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Der Israelit · 1893-09-04 · Heft 71 (4.9.1893) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 71 (4.9.1893)
Date
1893-09-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. M 71 Der Israelit Ein Genlrat-Hrgan für das orthodoXe Zudentßum. Begründet von Dr, Lehmann in Mainz« Montag, de« 4. September 5653 (1893)« Leitender Artikel. Sprüche der Maler. Fünftes Buch. \ XI. Mainz, 3. Sept. Z Als achtes Wunder wird in der vorliegenden Mischnah aufgezählt: D'nvn D’innipoi ysiDL pnoiy („Aufrecht stehend waren sie dicht gedrängt, und sobald sie sich ntederwarfen, hatten sie weiten Raum. Es war dieses ein offenkundiges, M vatAxltche Weife unerMrMeT Alünder. AiZsraels Blüthezeit zur Zeit des salomonischen Tempels zählte das Volk viermal so viel Seelen als zur Zeit des Auszugs aus Egypten. Der ganze Tempelraum umfaßte aber nur 135 Quadratellen. Daß ein so kleiner Raum eine solche Menschenmenge fassen konnte, wenn zur Zeit der Wanderfeste alle Männer in Israel hinauf zum Gottesheiligthum wanderten, war eine wunderbare Erscheinung, die sich an jedem einzelnen vollzog und für welche jeder einzelne Tempelbesucher selber Zeuge war. mutnao y"i bemerkt zur Stelle: mrin^n nytso 'n nana pim ‘n bi nma D”nnn»m dj cr6 ntpyj iPDi mmo nihbo nun nw yoff’ «V« na n'dn rnuiy. Das Wunder geschah deshalb im Augenblick Id es Niederwerfens, daß jeder vier Ellen entfernt von seinem Genossen war, damit keiner seinen Genossen hören konnte, wenn er beim Sündenbekenntniß seine Sünden erwähnte. Da es, wie erwähnt, die drei Wanderfeste Pesach, Schabuoth und Sukkoth waren, an welchen i sich alle Männer Israels im Tempelheiligthum einf fanden, so erscheint die Erwähnung des Sündenbe- ^kenntnisses, das doch für diese Festzeiten nirgends vorgeschriebe» ist, auffallend. Rabbi Moscheh Sofer h'in in seinem Thora-Commentar weist zur Hebung dieser Schwierigkeit auf den Umstand hin, wie die Gesetze des Raumes vollständig zurücktreten vor der Heiligkeit, welche Personen und selbst leblosen Gegenständen eigen ist. So finden wir z. B. daß die Bundeslade im Gottesheiligthum keinen Raum versperrte, man p iw pw D>po. — Auf Grund dieser Erfahrung war nicht so sehr die Geräumigkeit beim Niederwerfen, als die Beengung auffallend, welche von den Aufrechtstehenden berichtet wird. Die eingeengt Stehenden wurden durch diese Enge darauf hingewiesen, daß sie noch nicht das höchste Heiligkettsideal erreicht hätten, welches keine Schranke deß Raumes fennt, paß MenZoch Schwächen und Gebrechen änhäften, welche sie oes Wunders unwürdig macht. Dieses Bewußtsein war es, das sie zum Bekenntniß ihrer Sünden drängte, welches dann auch das Wunder zur Folge hatten, daß der Tempelraum sich weitete, sobald alle zur höchsten Gotteshuldigung vor Gott niedersanken. Im figürlichen Sinne ereignet sich dieses Wunder noch heute so oft, daß man es ganz selbstverständlich findet. Wo im täglichen Verkehr alle in gehobener Stellung und aufrechter Haltung dastehen, da drängt und stößt einer den anderen, wo aber jeder Einzelne sich fügt, sich bückt und unterordnet, da haben alle reichlichen Raum. Unter mrwn wird das gänzliche Sichniederwerfen, die vollständige Entäußerung jeder „Selbstständigkeit" ausgedrückt. Von dieser vollendeten Unterordnung und Hingebung bezeugen die Weisen aus der Geschichte' unserer großen Vergangenheit, daß sie die Quelle alles Verdienstvollen ist, dessen sich unsere Väter erfreuten, n'innlvn rvoo pan. Solange diese Hingebung und Unterordnung unter Gott den Grundzug unseres ganzen Lebens bildete, vermochte keine äußere Beengung und Einschränkung den mächtigen Flügelschlag des jüdischen Geistes und Herzens aufzuhalten oder gar zu unterdrücken. Man konnte unsere Väter und Mütter in dumpfe, enge Ghetti's pferchen, aber sie erlagen dem Druck und

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