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Der Israelit · 1893-10-12 · Heft 81 (12.10.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 81 (12.10.1893)
Date
1893-10-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1528 Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie- Unter der Bevölkerung hat sich das Gerücht verbreitet, daß der „Ritualmordforscher" Pfarrer Deckert von Weinhaus, der traurige Held des jüngsten Antisemiten-Processes, vom Erzbischof nach einer kleinen Landpfarre versetzt worden sei. Dieses Gerücht, welches auch in einen Theil der Presse Eingang fand, ist nach eingezogenen Informationen vermuthlich bloß auf einen allgemein gehegten Wunsch der Bevölkerung von Weinbaus zurückzuführen. Das hochwürdigste Consistorium hat sich zu einer Maßregelung des Pfarrers Deckert nicht veranlaßt gesehen. Bulgarien. Sophia im October. vid» ab -jono HDm Unser erlauchter Herrscher, der Fürst von Bulgarien h"t, hat folgendes Schreiben an unseren verehrten Oberrabbiner Dr. M. Grünewald richten lassen, das zur Genüge beweisen wird, welche wohlwollenden Gefühle Se. Hoheit lür seine israelitischen Unterthanen hegt. Das Schreiben ist um so bedeutungsvoller, als es einige Tage nach Beendigung des Rttualmord Prozesses in Rahova erlassen wurde, und somit ein glänzendes Zeugniß für den Patriotismus der Juden Bulgariens und den Edelsinn des Fürsten Ferdinand ablegt, zugleich aber auch zeigt, welchen besonderu Werth die Krone in Bulgarien auf die Anhänglichkeit ihrer israelitischen Unterthanen legt. Das Schreiben lautet: Euxinograd, 15./27. Sept. 1893. Nr. 752. Sr. Ehrwürden dem Großrabbiner von Bulgarien, Dr. M. Grünewald, Sophia. Ich habe die Ehre Ew. Ehrwürden zur Kenntntß zu bringen, daß Se. königliche Hoheit der allerdurchlauchtigste Fürst bedauert hat, daß es Allerhöchst Ihm nicht möglich war, sich bei der Grundsteinlegung des deutsch-israelitischen Tempels in Sophia vertreten zu lassen. Mein allergnädigster Herr ist von der Treue der unterthänigen Gefühle der deutsch-israelitischen Religionsgemeinde in Sophia, wie überhaupt aller seiner israelitischen Unterthanen überzeugt und geruht mich zu beauftragen, Ew. Ehrwürden für die Erhaltung eben dieser Gefühle zu danken. Die Intendanz der allerhöchsten Ztvtlliste wird Ihnen, ehrwürdiger Herr Rabbiner, die Summe von 300 Francs übermitteln, die ich Sie bitte, im Namen Sr. königlichen Hoheit an die Aermsten der Sophianer israelitischen Gemeinde vertheilen zu wollen. Genehmigen Ew. Ehrwürden die Versicherung meiner vorzüglichen Hochachtung. Dr. Stancsics. > vermischtes. < Schrimm, 21. September. Einem geborenen Schrimmer, Herrn Hermann Neufeld, der seit einer Reihe von Jahren als einziger Jude in der sächsischen Stadt Grimma ein kaufmännisches Geschäst betreibt, ist für sein muthvolles Eingreifen bei der Rettung eines Mitmenschen vom Tode des Ertrinkens eine öffentliche Belobung zu Theil geworden. Es erscheint dies für uns Juden umso wichtiger, als gerade in Sachsen, dem Lande des Antisemitismus, .ein solches von einem Juden ausgeführtes Rettungswerk offene lich anerkannt wird. Dem Schreiber dieser Zeilen liegt das Original des Anerkennungsschreibens vor, und gebe ich es hier in wörtlicher Abschrift wieder: „Herrn Hermann Neufeld in Grimma. Auf Anordnung der Königlichen Kreishauptmannschaft Leipzig wird Ihnen andurch zur Kenntniß gebracht, daß dieselbe die von Ihnen am 5. Juli bei der Rettung des hiesigen Bäckermeisters Oskar Hermann vom Tode des Ertrinkens an den Tag gelegte opferwillige Entschlossenheit und Unerschrockenheit anerkannt und im Einverständniß mit dem Königl. Ministerium des Innern beschlossen hat, Ihnen eine öffentliche Belobung zu ertheilen, welche im „Sächsischen Wochenblatte" und im „Amtsblatte des Stadtraths" inzwischen veröffenlicht worden ist. Auch wir fühlen uns gedrungen, Ihnen für Ihr muthiges uud aufopferndes Verhalten bei der Rettung des p. Hermann unseren Dank und unsere Anerkennung hierdurch auszudrücken. Der Stadrath, Lob eck." Grimma, 26. August 1893. Zum Schluffe will ich noch bemerken, daß Herr Neu-- feld sich der vollen Hochachtung unter seinen Mitbürgern in Grimma zu erfreuen hat, wofür als Beweis gelten mag, daß er, trotzdem er der einzige Jude in der Stadt ist, doch der Vorsitzende des „Königlich sächsischen Kriegervereins zu Grimma^ ist. Wien. Im vorigen Jahre wurde dahier von einigen jungen Leuten ein Unterstützungsverein (cnruN 10iD) für arme jüdische Zugereiste gegründet. Der Zweck des Vereins ist, arme und nothleidende Glaubensbrüder, welche nach Wien kommen, sei es um hier Heilung von ihrer Krankheit zu suchen, sei es um eine Existenz zu finden, durch Vertheilung von Speisekarten, eventuell auch mit Geld zu unterstützen, um ihnen die Reise in ihre Heimath zu ermöglichen. Klein waren die Anfänge, doch den rastlosen und eifrigen Bemühungen der Gründer ist es gelungen, weitere Kreise für dieses edle Princip zu erwärmen, so daß der Vorstand nach und nach den Zwecken des Vereins mehr gerecht werden konnte. Wir wünschen dem Verein weiteres Gedeihen. Feuilleton. Tante Golde, «h* Novelle von R. Litten. (Fortsetzung.) Das waren so ungefähr die Gedanken, die durch Martha's Köpfchen schwirrten, als die Schaar der Zuhörer den Saal verlassen, und nur die Concertgeber selbst und mit ihnen ein kleines Häuflein Näherstehender zurückblieb. Sie harte eigentlich Tante Golde sofort begleiten wollen, auch schon in der Garderobe das weiße Spitzentüchlein über

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