Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 72-73 (7.9.1893)
- Date
- 1893-09-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIV. Jahrgang. M 78 & 78. Der Israelit. Ein Kentral-Hrgan für das orthodoxe Zudenthum. Begründet von Dr. Lehman« in Mainz. Donnerstag, de« 7. Sep ternber 5653 (1893). Wir geben heute eine Doppelnummer, da des hl. Neujahrsfestes wegen die nächste Nummer Donnerstag, den 14. September erscheint. Da mit dem 1. Okt. 1893 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bet der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste!pro 1893 eingetragen unter Nr. 3224. Leitender Artikel. Glücklich das Volk, kos dir Terootz versteht. Mainz, 6. September. Zu den Worten des hohen Lieds: oDrw ’njntwn D$*n» roia, „Ich beschwöre euch Töchter Jerrischolajims-Wenn ihr meinen Freund findet, was wollt ihr ihm verkünden? Daß ich ltebeskrank bin", merkt der Midrasch Tehillim an: \>n ironNö r6in >2« nom vtn rfrn xbi d’j/ö r6in 'J'n „Ich bin nicht krank am Leibe, nicht krank am Haupte, ich bin krank an der Liebe zu Ihm." In seinem Werke D^y nun« gibt »nno folgende Erklärung dieses Midrasch. Das Lied der Lieder stellt das Verhältniß zwischen Gott und Israel unter dem Bilde eines in Liebe verbundenen Paares dar. Der in Rede stehende Satz gibt dem sehnsüchtigen Verlangen Israels nach seinem himmlischen Freunde Ausdruck, in der Zeit, in welcher er dasselbe verlassen hat. Es ist jene schwere Zeit, von welcher es im V. B. M., Cap. 31, V. 17 heißt: Gott sprach zu Moscheh: Stehe, du legst dich nun zu deinen Vätern nieder, aber dieses Volk wird sich erheben und mir die Treue brechen, indem es den Göttern des Landes nachgeht, in welches es hinkommt, es wird mich verlassen und meinen Bund brechen, den ich mit ihm geschlossen habe. Da erglüht mein Zorn wider es um diese Zeit, ich werde sie verlassen, werde mein Antlitz vor ihnen verbergen, es wird der Verzehrung anheimfallen und es viele Leiden treffen und es wird es aussprechen um diese Zeit: Nur weil mein Gott nicht mehr in meiner Mitte ist, treffen mich alle diese Leiden." Die mannigfachen Leiden, welche Israel betrafen und betreffen, seitdem sein einziger, mächtiger Freund stch von ihm gewandt, find materieller und weeuer Ärr. iss ist me lorperriM Oefayivunu und Verkümmerung der ganzen Existenz, welche Einzelnen und der Gesammtheit die Möglichkeit erschwert, auch nur den bescheidensten leiblichen Bedürfnissen gerecht zu werden (d-vd ’^n) und andererseits die Schmach und der Hohn, die sich an den bloßen jüdischen Namen heften, ihren Trägern die Menschenrechte versagen und ihnen nicht gestatten, das Haupt frei zu erheben, (wnn >^ri) Wenn nun die heiligen, „furchtbaren" Tage nahen, an welchen ni'-on tyi rmnon bv, über Völker und Staaten, wie über jedes einzelne Individuum das Wohl und Wehe für die nächste Jahresspanne entschieden wird, da sind es diese Leiden zunächst, die im Vordergrund aller Wünsche und Gebete naturgemäß stehen. Man vergißt dann über diesen Uebel nur zu leicht die Quelle, aus welchen sie fließen: bi 'J'nüö 'mp rton mjnn, daß nur, weil Gott nicht in Israels Mitte lebt, es alle diese Leiden heimsuchen. Eine große Menge derjenigen, die in diesen Tagen um neues Leben, um ein naiv rur bitten, denkt dabei ausschließlich an ihre leiblichen Bedürfnisse und höchstens noch an die Verkennung und Aechtung des jüdischen Geistes, die immer dreister sich geltend macht. Wie aber Gottes Sache aus Erden schwer geschädigt wird, wenn sein Volk an seinen