vorwärs noch rückwärts kann. „Woher habt Ihr das Fell?" fragt ein Mann in grüner Joppe. „Ein Hund hielt mich im Walde auf. Ich tödtete ihn und zog ihm das Fell ab." „Ein Hund?" „Jawohl, ein Hund." Der Mann in der grünen Joppe bricht in ein lautes Lachen aus. „Der Hund war ein Wolf", sagt er. Wolf starrt ihn sprachlos an. Will man sich über ihn lustig machen? Es dauert lange, bis man ihn von der Wahrheit überzeugt. Also dieser kleine, elende Köter war ein Wolf! Also das war die Beschaffenheit der Ungethüme, die seine Träume vergiftet, die den Schrecken seiner Kindheit gebildet hatten Doch Wolf hatte nicht Zeit zum Nachdenken. Im Triumph wurde er nach dem Amt geführt, um die Prämie für Erlegung eines Wolfes in Empfang zu nehmen. Dann mußte er mit in die Kaffeehäuser, wo man ihm jubelnd zutrank. Er war der Held des Tages geworden. Seit -dieser Nacht fürchtet Wolf die Wölfe nicht mehr. Höchstes Leid. Von E. Arnold». Manch' schwerer Prüfungstag Ward mir zu theil, Aber ich nahm ihn hin, Gott, ans Deiner Hand, Demüthig mich neigend Deiner Weisheit. — Da traf mich ein Schlag Härter als alle Und ich grollte .... Lehnte mich auf, Herr, gegen Dich, Los mich sagend Vom süßen Glauben An Deine Liebe. Ich flehte nimmer Zu Dir um Hilfe Und glaubte nicht mehr All einen Vater! Da wuchs mein Leid Riesengroß! Ach, ich erkannte Mit Todesschauern, Daß der Mensch nicht sein kann, Gott, ohne Dich. Los von Dir Versinkt er im Elend, Verschmachtet qualvoll Die irrende Seele. — Da rief ich wieder Zu meinem Gott, Uitd mein Erbarmer Neigte sich mir Verzeihend in Gnaden, Mitleidvoll zu. Wie ein Kind, Das sich verlor Zu finsterer Wildniß Und wiedergefunden Im Arm der Mutter, Unter Thräuen lächelnd. Sich weint in den Schlaf, So löste sich sanft Meines Herzens Stein, Als ich heimgekommen Zu Gott, meinem Vater. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.