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Der Israelit · 1893-09-18 · Heft 75 (18.9.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 75 (18.9.1893)
Date
1893-09-18
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. M 75. Der Israelit. Ein Gentrak-Hrgan für das orthodoxe IudenLhum. Begründet von Dr. Lehma«« in Mainz. Montag, de« 18. September 5654 (1893). Da mit dem 1. Okt. 1893 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten ■l^^r Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1893 eingetragen unter Nr. 3224. Leitender Artikel. Ner Kchelde-ruß des UeiMnuMtllges. Mainz, den 17. Sept. Das jüdische Volk, dem man einen „Gott der Rache" angedichtet hat, ist bis auf diese Stunde das einzige Volk auf Erden, das einen Tag der Versöhnung mit Gott besitzt. Was die Menschen sonst an Buß- und Bettagen besitzen, was sie von Verzeihung der Sünden, was ste von der Buße und dem Gebet wiffen, durch welche diese Sündenvergebung erlangt wird, ist nichts als ein Abglanz, und zwar als ein oft recht getrübter Abglanz der beglückenden Wahrheit von Gottes Gnade und Erbarmen, wie sie unsere Thora lehrt und die ihren höchsten Triumph in dem Tag feiert, den Gott selber zur Verzeihung unseren Fehler und Schwächen mit den Worten eingesetzt hat: DD’nxtan too mna tof n*n ors .nnun 'n Denn an diesem Tage wird Gott euch Sühne erwirken, euch zu reinigen von allen eueren Sünden; vor Gott werdet ihr rein werden." (III. B. M., C. 16, V. 30.) Wir dürfen uns über diese Verkennung und Erdichtung der außerjüdischen Welt nicht wundern, so lange in unserem eigenen, heimischen, jüdischen Kreise ähnliche, nicht minder laut und klar proklamirte Wahrheiten nicht nach Gebühr erkannt und anerkannt werden. Gerade der Jom Kippur, hat trotzdem er von allen gekannt und begangen wird, dennoch viel unter dieser Verkennung zu leiden. Wenn er wirklich Sühne und Verzeihung für unsere Verirrungen bringen soll, so müssen diese in erster Reihe erkannt und von uns ohne jede Beschönigung bekannt werden, um den Vorsatz zur aufrichtigen Rückkehr zu wecken und zur Ausführung zu bringen. Das ganze Werk der Besserung scheitert aber in den meisten Fällen schon an dem ersten Schritt zu ihr, an der Erkenntniß unserer Sünden. Tausendfach sind die Täuschungen, Berückungen, Vorwände und Etnwände, die alle im Dienste der Sünde stehen und uns im Laufe der Jahre wirklich zu der Anschauung bringen unser Jahre lang geübtes Unrecht sei gar keines, sei vielleicht gar noch eine Tugend. Was gibt es Heiligeres als das Leben, als die Ehre unseres Nebenmenschen! Wer jenes antastet, wer diese abschneidet ist ein Mörder und Ehrabschneider und ist geächtet in der menschlichen Gesellschaft. Und doch ist beides so häufig im täglichen Verkehr! Wer seinen Genossen zum Unrecht verleitet ist schlimmer, als der, welcher ihn tödtet, lehrt die Weisheit unserer Weisen. Denn dieser verkürzt ihm nur das Dasein in dieser Zeitlichkeit, aber jener bringt ihn um die Ewigkeit. Wie stark ist doch die Verleitung zum Bösen durch Wort und Beispiel in unserer Zeit, und wie wenige sind sich auch nur bewußt, daß sie mit dieser Berleitung ein Unrecht begehen. Und wenn sie selbst das Unrecht erkennen, wie wenige bekennen es sich vor Gott mit dem Vorsatz für die Zukunft nicht mehr zu dem großen Troß der Verleiter und Verführer zählen zu wollen? Wie bewegt sich doch unsere ganze Eonversation um die Ehre und den guten Ruf unseres Nebenmenschen. Wie da einer über den andern spricht, urtheilt und ungehört verurtheilt! Man schädigt das Ansehen, den guten Namen des Opfers unserer Zunge und wie wenigen dämmert in diesen Tagen der Verantwortung auch nur eine Ahnung von der

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