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Der Israelit · 1893-10-05 · Heft 78-79 (5.10.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 78-79 (5.10.1893)
Date
1893-10-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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1 ’1 -1—-•&&!■ *} v •'1 ',*.. «. XXXIT. Jahrgang. fhd&e 78 & 79. Der Israelit. Ein KenLrak-Hrgan für das orlhodore IudenLhuw. Begründet von Dr. Lehmann t« Mainz. Donnerstag, den 5. Q t tobet 5654 (1893). Leitender Artikel. I>er erste Kruderstreit. (Zu Paraschath Bereschit.) Mainz, 4. October. Mit den hohen, ernsten und heiteren Festen des Tischri-Monats schließen wir alljährlich auch die Thora und — beginnen sie wieder. Es ist dies auch eine beachtenswerthe jüdische Eigenthümlichkeit, die uns so zur zweiten Natur geworden ist, daß sie Gefahr läuft nicht die verdiente Beachtung zu finden. Der Jude wird mit dem seinen Händen anvertrauten Gotteswort niemals fertig. Wenn er einen Traktat seiner mündlich überlieferten Thora zu Ende studirt hat, so schließt er ihn mit dem Vorsatz: pnn „3$ kehre wieder zu Dir zurück!" Nicht in dem Lernen, in dem Wieder-Lernen, in dem Wiederholen des Gelernten, in dem Vertiefen in den bereits angeeigneten Lehrstoff, liegt die geistige Schwungkraft, mit welcher Gottes Wort seine Jünger erfüllt. Deßwegen steht unter den Gütern, deren dauernder Besitz eine fortwährende, energievolle Hingebung erfordert, Thora und Studium derselben oben an. Sobald die Gemeinde eines der Thorabücher zu Ende gelesen hat, spornt sie sich daher selber zu dieser Energie durch den Ruf an: pm pr.nji in treuer Festigkeit bei dem bereits Angeeignetcn zu verharren und sich gegenseitig zu dieser Festigkeit zu ermuntern. Sie schließt daher nicht tue letzten Worte der Thora ohne sie nicht sofort von neuem zu beginnen. Es ist kein müßiges Geistesturnter, das alle Erklärer der Thora die Beziehungen zwischen dem Ende und Anfang der Thora aufsuchen läßt. Es spricht sich darin dieselbe Wahrheit aus, welche die fränkischen Königsdynastien bestimmte, an die Verkündung des Todes eines Königs, sofort die Proklamation des Nachfolgers zu knüpfen. „Der König ist todt, es lebe der König!" So ist die Thora zu Ende, aber nur um sie wieder neu zu beginnen. Und wenn wir seit mehr als dreitausend Jahren von die alten heiligen Thorarollen zu trp^x *oa rvpxna zurückrollen, um uns mit ihren alten Wahrheiten aufs neue zu durchdringen, so ist dies nichts als die Verkörperung der Wahrheit, welche die großen Meister der Thora in die Mahnung niederlegten: n^ai rs'Di Ninn nai na t6an na ■pm na -jen . hjd’h naio mo j’xtp yirn t*b nrvi na „Wende sie um und wende sie wieder um, denn in ihr liegt Alles, durch sie gewinnst du den rechten Blick, werde alt und grau in ihr und von ihr laß' nicht, denn es gibt keinen besseren Maßst.-') als st»." (Sprüche der Väter, Y, 25.) W i r können über ihrem Studium alt werden, sie bleibt ewig jung und neu, wir können grau werden, aber ihr haftet von dem Grau der Theorie nichts an, sie ist der n"n py, der ewig grüne, goldene Baum des Lebens, der immer neue Früchte zeitigt. Sie ist der einzige unwandelbare Maßstab für alle Erscheinungen und Erfahrungen des Lebens. Sie gibt Klarheit, Wahrheit, Ruhe und Besonnenheit, wo wir sonst in blinder Täuschung befangen, rastlos nach einer Lösung der Lebensräthsel suchen, die uns ohne diesen Maßstab allenthalben entgegenstarren. Nirgends tritt einem vielleicht diese Wahrheit lebhafter entgegen, als wenn wir uns in die ersten Blätter des Buches der Bücher vertiefen. Es sind die alten Geschichten, von der Erschaffung der Welt, von den ersten Menschen, den ersten Brüdern, die uns in die früheste eigene Jugendzeit versetzen, in welcher wir sie zum ersten Male hörten. Aber mit jedem Jahre, das uns erfahrener und gereifter zu diesen Erzählungen zurückführt, finden wir neue, ungeahnte Beziehungen zwischen diesen altersgrauen Begebenhciten und der lebendigen, frisch pulsirenden Gegenwart. Und wenn wir die alten, schlichten biblischen Erzählungen gar von den lichtvollen Bemerkungen begleitet, Revue

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