Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 76-77 (22.9.1893)
- Date
- 1893-09-22
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. Zweite Beil. M M 76 & 77 des „Israelit". AeitnrrgSrrachrichterr nud Correfpoudeuze« Deutschland. Frankfurt a. M., 27. August. Heute fand in der Turnhalle des Philanthropins die Jahresversammlung des Vereins israelitischer Lehrer im Großherzogthum Hessen statt. Trotz der ungünstigen Zeit hatten sich ca. 50 Mitglieder aus allen Theilen des Landes eingefunden. Der Vorsitzende erstattete den Rechenschaftsbericht. Er konnte den Erschienenen die erfreuliche Mittheilung machen, daß in dem neuen, die jüdischen Verhältnisse betreffenden Gesetzentwurf die Forderungen des Vereins: definitive Anstellung, Pensionsberechtigung, Reliktenversorgung, Minimalgehalt verwirklicht sind. Man gab sich der Hoffnung hin, daß der Entwurf die Sanktion der gesetzgebenden Faktoren findet. An Se. Königl. Hoheit den Großherzog wurde ein Huldigungstelegramm gesandt und des verstorbenen Kämpfers für die Schule und Lehrers Herrn Redakteurs Schmidt-Darmstadt in üblicher Ehrung gedacht. — Herr Scheuer-Groß-Umstadt referirte sodann über: „Wie soll der Unterricht im Gebetübersetzen beschaf. fen sein?" Die Ausführungen des Referenten riefen eine lebhafte Diskussion hervor, die Sache war nicht spruchreif, die Diskusston wurde geschlossen und ihre Fortsetzung für die nächstjährige Versammlung vertagt. „Die soziale Stellung des jüdischen Lehrers und wie kann er in derselben zur sichtlichen Hebung seiner Gemeinde beitragen", war das Referat des Herrn Salomon- Sprendlingen benannt. In vorzüglicher Weise führte der Vortragende den jüdischen Lehrer in seiner Vielgestaltigkeit, als Mädchen für Alles vor. Lehrer, Vorbeter, oft noch Prediger, nicht selten Gemeindediener und — last not least — Schächter soll er sein und in Allem Vorzügliches leisten. Das Verhältniß der Gemeinde, zu den Kindern, den Rabbinern, zu den Kollegen rc. wurde erschöpfend behandelt. Die hohe Bedeutung des israelitischen Lehrers für die jüdischen Gemeindennamentlich für die Landgemeinden, wurde trefflich hervorgehoben. Der Vortrag gipfelte in den Thesen: Die Stellung des jüdischen Lehrers ist im Großherzogthum Hessen keine seiner Bedeutung entsprechende, die Vorbildung ist keine genügende. Um segensreich wirken zu können, muß der Lehrer eine unabhängige Stellung einnehmen; es muß deßwegen mindestens definitive Anstellung, ein Mtnimalgehalt, Pensionsberechtigung, Reliktenversorgung und Trennung des Schächtens vom Lehramte gefordert werden. Bon einer Diskussion des Referats wurde Abstand genommen; die letzte Forderung wurde vom Vortragenden zurückgezogen, um die Thesen Allen annehmbar zu machen. Dem D.-J. Gemeindebund wurde der Dank der Versammlung für seine auch diesmal durch materielle Unterstützung bekundete Förderung der Vereinsbestrebungen ausgedrückt. Kurz vor Schluß der Versammlung beehrte noch Herr Charles L. Hallgarten-Frankfurt a. M., der stets gerüstete Kämpfer gegen den Antisemitismus, dieselbe durch seinen Besuch. Er begrüßte die Lehrer als wackere Bundesgenossen in der Bekämpfung des Antisemitismus, forderte dieselben zur Gründung von Btldungsvereinen in ihren Gemeinden auf und versprach ihnen dabei Unterstützung durch Rath und That. Berlin, 15. Sept. In der gestrigen antisemitischen Protestversammlung, die gegen die Ueberführung des Antisemiten Paasch in die Irrenanstalt Verwahrung einlegen sollte, gab der Redner, Prof. Förster, der früher wie sämmtltche Antisemiten, die unsinnigsten Verleumdungen des Paasch als baare Münze hingenommen und verwerthet hat, selbst zu, daß Paasch geistesgestört gewesen und auch vielfach irre geleitet worden sei. Aber er sei nicht gemeingefährlich, so wenig wie Btsmark oder Richard. Wagner. Deshalb müßten die Antisemiten für ihn eintreten. Es wurde schließlich eine Resolution an den Minister des Innern beschloffen, welche verlangt: 1) Die Mittheilung der Gründe, auf welche Ursachen die Sachverständigen sich berufen; 2) die Entlassung des Herrn Paasch aus der Irrenanstalt oder seine Unterbringung in die Prtvatpflege, oder wenigstens die erneute Untersuchung seines Geisteszustandes durch mehrere Irrenärzte und die Veröffentlichung ihres kollegialischen Gutachtens; 3) die schleunige Inangriffnahme einer gründlichen Verbesserung unseres Jrrenrechts auf Grund der Erfahrungen in den Prozessen Draake, Moritz de Jonge, Paasch und vieler Anderer. Leipzig, 13. Sept. Der einstmals unter seinen hiesigen Parteigenossen so gefeierte Anttsemiten- Häuptling Liebermann von Sonnenberg scheint jetzt auch in Leipzig abgewirthschastet zu haben. Eine Anzahl von Vorstands-Mitgliedern des hiesigen deutsch-sozialen Vereins hat nämlich dieser Tage eine Broschüre veröffentlicht, worin mit aller Entschiedenheit Verwahrung dagegen eingelegt wird, daß Herr Ltebermann erneut in den Vorstand der deutsch-sozialen Partei gewählt werde. lieber die Gründe zu diesem Vorgehen heißt es in der Broschüre wörtlich: „Wir erheben diese Verwahrung auf Grund des von ihnen in den letzten Jahren an Herrn von