Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 76-77 (22.9.1893)
- Date
- 1893-09-22
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
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1478 schlagfertigen Angriff zuvorkam, traf die Marschordre Officiere und Soldaten wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Man denke sich also die Verlegenheit der Junker, die nichts besaßen als ein verschuldetes Gut oder ein gänzlich verrostetes Wappenschild, sobald es hieß: sich auf Knall und Fall zu rüsten für einen langjährigen Kampf. Auch Ztet. henS Regimentskamerad, der Oberst von Seelen, verließ arm den heimatlichen Herd und brachte als einzige Errungen!chaft vermehrte Schulden in's Haus. Diese Schulden waren seitdem noch bedeutend gewachsen und sollten vor dem Abmarsch sämmtlich getilgt sein, aber wovon? Vertrauensvoll klopfte Seelen an verschiedene Thüren, doch umsonst, es fand sich kein Helfer in der Noth, Niemand wollte ohne Bürgschaft die verlangte Summe leihen, um gesichert zu sein für den Fall, daß der Oberst im Kampfe sein Leben verlöre. So verging ein Tag nachdem andern, und immer näher kam die Stunde des Abschieds. Von inneren Oualen gefoltert, sah der Rathlose ihr entgegen. Der Gedanke, mit dem Brandmal eines Betrügers hinausziehen zu müffen, machte den Tapfern bis in's Mark erzittern. Nur daS Gottvertrauen feiner frommen Gattin stützte den bebenden Mann, und bewahrte ihn vor dem gänzlichen Sturz. Berathend saßen Beide zusammen und suchten vergebens nach einem Ausweg. Da schritt Jakob Moses, Oberlandesältester der Berliner Judenschaft, die Straße entlang. Während er Seelen, der am Fenster stand, die brennende Stirn an die kühlenden Scheiben, ehrerbietig grüßte, raunte dem Obersten eine innere Stimme zu; dieser Mann ist dir vom Himmel zur Rettung in den Weg gesandt. Noch am selben Abend machte Seelen dem Oberlandesältesten seine Aufwartung. Dieser las dem Obersten vom Gesicht ab, was ihn hergeführt und kam demselben auf das Freundlichste entgegen, um ihm das peinliche Geständniß zu erleichtern. Als er hörte, daß Seelen sechstausend Thaler gebrauchte, schrack er ein wenig zusammen. Aber er gewährte die Bitte, an der die Zukunft einer Familie hing. Und keine Bürgschaft, kein Faustpfand, nur den üblichen Schuldschein verlangte der großmüthige Helfer für seine Opferwilltgkeit. Unter tausend Dankesworten verließ Oberst von Seelen seinen Retter und flog heimwärts, von Frau und Tochter mit seliger Freude empfangen. So kam der Tag, an dem die Lärmtrommel zum Ausmarsch rief. Nach einem thränenreichen Abschied zog Seelen mit seinen rothen Husaren aus den Thoren Berlins einer ruhmvollen Zukunft entgegen. Wohl mußte er Weib und Kind einem ungewissen Schicksal überlassen, dennoch war ihm froh um's Herz, weil kein Fluch auf seinem Namen ruhte. Dieses Bewußtsein erfüllte ihn mit flammender Begeisterung, und bald war sein Name unter den Tapfersten genannt, die das Ehrenkleid des großen Königs trugen. Zwei Jahre lang kämpfte der Held in zahlreichen Schlachten mit größter Auszeichnung. Da nahte die Unglücksnacht des October 1758, in der das preußische Lager bet Hochkirch überfallen und gesprengt ward. Auch Oberst von Seelen erlitt den Heldentod für König und Vaterland. Die Trauerkunde flog nach Berlin und versetzte des Gefallenen Weib und Kind in namenlose Verzweiflung, denn mit dem Schmerze pochte auch zugleich die Noth an ihre Thüre. Des Ernährers beraubt und gänzlich mittellos, sahen sie einer Zeit entgegen, die so düster war wie ihr schwarzes Gewand. Klagend um den geliebten Tobten verbrachten Mutter und Tochter kummervolle Stunden. Eines Tages klopfte es leise an ihre Thüre, Jakob Moses trat herein, von den Frauen mit sichtbarer Angst empfangen, weil sie nicht anders glaubten, als daß er nur komme, des Todten Schuld einzufordern. Aber schon die nächste Minute verwandelte ihre Besorgniß in seliges Glück. Sein guter Genius trieb ihn, ein zweites Mal der rettende Engel zu werden. Mit Staunen sahen Mutter und Tochter, daß der hochherzige Mann die Schuldurkunde des Heimgegangenen den Ofenflammen übergab. Sechstausend Thaler gingen vor ihren Augen in Rauch und Asche auf. Dann sprach der Menschenfreund in väterlichem Tone: „Wer für's Vaterland stirbt, hat gerechten Anspruch auf unser Aller Dankbarkeit, und selbst die größte Schuld wird durch seinen Opfertod tausendfach bezahlt. Deshalb erkläre auch ich meine Ansprüche für erloschen!" Nicht die Sonne. nicht die Hitze. Drängten mich aus meinem Sitze. Gottes Wort thot es allein. Laßt darum uns fröhlich fein. Mehr noch steigert'- den Genuß. Liest Du's. statt vom Kopf, vom Fuß. N. H. in C olmberg. Unter den Einsendern von richtigen Lösungen wird gelooll und erhält der Gewinner Ein Werk „Günstling deS Czarerr" von Dr. I. Lehmann in Prachtband gratis zugesandt. Einsender von richtigen Auflösungen, auf die der Gewinn nicht fällt, erhalten bei Bezug eines solchen Werkes einen Rabbat von 50 °/0. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Jvh. Wirth'schen Hofbuchbruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz.