Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 68 (24.8.1893)
- Date
- 1893-08-24
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
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1321 wissen, damit sür erstere genügende Zeit genommen werde. Entgegen der Ansicht des Herrn Stern betont er, daß diese Methodik nicht ohne weiteres der allgemeinen Methodik entspreche, und weist auf das Lesen und Uebersetzen hin. — Herr Landrabbiner Dr. Lewinsky weist ergänzend daraus hin, daß vordem noch in Ems unter Dr. Hochstätter eine Lehrerbildungsanstalt existirt habe. — Im Gegensätze zu Dr. Jacob legt er gerade hohen Werth auf das Rabbinische, das dem Lehrer in kleinen Gemeinden geradezu unentbehrlich sei. Herr Landrabbiner Dr. Gronemann spricht sich in demselben Sinne aus und meint, daß, wenn es an Zeit fehle, die Musik etwas weniger gepflegt werden könne. Dieser Ansicht tritt Herr Dr. Kroner unter Beifall vieler Lehrer entschieden entgegen. Letzterer führt in Uebereinstimmung mit Herrn Dr. Jacob aus, daß es wohl doch eine spezifische Methodik für die jüdischen Fächer gebe. Bezüglich der Schächtstunden, die Herr Stein bemängelte, setzte Herr Dr. Kroner auseinander, daß gerade durch den frühen Beginn derselben das Abiturientenjahr entlastet werde, daß der anscheinend so lange dauernde Schächtunterricht in Wirklichkeit eine Erleichterung für die Seminaristen bilde. — Mit der Einführung einer fremden Sprache wäre er, in erster Linie des Erwerbs wegen, einverstanden. Das Rabbinische dürfe unter keiner Bedingung eingeschränkt werden. Wenn schon sür jeden Israeliten überhaupt die Verpflichtung bestände, Thora,alfo auch die mündliche Lehre, zu lernen, um wievielmehr müsse diese Forderung an einen Lehrer gestellt werden. Deutsche Uebersetzungen könnten das Original nicht ersetzen. Das Rabbinische brauche durchaus nicht zu Gunsten der besonderen Methodik für die jüdischen Fächer beschnitten werden. Diese sei nicht so unbändig groß, um nicht in wenigen Stunden im Wesentlichen vermittelt werden zu können. Zweite Sitzung, Mittwoch, den 24. Juni. Um 8 Uhr begab sich die Versammlung in das neue Seminargebäude und besichtigte unter Leitung des Herrn Dr. Kroner mit großem Interesse die Räumlichkeiten und Lehrmittel des Seminars. — Großen Beifall erregten die Einrichtungen für den Unterricht in Handfertigkeit und Gartenbau, sowie die ausgestellten Erzeugnisse in Holz und Pappe. Nach beendigter Besichtigung, die etwa eine Stunde währte, hielt Herr Lehrer Selig-Emden eine Lehrprobe im Gebetübersetzen in Verbindung mit Religionslehre auf der Mittelstufe der Seminarschule. Rach Entlastung der Schüler hielt Herr Selig einen kurzen Vortrag über die von ihm eingeschlagene Methode. Dieser Vortrag, der von dem heiligen Eifer und tiefsittlichen Ernste des Referenten zeugte, wurde sehr beifällig ausgenommen. Im Wesentlichen führte Herr Selig aus: Das Uebersetzen der Gebete ist ein Hauptmittel zur Bildung eines religiös-sittlichen Charakters, ist also an und für sich Religionsunterricht. