Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 81 (12.10.1893)
- Date
- 1893-10-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. M 81. Der Israelit. (Kn Kenlrat-Hrgan für das orthodore Iudent-um. Begründet von Dr. Lehman« in Donnerftag, de« 12. Oktober 5654 (1893). Leitender Artikel. Zer Stammvater der Semiten. (Zu Paraschath na) (Schluß.) Mainz, 11. October. Wir haben in unseren bisherigen Betrachtungen gefunden, daß dem Stammvater der Semiten nichts anhaftet, was seinen Nachkommen in ihrer Eigenschaft als Kinder Sems zur Schande gereichen könnte. Wenn es unseren Feinden, welche uns Juden mit der Bezeichnung Semiten dtscredktiren zu können glauben, wirklich gelänge einmal alles aus der Welt zu schaffen, was sie Sem und den Semiten verdankt, so würde die trostlose Oede, die ihnen dan entgegenstarrte, vielleicht das geeignetste Mittel sein, sie eines besseren zu belehren Sie nennen die Semiten das Unglück der Welt, und wie ist es in Wirklichkeit? Was die Menschen von Gott wissen, was sie an idealen Gütern, an Errungenschaften des Geistes und Gemüths besitzen, all das Glück und aller Segen, der sich an das Gottesbewußtsein knüpft, das alles verdanken sie fast ausschließlich Sem und seinen Nachkommen. Der erste Segen, den ja ein menschlicher Mund ausgesprochen, ist der vom prophetischen Geiste getragene Segensspruch, mit welchem Noach seine Söhne segnete. Er gipfelt in der segensreichen Verheißung, die von dem Gottesbewußtsein unzertrennlich ist, wie es gerade Sem erfüllte und von dessen Seelen gewinnender Kraft der Vater überzeugt ist, daß selbst sein entartetes Kind sich einst seinem Dienste weihen werde. .10^ 13V IV» Ml Dff 'N 'n ~\)12 IDN’l „Der Gott Sems" ist kein fanatischer Nationalgott. Wie überall diton 'n nicht in dem Sinne des vermeintlichen Particularismus gesagt ist, den man so gerne dem jüdischen Gottesgedanken andichten möchte, so wird Gott auch hier nw ‘n genannt. Diese Bezeichnung ist, wie es in Hirsch's Pentateuchcommentar z. St. heißt, deßhalb die gewöhnliche, weil l) Gott sich in Abrahams, Isaaks, Jakobs, Israels Geschichte und Leitung sich besonders offenbart, weil sie ihn erkannt und verkündet, und diese Bezeichnung aus dem Grunde eine höchst nothwendige ist, weil unter dem Namen „Gott" so vieles und so mancherlei verstanden wird. Von dem rohen und pantheistischen Fetischismus bis zur speculativen Idee, welche die Wesenheit Gottes zu einer leeren Abstraktion verflüchtigt, gibt es zur unterscheidenden Bezeichnung des wahren und wahrhaftigen Gottes gar kein anderes Mittel der Bezeichnung als „der Gott Abrahams, Isaaks nnd Jakob", d. h. der Gott, wie sie ihn erkannt und gelehrt, so wird hier Gott, nv genannt. Abrahams, selbst Jakobs Gotteserkenntniß war ja in der Schule Sems gereift, und lange ehe Abraham zum Werkzeuge der Verkündigung Gottes erwählt wurde, hatte Sem ihn erkannt. Daß im Hause Terach's ein Abraham geboren werden konnte und dessen Söhne das wei» ter tragen konnten, was Gott dem Abraham als Kleinod für die Menschheit überantwortet, das haben wir Sem zu verdanken. Utber das Verhältniß Sems zu Japhet und ihren Nachkommen also der Semiten und Japhetiten wird uns hier gesagt : 13V ]W3 Ml ÜB' ’SlN3 pn 'K ns» „Ausbreiten wird Gott den Japhet, aber wohnen wird er in den Hütten Sems und Kanaan wird ihnen Knecht sein." Der äußeren Erscheinung nach überwiegt Japhet an Zahl und Ausdehnung Sem. Das was Japhet und die Japhetiten der Welt gebracht, wie sich dies besonders in der Blüthe des japhetischen Stammes, in den Griechen äußert, ist das was bis auf den heutigen Tag an Gesittung und Bildung die Menschheit ihr eigen nennt. Die Pflege des Anmuthigen, Schönen und Wohlanständigen ist der Beitrag, den