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Der Israelit · 1893-08-07 · Heft 63 (7.8.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 63 (7.8.1893)
Date
1893-08-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1217 Die fernere Entwickelung des Antisemitismus läßt sich nach dieser Krisis mit diagnostischer Gewißheit vorausverkünden. Ich werde diese Frage zum Gegenstand eines besonderen Artikels machen, in welchem ich Nachweise, daß der Antisemitismus gegenwärtig schon im Niedergang begriffen ist. Die Parteien, welche sich antisemitisch nennen., mögen und werden ja noch weitere Erfolge erzielen, aber es ist dann nicht der Antisemitismus, der siegt, sondern lediglich der Sozialismus — wenn auch einstweilen nur der der „dummen Kerls". Ihr Antisemitismus wird sich verdünnen und verflüchtigen und ihr Sozialismus wird schließlich einmünden in den großen sozialistischen Hauptstrom, dessen gewaltige Brandung die alten sozialen Dämme bereits gierig beleckt. Literarischer Wericht. Die rituelle Schlachtmethode der Juden vom Standpunkte der Kritik und Geschichte, von Simon, Sanitätsthierarzt zu Rathenow a. d. H. Eine auffällige Verordnung des Kgl. sächsischen Ministeriums des Innern, wonach beim Schlachten aller Thiere mit Ausnahme des Federviehs, der Blutentziehung die Betäubung vorausgehen muß, hat in dem Königreich Sachsen das Schlachten nach jüdischem Ritus verboten, resp. unmöglich gemacht. Dieses Vorgehen gab Anlaß, daß die Frage über die Zweckmäßigkeit der jüdischen Schlachtmethode, des Schächtens, von Neuem Gegenstand publicistischer Erörterungen wurde, von welchen die vorliegende Brochüre, weil von sachverständiger Seite geschrieben, in würdigster Form gehalten, und mit einer Fülle überzeugender Beweissätze versehen, sich besonders auszeichnet. Die Angelegenheit hat in der That höchstes Interesse. Legislatorische Erlasse eines Bundesstaates pflegen gerne in anderen entsprechende Nachfolge zu zeitigen und ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß auch anderwärts eine solche Kundgebung, welche die Gebräuche einer Religionsgesellschaft irritirt, eines Tages publicirt wird, soweit paritätische Rechtsnormen nicht entgegenstehen, es sind in solcher Richtung Petitionen laut geworden, welche sogar eine ganz ungeheurliche Verschärfung des Verbots herbeiführen möchten. Der Zweck der Brochüre scheint einerseits auf Herbeiführung einer Correctur des citirten Erlasses gerichtet, andrerseits etwaigen Bestrebungen, daß anderenorts gleichartige Beschränkungen Platz greifen sollten, entgegenzuarbeiten, indem sie über die religiös humanen Tendenzen der Methode einen Ueberblick bietet. Dem Büchlein ist die größte Verbreitung und den Darlegungen des Verfassers die Zustimmung aller Kreise zu wünschen. Für den Thierarzt, welcher als Sachverständiger von den Behörden zu Rathe gezogen wird, ist die in der Brochüre gebotene Zusammenstellung der großen Anzahl gutachtlicher Aeußerungen, welche Vertreter unserer Wissenschaft über die Schächtung und die gegensätzlichen Schlachtmethoden gemacht haben, von großer Wichtigkeit. Männer von hervorragend wissenschaftlichen und praktischen Kenntnissen haben das Schächten nicht blos als zulässige, durchaus von Thierquälerei freie Tödtungsart, sondern sogar als die bessere oder eine der besten Schlachtmethoden bezeichnet. Gerlach,Dammann, Virchow, Chanoeau,Fürftenberg, Gürlt, Schmidt-Mülheim, Leisering, Bouley, Adam, Röll, Lydtin, Zangger, Haubner, Esser, Ostertag, Roloff, Hertwig, Eggeltng, Fuchs konnten als mehr oder weniger in diesem Sinne beistimmende Autoren citirt werden und die angezogenen Worte fallen in's Gewicht, nicht bloß, weil sie von Autoritäten sind, sondern weil eben diese anerkannt gewissenschaften Forscher und Experten ihre Sätze auf Grund des Vergleiches mit anderen üblichen Schlachtarten, ferner auf Grund besonderer philologischer Experimente niedergeschrteben haben. Ohne Vorurteil heranzugehen an die Beantwortung solcher Fragen, unbeirrt von politischen und persönlichen Einflüssen und Regungen ein Votum abzugeben, ist dem Thierarzt eine selbstverständliche Pflicht. Zur Betätigung dieser sachlichen Behandlung gibt das Büchlein die nöthige Aufklärung. Der Verfasser streift am Schluffe seiner Darlegungen mit beherzigenswerten Mahnungen auch noch einige andere Punkte (Distanzritt, Operationen an Thieren zu Unterrichtszwecken;) über welche human denkende College» eines Sinnes mit dem Verfasser sein werden. Die ganze Vortragsweise ist in ihrer gleich einfachen wie schönen Diction von so sittlicher Kraft, daß die schlichten, gemüthvollen Worte gewißlich des Eindruckes nicht verfehlen werden. Th. Kitt. (Kgl. Professor an der tierärztlichen Hochschule in München und Herausgeber der Monatshefte für praktische Thierheilkunde.) Vorstehende Besprechung entnehmen wir der jüngste Nr. der „Monatshefte für praktische Thierheilkunde", die in München erscheinen. Als bedeutsame und dankenswerte Kundgebung zu einer Tagesfrage, die leider zu einer brennenden geworden ist, haben wir dieselbe vollinhaltlich mitgetheilt. Wenn eine hochangesehene Autorität sich dermaßen äußert, so ist es Pflicht der jüdischen Blätter, solchen Aeußerungen die weiteste Verbreitung zu geben. Es gehört ja heute Mannesmuth und Ueberzeugungs-

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