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Der Israelit · 1893-08-28 · Heft 69 (28.8.1893) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 69 (28.8.1893)
Date
1893-08-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIV. Jahrgang. Beilage des „Israelit". Leitender Artikel. Die Kolonien des Waran Kirsch. Von Lucien Gerbel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Von vorne herein erklärten die Vertreter der Gemeinde den für das Land berechneten Preis als viel zu hoch und sie wollten ferner wissen, was für Häuser ihnen zugedacht sind und wie ihre definitive Ansiedelung erfolgen sollte, d. h. in Gruppen von wieviel Familien sie angesiedell würden. Was den Bau der Häuser anvelaugt, so war sich darüber die General-Direction selbst noch nicht im Klaren, was für Material hierfür zu verwenden sei. Auf den anderen Colonien in Argentinien wohnen die Ackerbauer in kleinen Häusern, die sie aus einem Gemisch von Erde und Stroh selbst aufbauen und mit Mais-Stroh überdachen, sogenannte „Ranchos". So ein Rancho ist in 2 Tagen hergestellt, kostet sehr wenig und die europäischen Colonisten begnügen und gewöhnen sich an solche Wohnstätte, die viel primitiver ist als die Erdhütten, welche in ungarischen und rumänischen Dörfern anzntresfen sind. Von anderen Colonisten, welche auf ein besseres Wohnen halten, werden Häuser aus gestampfter Erde errichtet; diese Häuser, deren Wände 80 Centimeter bis 1,20 Meter dick sind, bieten im Sommer den besten Schutz gegen die große Hitze, während sie im Winter ein guter Schutz gegen Näsie und Kälte sind. Da aber unseren Colonisten noch als sie in Buenos Aires waren, versprochen wurde, daß ihnen Häuser aus Ziegelsteinen erbaut würden, so bestanden sie nun darauf, solche Häuser zu erhalten. Dr. Loewenthal persönlich war auch der Meinung, daß für Juden, welche es in ihrer Heimath schon zu einer besseren Wohnart gebracht hatten und die im übrigen vielleicht auch mehr wie andere Ackerbautreibende auf das Familienleben halten, ihre Feiertage im Familien-Kreise verleben und nicht, wie es im Camp sonst üblich, in den benachbarten Dörfern Wirthshäuser aufsuchen und die doch überdies nicht wie so viele andere Colonisten den Camp als temporäre Heimath ansehen dürfen, denn ihre Ansiedelung hier soll doch eine dauernde sein, Dr. Loewenthal war also der Meinung, daß ein gewöhnlicher Rancho oder ein Erdhäuschen den Bedürfnissen unserer Colonisten nicht genügt. Und gerade weil unsere Colonisten bisher an daS Leben in Dörfern und Städtchen gewöhnt waren und die bis dahin in Mauricio An g e langtenzumgrößten Theil keine Ackerbauer waren, also die Leute erst an das Campleben und an die Camparbeiten gewöhnt werden mußten, so wäre es sehr richtig, ihr Wohnhaus gleich vom Anfang so zu bauen, wie es jeder Bauer in den civilisirten Ländern Europas hat; die jüdischen Colonisten sollten doch vor allem Liebe und Lust für ihr neues Heim und fürdieErdegewinnen;denn nur dann könnte die Colonisation eine erfolgreiche sein. Was die Art der Ansiedelung anbelangt, so ist es in Argentinien üblich, daß jede Ackerbau treibende Familien ihre Wohnstätte inmitten ihres Feldes aufschlägt. Von praktischem landwirthschaften Standpunkte ist diese Ansiedelung die einzig richtige; der Bauer, der in der Mitte seines Feldes wohnt, kann bester seine Saaten übersehen, gewinnt auch Zeit, weil die Distanzen abgekürzt sind. Unsere Colonisten hätten am liebsten gewollt, alle mitsammen zu wohnen, also ein Dorf zu bilden — in diesem Falle, weil die Anzahl der Familien so zahlreich, wäre es ein kleines Stäbchen geworden — und jeden Morgen wollten sie auf ihr Feld hinaus, um die Feldarbeiten zu besorgen. Das ist aber in Mauricio gar nicht denkbar; die Colonie ist 50 Quadrat Kilometer groß, die Familien, deren Land mehrere Kilometer von ihrem Wohnhaus entfernt wäre, mußten viel zu viel kostbare Zeit verlieren, ehe sie mit Pflügen und Ochsen auf ihr Feld gelangen. Die weiten Distanzen würden die Hilfe der Frauen und größerer Kinder, die ja sonst auch Hand anlegen könnten, ganz unmöglich machen und besonders während der Erntezeit könnte die weite Entfernung die größten Verluste zur Folge haben. Die Colonisten, denen das Loos die entfernteren Felder angewiesen hätte, denn es war beschlosten worden, das Land durch Verloosung zu vertheilen, hätten einige Stunden gebraucht um auf ihr Feld zu gelangen. Es wäre den Leuten sehr schlecht gedient gewesen, wenn man diesen ihren Wunsch berücksichtigt hätte. Dr. Loewenthal hat dem Rechnung getragen, daß eine jüdische Familie ganz allein, also isolirt. inmitten ihres Feldes zu wohnen fürchten würde und daß Juden überhaupt mehr das Bedürfnitz einer gewisten Geselligkeit empfinden und hatte für die Ansiedelung der Leute die auf umstehendem Plan angedeutete Ansiedelungsart beschlosten. Wie aus diesem Plane zu ersehen ist, hat Dr. Loewenthal, indem er den Lebensgewohnheiten der Juden Rechnung getragen, gleichzeitig auch die landwirthschaftlichen Erforderniste im eigenen Jntereste der Colonisten im Auge behalten. In Gruppen von je 4 Familien wohnend, hätten sie sich vor Nichts zu fürchten gebraucht, hätten auch den Nachbarn, mit welchen sie sich während der langen Winterabende gemüthlich über besser zu kommende Tage unterhalten konnten, nicht entbehren müssen und sie hätten den so großen Vortheil, in unmittelbarster Nähe ihres Feldes zu sein. Dr. Loewenthal hatte beim Entwerfen dieses Planes auch daran gedacht, daß ein Zusammenleben von 4 Familien für die Zeit der Ernte, wo manchmal die Hilfe des Nachbarn von größtem Werth ist, große Vortheile den Colonisten bieten würde. Es

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