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es beim Uebersetzen der Gebete besonderer Vorkehrungen, da das mechanische, fast bewustlose Vor- und Nachübersetzen sehr leicht den Erfolg haben könnte, die Schüler an Gedankenlosigkeit zu gewöhnen. Diese Gefahr ist bei den anderen religiösen Disziplinen nicht so sehr vorhanden, da deren Inhalt schon von selbst Nachdenken und Aufmerksamkeit erfordert. Auch das Einüben der Vokabeln, wodurch ja das Uebersetzen selbst sehr erleichtert und ein Fortschreiten gefördert wird, giebt für sich noch keine Gewähr, daß das religiös-sittliche Ziel erreicht wird. Man sieht dies ja an den Erwachsenen, die vielfach es offen aussprechen: „Wir verstehen die Gebete nicht", obwohl sie Uebersetzen gelernt haben. Das ist betrübend. Dadurch wird der Jndifferentismus großgezogen, die herrlichsten Gebete verfehlen ihre Wirkung; der ganze Gottesdienst wird zum leeren Mechanismus. Dadurch werden auch Bestrebungen gezeitigt, die darauf hinlausen, das hebräische Gebet überhaupt abzuschaffen. Der naive Standpunkt: man möge nur beten, Gott verstehe schon das Gebete, läßt sich heute nicht mehr geltend machen. Referent ist im weiteren der Ansicht, daß man die Lehrsätze und das Verfahren der allgemeinen Didaktik auch auf den hebräischen Unterricht anwenden müsse. Es gebe keine konfessionelle Methodik. Er verweist auf die in dem ttebersetzungsbuche von Dr. Kroner angegebenen methodischen Winke, mit denen sein Verfahren im Großen und Ganzen übereinstimme. Nach beendigtem Vortrage begab sich die Versammlung wieder in das Versammlungslokal. In der Debatte fand Herr Selig vielen Widerspruch. Stern-Hildesheim ist der Ansicht, daß die Methode es nicht möglich mache, guantitativ das zu erzielen, was nöthig und erforderlich sei. Diese Methode sei allenfalls in einer mittleren Gymnasialklasse, nicht aber auf der Mittelstufe einer Volksschule am Platze. Er erhebt die Forderung, daß aus didaktischen Gründen der systematische Religionsunterricht für sich bestehen bleibe und nicht in den Unterricht im Uebersetzen aufgehe. Roßkam-Diepholz meint, daß die gehörte Lektion mehr ein Vortrag als ein Unterricht gewesen sei. Auf die Antworten der Kinder sei zu wenig eingegangen, die Herbart' schen Stufen feien nicht konsequent durchgeführt. Reuß-Neustadt-Gödens ist derselben Ansicht und be mängelt die Austastung des behandelten Gebetstückes. Herr Landrabbiner Dr. Lewinsky verspricht sich von der eingeschlagenen Methode wenig Nutzen und neigt sich der Ansicht des Herrn Stern zu. Die Schriftführer: L. Weinberg-Bodenfelde. E. Speyer-Hannover. j&ecenjtimen. -imn Win nwi, Die fünf Bücher Moses (Schulausgabe). Durchgesehener Text nebst einem Wörterverzeichnisse, einer kurzen hebräischen Grammatik und Conjugations-Tabellen von Dr. M. Kaiser!ing, Prag, 1892. Verlag von Jakob B. Brandeis, Preis I. Bch. 1 M., II. 90 Pfg., III. 75 Pfg., IV. 80 Pfg. und V. 80 Pfg. Um statt des mechanischen Uebersetzens besseres Verftändniß des Pentateuchs anzubahnen und zu befördern, hat der Herausgeber dem sorgfältig revtdtrten Texte ein Vocabularium angeschlossen, das dem Schüler Gelegenheit bietet, sich auf jede Lection vorzubereiten, wodurch beim Unterrichte viel Zeit und Mühe erspart wird; außerdem wird der Schüler bet jedem Wort auf das Verftändniß der — in Klammern angegebenen — grammatikalischen Formen hingeführt. Zu diesem Zwecke sind die Prä- und Suffixe vom Stammworte getrennt und auch eine kurze hebr. Grammatik und die nöthigen Conjugations-Tabellen angefügt. Zur leichteren Orientirung des Schülers ist im Wörterverzeichnisse der Inhalt eines jeden Kapitels kurz angegeben.