Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1893-07-27 · Heft 60 (27.7.1893) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 60 (27.7.1893)
Date
1893-07-27
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2448315-2448372--36805-2484842
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1164 Er ist in der „Pampa" geboren. Im allgemeinen ist der Gaucho von großer Statur, das von der Sonne gebräunte Gesicht ist knochig und breit, sein Haar ist schwarz und hart wie das Haar des Indianers. Er ist eitel und stolz wie der Spanier, ichlau und verschlagen wie der Indianer — von den Mauren, welche im spanischen Blute tiefe Spuren ihrer langen Herrschaft in der Halbinsel zurückgelassen haben, hat der Gaucho bewundernSwerthe Nüchternheit geerbt. Er lebt von Wasser und Fleisch, alles andere nennt er „vicios" worunter er „kleine Laster versteht; seine große Leidenschaft ist das Spiel. Obzwar man vom Gaucho sagen kann, daß er faul und arbeitsscheu ist, so liebt er doch alle Arbeiten, die sich zu Pferde verrichten lassen. Wenn er sparsam wäre könnte er große Ersparnisse machen, da alle diese Arbeiten gut bezahlt werden; aber kaum erhält er seinen Lohn, so sucht er auch schon im nächsten Wirthshaus seine Freunde auf; mit diesen veranstaltet er große Pferderennen und geht die höchsten Wetten ein. Er und sein Pferd sind unzertrennliche Freunde; es ist dies sein größter Stolz und er verwendet viel für dessen Besattelung. Der spanische Sattel ist mit Silber beschlagen, Zaun und Bügel sind von reinem Silber, die Zügel umhüllt von hohlen, kurzen Cylindern von reinem Silber. Wenn er sein ganzes Geld verwettet hat, so setzt er alle diese werthvollen Gegenstände ein und er verspielt schließlich seinen besten Freund — sein Pferd; er muß nr n zu Fuß weiter und das ist für den Gaucho die größte Demüthigung. Der Gaucho hat Frau und Kinder, ist aber nur selten verheirathet, er achtet indessen die Bande die er sich geschaffen und erzieht seine Kinder gerade so wie er selbst erzogen wurde: mit dem Tage, wo der Junge selbstständig reiten kann, ist die Erziehung beendet. Wir haben nun . dem geneigten Leser ein BildI der „Pampa" zu geben versucht und bei dem „Gaucho" längere Zeit verweilt. Die „Pampa" ist die nunmehrige Heimath der jüdischen Einwanderer und der „Gaucho" ihr Nachbar und Mitbewohner. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten «ud Correspoudeuzeu. Deutschland. Berlin. In der Angelegenheit des Assessors L. und der angeblichen Aeußerung des preußischen Justizministers v. S ch e l l i n g hat das angekündigte Dementi nicht lange aus sich warten lassen. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung ist zu folgender Erklärung ermächtigt: „Die von dem „Kleinen Journal" gebrachte Mittheilung über eine Unterredung zwischen dem Justizminister und einem jüdischen Assessor sind wir in der Lage dahin zu berichtigen, daß der Herr Justizminister eine Erklärung, wonach er vorläufig nicht in der Lage sei, einen Juden als Richter anzustellen, nicht abgegeben hat." Ueber die Entstehung des Gerüchts wird uns das Folgende geschrieben: „Ein Assessor L., mosaischen Glaubens, der über süns Jahre als Assessor beschäftigt gewesen war, hatte beim Lesen des Justizminifterialblattes die Wahrnehmung gemacht, daß Kollegen zu Richtern ernannt wurden, welche in der Dienstzeit um zwei Jahre hinter ihm zurückstanden. Da der Assessor als möglichen Hinderungsgrund seiner Ernennung nur seine Religion annehmen konnte, so eilte er nach Berlin, um beim Herrn Justizmini ster eine Audienz zu erbitten. Aber schon im Bureau wurde ihm die Mittheilung gemacht, daß er keinen Grund zur Klage habe, da seine Ernennung zum Amtsrichter bereits verfügt sei." Die ganze Verwicklung löst sich also auf die allernatürlichste und einfachste Weise. Und das wilde Triumphgeschrei der antisemitischen Hetzblätter vom Schlage des „Volk" und der „Staatsbürger- Zeitung" war wieder einmal umsonst gewesen. M « % z i s z «. Für den folgenden Theil ist die Redaetio« nicht verantwortlich. 11^3 Hotel Landskron, Bad Neuenahr. 12/3 Wwe. G. Borg, Besitzer. Prospecte des Bades gratis und franco. Referenzen des In- und Auslandes zu Diensten. 3425) /Cin Fräulein wünscht zur Erlernung des feineren Haushalts und zur Stütze der Hausfrau Stellung in guter, jüdischer Familie. Salair wird nicht beansprucht, dagegen Familienanschluß Bedingung. Offerten unter O. 4709 an die Expedition d. Blattes erbeten. ^7>ie Stelle eines Hilfscantors und Schächters, der auch den Synagogendienst versehen muß, ist am I. October d. I. zu besetzen. Das feste Einkommen beträgt jährlich 600 Mk. und das Nebeneinkommen ebenfalls ungefähr 600 M. Bewerber wollen ihre Gesuche unter Einreichung ihres selbstgeschriebenen Lebenslaufes und der Abschriften ihrer sonstigen Zeugnisse an uns richten. Sohrau i. Schl., im Juli 1893. 4670) Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. 4Lin tüchtiger j. Kaufmann, ^30er, alleinstehend, mit über 150,000 Mk. Vermögen, sucht in ein Geschäft einzuheirathen Diskretion zuges. u. verl. Offerten mit allen näheren Angaben befördert unter Nr. 4564 die Exped. dfs. Bl.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.