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Der Israelit · 1893-10-05 · Heft 78-79 (5.10.1893) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 78-79 (5.10.1893)
Date
1893-10-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1490 wenden. Und wie groß muß die Tüchtigkeit und der Fleiß der jüdischen Arbeiter gewesen sein, wenn gegenwärtig mehr als 3000 Juden auf den Plantagen des Grafen beschäftigt sind! Thatsächlich hat der Verwalter der Schuwaiow'schen Güter, Brenndel, ein gebürtigter Deutscher, den Arbeitsfleiß, die Bescheidenheit und die Fähigkeiten der jüdischen Arbeiter in derart schwungvollen Worten gerühmt, daß viele andere christliche Gutsbesitzer der Gegend dem Beispiele des Grafen Schuwalow folgten und zu ihren Feldarbeiten ebenfalls Juden verwendeten. Die antisemitische Presse in Rußland übergeht natürlich den Versuch des Grafen Schm walow mit tiefem Stillschweigen, weil sie weder gegen den einflußreichen Grafen auftreten kann, noch der Wahrheit Gerechtigkeit zollen will. Allein man erzählt sich hier, daß Gras Schuwalow von dem überraschenden Erfolge, den die Verwendung der Juden als Feldarbeiter ergeben hat, dem Generalgouverneur von Kiew, Grafen Jgnatiew, sowie dem Vorsitzenden der „jüdischen Commission", Geheimrath Plehve, Mitthetlung gemacht hat, mit der Bemerkung, man möge die Judenfrage nicht auf Grund antisemitischer Hetzereien lösen, die mit der Wahrheit stets im Widerspruche stehen. Ob die russischen Machthaber der Stimme der Unparteilichkeit und der Wahrheit ihr Ohr leihen werden, darüber wollen wir nicht entscheiden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß dort, wo der böse Wille zur Judenverfolgung einmal vorhanden ist, die Stimme der Wahrheit und der Humanität leider nur zu oft unerhört bleibt. Die russische Regierung schreitet auf dem vor zwölf Jahren eingeschlagenen Pfade der Judenverfolgung unentwegt fort, und jeder Tag schlägt den rechtlosen Juden in Rußland neue Wunden. Das Ministerium des Innern hat vor wenigen Tagen beschlossen, die jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten im Reiche, sogar die jüdische Privatwohlthäiigkeit der Controle der Regierung zu unterstellen. Zu diesem Zwecke wurde der Gouverneur bereits angewiesen, die Zahl der jüdischen Humanitären Institute im Gouvernement dem Ministerium unverzüglich bekannt zu geben. Durch diese Maßregel bezweckt die Regierung, daß den Juden alle Mittel entrissen werden, mit welchen sie im Interesse des gesammten russischen Judenthums etwas ausrichten. Gleichzeitig wurde der nach Petersburg einberufenen Rabbiner-Commission eine Reihe von Beschränkungen vorgelegt, die die freie Ausübung der mosaischen Konfession sowie die freie Eheschließung bei den Juden betreffen sollen. Man glaubt hier annehmen zu dürfen, das Ministerium plane die Zahl der jüdischen Ehen zu beschränken, oder dieselben nur unter gewissen Modalitäten zuzulassen. Wie Sie also sehen, fallen die Stimmen einzelner unparteiischer Männer, auch wenn sie eine hohe sociale Stellung einnehmen, zu Gunsten der Juden in Rußland nicht in die Wagschale; die Regierung sinnt täglich nach neuen Ausnahmsgesetzen gegen die Juden, welche ihnen das Leben einfach unmöglich machen. Wohin dies führen wird? Dies ist die Regierung selbst kaum imstande zu beantworten. (Argus im Fr. Bl.) Petersburg, 18. Sept. Die große neue Synagoge in Petersburg ist nunmehr ganz fertig und soll dieser Tage eingeweiht werden. Der Bau der Synagoge war viele Jahre fast ganz in's Stocken gerathen, da der Petersburger jüdischen Gemeinde für die innere Ausschmückung derselben die Mittel ausgegangen waren. Die Stockung in den Bauarbeiten hat wiederholt zu den irrigen Meldungen ausländischer Zeitungen Anlaß gegeben, daß die russische Regierung den Weiterbau der Synagoge verboten habe, woran dieselbe in Wirklichkeit nie gedacht hat. Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, daß das erste jüdische „Bethans" in Petersburg von der Regierung im Jahre 1865 genehmigt wurde. Im Jahre 1870 faßte daun die Petersburger jüdische Gemeinde den Beschluß, zum Bau einer großen Synagoge zu schreiten, der damalige Petersburger Stadthauptmann, der bekannte Trepow, begünstigte diesen Plan und versprach der Gemeinde sogar, die unentgeltliche Ueberlassuug des Baugrundes zur Synagoge von der Stadt auszuwirken. Letzteres Versprechen vermochte Trepow jedoch nicht einzulösen, da die Petersburger Duma für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ihrer jüdischen Mitbürger keine Opfer bringen wollte. So hat denn die jüdische Gemeinde nach langwierigen Verhandlungen den Baugrund gekauft, auf dem sich heute die neue Synagoge — einer der schönsten Monumentalbauten Petersburgs — erhebt. England. W. 8. Portsea. Unter den vielen feierlichen Gottesdiensten, welche in den Synagogen und Privatbethäusern in London am verflossenen Neujahrs¬ und Versöhnungstage abgehalten wurden, verdient der auf Veranlassung des Gemeindevorstandes in der Versammlungshalle (Assembly Hall) stattgefundene Gottesdienst hervorgehoben zu werden. Volle 6000 Personen, meistens russisch-polnische Immigranten, füllten diese imense, von einem christlichen Eigenthümer zur Verfügung gestellte Halle. Es war ein höchst imposanter Anblick, eine so große Menge Andächtiger ihre Herzen und Seelen an diesen heiligen Tagen vor Gott ergießen zu 1 sehen. Ein Augenzeuge berichtet, daß diese groß-

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