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Der Israelit · 1893-08-03 · Heft 62 (3.8.1893) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 62 (3.8.1893)
Date
1893-08-03
Page
– (sequence 18)
Language
German
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- v":-- 1200 gesetzt war. Die Juden sind vorzügliche Kaufleute geworden, und aus ihrer Reihe gingen die vorzüglichsten Volkswirthschaftslehrer hervor. Auch haben sie im Mittelaltar den Aristoteles übersetzt, Mathematik getrieben, die ärztliche Wissenschaft gefördert und als Denker Hervorragendes geleistet. Sobald die große Revolution sie emancipirt hatte, war es ihr Ehrgeiz, an Bürgertugenden sich von Niemandem übertreffen zu lassen. Courtois erwähnt das lebhafte Humanitätsgefühl der Juden, ihren Eifer und ihre Hingebung auf dem Gebiete des Wohlthuns, ihre Herzensgüte, ihren Seelenadel, ihre Freigebigkeit für philanthropische Zwecke, ihre Munificenz, welche den ihnen zugemutheten Cultus des goldenen Kalbes Lügen ftrafr. Daß sie heute noch eine besondere Race bilden, sei am Ende kein Unglück, und es sei auch gar nicht ihre Schuld, sondern diejenige der Christen, die der Racenkreuzung Widerstand entgegensetzen. Im Uebrigen aber verwischt sich der Racentypus immer mehr, und bald wird er überhaupt nicht zu erkennen sein. Courtois schließt mit der Constatirung dessen, daß die Juden sich um die Civilisation und um die politische Oekonomie unvergängliche Verdienste erworben haben. Brelay erklärt sich sehr befriedigt darüber, daß der Vorredner die Juden gepriesen hat. Man wirft ihnen vor, daß sie rasch zu hohen Stellungen gelangen; aber ist es etwa ein Vorrecht, das ihnen zu solchen verhilft? Im Gegentheil, sie haben tiefwurzelnde Vorurthetle zu besiegen und jeden Erfolg müssen sie sich mit weit mehr Mühen als die Christen erringen. Der Judenhaß ist, nach der Ansicht des Redners, eine Schutzzollbewegung sui generis, die Auflehnung des Neides und der Ohnmacht gegen die physische und sittliche Thatkraft. Daß die Juden im Wirtschaftsleben den Vermittlerberuf cultiviren, kann nicht Gegenstand einer Recrimination bilden. Der Handel ist ja an sich nichts weiter als eine Vermittlung zwischen Ausgebot und Nachfrage. Brelay erklärt, er habe sehr gute und sehr fleißige Freunde unter den Juden, die er liebe, und denen er gern nachstreben möchte. Er habe eine Vorliebe für achtbare Minoritäten, und wäre er bei seiner Gleichgiltigkeit in Glaubenssachen der Versuchung eines Neligionswechsels zugänglich, so möchte er gern dem jüdischen Bekenntniß bettreten. Leroy Beaulieu, der nun das Wort ergreift, weift nach, wie die gegen die Juden gerichteten Vorwürfe voll widersinniger Widersprüche sind. Man tadelt sie wegen ihres Reichthums, und doch steckt die größte Mehrheit ihrer Angehörigen im tiefsten Elend. In Frankreich schilt man sie wegen ihrer Capitalskraft, in England und Amerika wegen ihrer Armuth, die mit geringem Lohn sich begnügt und den Arbeitsmarkt verdirbt. Leroy-Beaulieu stimmt mit Brelay darin überein, daß der Judenhaß eine Form des Protectionismus sei. Was die besondere Eignung der Juden für den Handel betrist, so darf nicht übersehen werden, daß der Jude ein künstliches Product der Gesetze sei und daß die Freiheit und Gleichheit ihre nivellirende Wirkung auf ihn nicht verfehlen werden. Professor Worms schickt voraus, daß er Jude sei. Seine Glaubensgenossen wirken nicht allein aus dem Gebiete des Handels, sie widmen sich auch der Philosophie, der Jurisprudenz, der Medicin, der Literatur und der Kunst. Worms glaubt, daß der Judenhaß sich gegen die jüdische Philosophie richte, welche so hoch und so weit sei, und welche jegliche Tyrannei und alle Vorurthetle so entschieden bekämpfe. Die Juden sind die Sündenböcke des Fortschrittes, und dieses Bewußtsein mag sie wohl hinwegtrösten über alle Feindseligkeiten, denen sie ausgesetzt sind. Der Vorsitzende de Molinart schließt die Debatte mit der Bemerkung, es freue ihn, in dieser Gesellschaft, die den liberalen Ueberlieferungen treu anhängt, so energische Proteste gegen eine Bewegung gehört zu haben, die auch in seinen Augen nur eine der schlimmsten Formen des Protectionismus ist. _Anzeigen._ Für de» folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. 1^3 Hotel Landskron, Bad Neuenahr. ~)l^0 Wwe. G. Borg, Besitzer. 3425) Prospekte des Bades gratis und franco. Referenzen des In- und Auslandes zu Diensten. Billa Nova Ostende. loa Hotel Restaurant 'Frau k. Ansicht vom Meer. (4112 Boulevard van Isegkenr 28. "120 Specialität. Frische Servelatwurst ä M. 1.20. Prima Fleifchwurst ä 80 Pfg. in haltbarer vorzüglicher Qualität empfiehlt Wilhelm Wolfgang, früherer Besitzer des Hotel Wolf, Bad-Ems. (7004 Halle a.,S. Strengien 2726) Ne« eröffnet l Speise-Pensionat 1. Ranges. Verehrl. Reisenden bestens empfohlen. Jaeobi, 13 Meine Brauhausgasse 13.

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