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Der Israelit · 1893-09-04 · Heft 71 (4.9.1893) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 71 (4.9.1893)
Date
1893-09-04
Page
– (sequence 20)
Language
German
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1378 Verminderung der Beihilfen für die Gemeinden dürfte wohl nicht angängig sein, da bisher nur die besonders dürftigen Gemeinden Beihilfen erhalten hätten, und zwar diese nicht nur für Schulzwecke, sondern auch zur Unterhaltung ihrer gottesdienstlichen Institutionen. Dagegen halte es das Landesdireciiorium für unbedenklich, denjenigen jüdischen Lehrern, welche vom Staate Dienstalterszulagen bezögen, solche aus Mitteln der Provinz nicht mehr zu bewilligen, da dieselben nicht den Lehrern zugute kämen, sondern einfach vom Staate an der staatlichen Dienstalterszulage gekürzt würden. Bei Durchführung dieser Maßregel würden im laufenden Jahre 3000 M. verfügbar werden. Die rücksichtlich der Frage der Beibehaltung oder Ermäßigung des Zuschusses an die jüdische Lehrerbildungsanstalt angesteüten Ermittelungen hätten ergeben, daß aus derselben in den Jahren 1882—1891 75 Schüler zur Entlassung gekommen sein: davon seien in der Provinz geboren 18 und in derselben als Lehrer angestellt 40. Da hiernach die Hälfte der Lehrer für andere Provinzen ausgebildet werde und deshalb auch für die letzteren Veranlassung vorltege, die Anstalt zu unterstützen, ferner die Rechnungsabschlüsse derselbe keine Überschüsse aufwiesen, so sei wegen Ermäßigung des Zuschusses mit dem Landrabbtner verhandelt; dieser habe aber dringend gebeten, der Anstalt den bisherigen Zuschuß zu belassen, weil eine Hebung der Anstalt erforderlich sei. Das Landesdirectorium schlage nun nach reiflicher Erwägung vor, der jüdischen Lehrerbildungsanstalt den bisherigbn Zuschuß weiter zu zahlen, die Zulagen an die jüdischen Lehrer, welche staatliche Dienstalterszulagen erhielten, nicht weiter zu gewähren, die dadurch frei werdenden Gelder von rund 3000 M. aber zu Beihilfen an stark belastete ärmere jüdische Gemeinden und zu Unterstützungen jüdischer Lehrer zu verwenden. Nach kurzer Debatte beschloß der Provinzialausschuß, die bisherige Summe von 16,506 M. in den Haushaltsetat einzustellen und die Grundsätze der Verwendung dieser Summe nach den Vorschlägen des Landesdtrectoriums zu ändern. Brünn. In der diesjährigen dahier abgehaltenen Jahres-Versammlung des Curatoriums des mähr. jüd. Landesmassasondes wurde den erschienenen Delegirten der mährischen Cultusgemeinde mitgetheilt, daß das Curatorium projektier den jüd. Religions- und hebr. Unterricht in mähr. Volksschulen von hiezu alljährlich von den Delegirten zu wählenden Aufsichtsorganen inspiciren zu lassen. Dieses Projekt, das demnächst auch realisirt werden soll, hat in den betreffenden Unterrichtskreisen einen Sturm des Unwillens erregt. Sowohl das Pro als auch das Contra wurde in verschiedenen Fachjournalen ventilirt; die Contro versen sind noch nicht beendet. Der jüdische Religionsunterricht ist insbesondere in unserer Zeit, in der den jungen Kindern das anschauliche, lebendige Vorbild religiösen Lebens im Hause, diese beste und praktischste Schule, in welcher die Heranwachsende Jugend ehedem schon frühzeitig Liebe, Verehrung und Begeisterung für Lehren und Leben des Judenthums, für jüdische Angelegenheiten und deren Interessen am erfolgvollsten lernte, heutzutage zumeist abgeht, äußerst wichtig geworden. Es soll die jüdische Religionsschule von heute nicht nur für den Geist, für die Erweiterung des hebr. Wiffenskreifes allein hinarbeiten, sondern anch auf das Herz und Gemüth; nicht nur dem zu erhöhenden Bildungsgrad, sondern auch der religiösen Erziehung der Kinder ernstliche Sorgfalt und besondere Rücksichtnahmen widmen, um einigermaßen das zu ersetzen, was das Haus nicht so angelegentlich und nicht mehr so allgemein wie vormals bietet. Auf, daß dieser erhöhten Aufgabe der jüdischen Religionsschule möglichst gewissenhafteste Rechnung getragen werde, ist eine Beaufsichtigung der hebräischen Schulen, sowie über das Maß und den Geist deffen, wie darin unterrichtet wird, nicht nur am Platze, sondern erscheint vielmehr als geradezu dringend geboten. Es kann jedoch nicht geleugnet werden, daß diese Angelegenheit gerade in Mähren einen gar großen Haken hat. In der ganzen Welt nämlich sind die Volksschullehrer oder andere hiezu qualificirte Personen berufen, den Religions¬ und hebräischen Unterricht an den Volksschulen zu ertheilen, und den Rabbinern liegt es in erster Reihe ob, diesen Unterricht und die mit demselben verbundene religiöse Erziehung zu leiten und zu controlliren. Anders aber verhält es sich in Mähren. Da ist dieser Unterricht, namentli n in deu kleineren Gemeinden (also mit Ausnahme etwa Brünn, Olmütz und Proßnitz) zum weitaus großen Theil dem Rabbiner selbst überantwortet. Wer soll nun den Rabbiner, der doch als Seelsorger und geistliches Oberhaupt in seiner kleinen Gemeinde fungirt; wer soll, fragen wir, den Rabbiner kontrolliren. was und wie er unterrichtet. Als das Richtige und Zwesimäßigste wäre folgendes Vorgehen zu empfehlen: Vor Allem müßte ein einheitlicher Lehrplan entworfen, durchberathen und auch eingeführt werden, das Curatorium des mähr. jüd. Landesmassasondes sollte aus seinen Erträgniffen die den jüdischen- und Religionsunterricht ertheilenden Rabbiner, deren materielle Lage auf dem flachen Lande ohnedies von Jahr zu Jahr eine immer mehr prekäre wird, entsprechend honoriren und bei anerkannt vorzüglichen Leistungen sogar prämiiren, dann dürften es sich wohl auch die Rabbiner gefallen lassen, inspicirt zu werden, jedoch nur von fachgebildeten und von wahrer religiösen Begeisterung durchdrungenen Amtskollegen als Inspektoren, deren vier für in 4 einzutheilende Kreise Mährens sie sich auch selber zu wählen berechtigt sein sollen. Straßn itz. A. Friedmann, Rabbiner. > Büchermarkt. soeben erschien in unserem Verlage: Hohe Kreise, < Novelle von H. Berger. — 8° 47 Seiten. — Preis 25 Pfennige. Iah. Wtrty-m- HosbuOrnckerel. Main;. Verantwortliche Redaetion: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Mirth'scheu Hofbuchdruckerei-Ackien-Geselllchaft in Mainz.

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