Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 60 (27.7.1893)
- Date
- 1893-07-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1157 der Geschichte. Was schlecht an ihm war und niedrig und gemein, das ist bekannt und ungebührlich vergrößert worden, während das reine Edelmetall seines Wesens selten nur von einem Eingeweihten erkannt und gewürdigt wird. Es ist daher dem blöden, haßerfüllten Fanatismus ein Leichtes, den Mob aufzustacheln gegen diejenigen, welche mit dem Gedanken umgehen, dem unglücklichen Poeten ein Denkmal zu errichten im deutschen Vaterlande. Man kann übrigens ein leidenschaftlicher Verehrer der Heine'schen Muse sein und dennoch gegen dieses Denkmal sich erklären. So lange es sich darum handelte, dasselbe in Düsseldorf aufzurichten, ließ sich dagegen Nichts einwenden. Niemand hatte das Recht, der Stadt Düsseldorf, wenn sie auf diese Weise an die Thatsache erinnern wollte, daß in ihren Mauern der Dichter Heine das Licht der Welt erblickt hat, daraus einen Vorwurf zu machen. Sobald aber die Frage des Heine-Denkmals aus dem lokalen Rahmen heraustritt; wenn es sich darum handelt, das in Düsseldorf in Folge der bekannten Quertreibereien unmöglich gewordene Monument nach Mainz zu verlegen und so aus einem lokalen Denkmal ein nationales zu machen, so muß man aus nationalen und allgemeinen Gesichtspunkten zu der Frage Stellung nehmen. Und da kann unter sachlich urtheilenden und nüchtern denkenden Leuten das übereinstimmende Urthetl nur dahin gehen, daß es nicht rathsam ist, den Plan der Mainzer Kommission zu verwirklichen. Die Eigenart Heiners, die näheren Umstände seines Lebens, die gänzliche Unbekanntschaft des Volkes mit seinem eigentlichen Wesen, mit seiner Bedeutung und seinen mannigfaltigen Schicksalen — d a S Alles spricht gegen dieses Projekt. Aber es spricht noch ein Anderes dagegen. Schon sind die Antisemiten und deren Hintermänner, die Konservativen vom Schlage der „Kreuzzeitung" emsig bei der Arbeit, aus dieser Affaire neues Verhetzungskapttal zu schlagen, indem sie behaupten, daß Heine nur deßhalb ein Denkmal haben sollte, weil er Jude gewesen. Hauptsächlich weil er Jude gewesen, ist es ihm in Düffeldorf verweigert worden — dadurch gewinnt die Sachdarstellung der Judenfeinde einen Anschein von Berechtigung. Die „Kreuzzeitung" droht bereits mit einer Verschärfung und Vertiefung des Antisemitismus für den Fall, daß in Mainz das Denkmal ausgestellt werde und wenn auch kein Anlaß vorläge, vor einer solchen Drohung zurückzuweichen, falls es sich um eine wirkliche Ehrensache des gebildeten Deutschlands würde handeln, so ist doch auch kein Grund vorhanden, unnützer und thörichter Weise dem Judenhaß neue Nahrung zuzuführen, aus bloßer Rechthaberei. Heine bedarf auch eines Denkmals gar nicht. Sein Denkmal sind seine gesammelten Werke. Hier finden wir Zug um Zug das Bild des großen Dichters und unglücklichen Menschen — mit solcher Deutlichkeit und in solcher Vollständigkeit vermöchte keines Künstlers Hand es vor uns hinzustellen. Deni Menschen Heine wird erst eine spätere Zeit völlig gerecht werden. Die Apotheose seiner Person, wie sie in Mainz geplant ist, würde daher zum Mindesten arg verfrüht sein. ZcitungSuachrichte« und chkorrespooderrze«. Deutschland. Mainz, 15. Juli. (Zur Naturgeschichte des Antisemitismus.) Der Antisemit Gräfe, so schreibt der Zeitzer „Volksbote", siegte im Wahlkreise Bautzen im ersten Wahlgange über den bisherigen konservativen Vertreter. Nun enthält der Kreis mitsammt seinen 370,739 Einwohnern keinen einzigen Juden. Das Elend ist aber in diesem „judenreinen" Kreise eben so groß, wie in den mit Juden „durchsetzten". Woraus für jeden Einsichtigen — die Antisemitenführer ausgeschlossen — folgt, daß der Antisemitismus eine Erscheinung ist, die so rasch, wie sie gekommen, sich wieder in dem Strom des Sozialismus auflösen wird. Posen, 16. Juli. Das israelitische Kurhospktal in Kolberg zeigt in seinem soeben ausgegebenen 19. Jahresberichte wieder eine erfreuliche Steigerung sowohl der Zahl der Mitglieder und Gönner dieser Anstalt als auch der Einnahmen. Die größten Gemeinden unserer Provinz, wie Posen Bromberg. Rawitsch, Ltffa, Krotoschin, Wreschen haben sich mit namhaften Jahresbeiträgen dem Vereine angeschloffen. Die sämmtlichen Einnahmen waren mit 16,958,83 Mk. zu verzeichnen, wozu freilich auch ein Kaffenbestand von 1850,94 Mt. aus dem Vorjahre gehört, so daß die Reineinnahme 15107,89 Mk. (gegen 14,716,61 Mk. im Vorjahre) beträgt. Den Einnahmen gegenüber stehen die Ausgaben mit 10,897,94 M., mithin ergab sich ein Ueberschuß von 6,060,89 Mk. Aus dem Ueberschuß flössen 5600 Mk. in's Grundvermögen, 1658,62 Mk. wurden für Bauzwecke zurückgestellt und der Rest von 460,89 Mk. bleibt Kaffenbestand. Von den Einnahmen betrugen die ordentlichen6136 Mk.; diese wurden von 700 Personen aufgebracht. 41 neue Gönner und Freunde mit einer Beitragshöhe von 89 Mark wurden im Laufe der Jahre gewonnen. Die Anstalt war vom 31. Mat bis 29. September im Betriebe, während welcher Zeit 126 Personen, darunter 51 Kinder, der Wohlthaten der Anstalt theilhaftig wurden. Leipzig, 12. Juli. (Ein antisemischer Witz.)! In Zerbst sollte Stadtverordneten-Wahl stattfinden