Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 59 (24.7.1893)
- Date
- 1893-07-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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MWWMWSM v-w-n,, 1133 Feuilleton. > Die drei Kronen. < Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) (Fortsetzung.) XVII. In dem Hafen der freien und Hansestadt Hamburg liegt die „Margaretha", ein stolzer Dampfer, der nach den Gestaden Südamerikas zu segeln bestimmt ist. Stolz schaukelt er sich auf den Wogen, während der riesige Krahn immer neue Lasten die längst des Ufers aufgestopelt sind, herüber reicht, welche von der Mannschaft indem kolossalen Bauche des Dampfers untergebracht werden. Der Binnenländer weitz nicht, was für einen Reichthum ein solcher Dampfer in sich birgt und staunend sehen die Leute, welche am Ufer stehen, zu und können nicht begreifen, wohin alle diese Güter wandern und wie es möglich ist, daß ein Schiff solche Lasten trage. Das will fast kein Ende nehmen und je mehr die Maschine ächzt und die Kette des Krahns klirrt, um so ängstlicher werden die Mienen, um so furchtsamer die Gesichter der Passagiere, denn auch sie sollen dieser schwanken, schon so schrecklich belasteten Planke ihr Leben anvertrauen und auf der Margaretha einer neuen Welt entgegenreisen. Es sind unglückliche, russische Juden, denen die Barbarei Heimath und Vaterland geraubt und denen ein edler Bruder eine neue Heimath in den ferner. Fluren Argentiniens schaffen will. Vergrämt und traurig sehen sie aus und der ungewohnte Anblick all der neuen Dinge macht sie nur noch furchtsamer und scheuer als sie so schon sind. Es sind durchweg kräftige Gestalten mit intelligenten Gesichtern, welche da am Ufer stehen und mit neugierig besorgten Blicken dem Treiben, zusehen. Man sieht ihnen wohl an, daß sie Schweres erduldet, Hartes durchgemacht haben, aber trotzdem sehen sie voller Hoffnung in die Zukunft. Ihren Lebensmuth konnte die Babarei nicht brechen, denn er ist fest gegründet auf Gottvertrauen und der Grund, auf den sie ihre Zukunft bauen, wird nie wanken, es ist die Gotteslehre, die da währet für und für. Zwei Männer, die schon eine Weile plaudernd in der Nähe des Ladeplatzes beisammen gestanden hatten, nähern sich jetzt den Auswanderern und tauschen freundliche Worte mit denselben; traulich kommen die Kinder heran und reichen ihre Händchen den fremden Herren, die sie erst einmal gesehen und die so freundlich mit ihnen und ihren Eltern gesprochen haben. Die beiden Männer mustern aufmerksam die Reihe der Auswanderer, dann wenden sie sich dem Schiffe zu. „Lassen Sie uns einmal sehen, wie die Leute untergebracht find", begann nun der jüngere der beiden Herren. „Die Unterkunft auf der Margaetha läßt nichts zu wünschen übrig, Herr Curiel", versetzte der ältere, „und wenn Sturm und Wetter Einsicht haben, werden Sie eine gute Ueberfahrt haben. Die Margaretha segelt gut, der Kapitän und die Mannschaft sind sehr tüchtig, so daß Ihnen vielleicht außer dem Wunsche, Land unter den Füßen zu haben, nichts zu wünschen übrig bleiben wird. Die seither mit der „Margaretha" beförderten Colonisten waren voll des größten Lobes. —" „Das habe ich gehört und deßhalb möchte ich mit dem Capitän näher bekannt werden." „Er ist ein sehr liebenswürdiger Mann, der sich sicher auch für Ihr Project interessiren wird. Er kennt Land und Leute drüben sehr gut und wird Ihnen manchen Rath geben können." So sprechend hatten sie die Schiffbrücke überschritten und standen jetzt auf dem Dampfer. Jeden Augenblick tönte ihnen der Ruf: „He, holla, Achtung" entgegen, so daß sie sich beeilten, zur Commandobrücke zu kommen, auf welcher der Capitän stand und die Einladung überwachte. Als er der Herren ansichtig wurde, grüßte er freundlich und streckte dem älteren, als sie jetzt die Commandobrücke betraten, seine breite Hand freundlich entgegen. „Ah, das ist recht, Mr. Samson," rief er ihm zu, „daß Sie mich auch einmal auf der Magaretha besuchen, wie stehts, wie gehts?" „Gut, wie Sie sehen; ich bin gesund und wenn man gesund ist, so geht es einem immer gut. Doch gestatten Sie, daß ich Ihnen einen Ihrer Passagiere vorstelle, Herrn Curiel, der mit guten Plänen für unsere Colonien hinüberreist." Die Herren verbeugten sich und Curiel sprach einige anerkennende Worte über das Schiff. Wie ein Reiter fein Pferd, ein Musiker sein Instrument, ein Gaftwirth sein Haus und seinen Wein gerne loben hört, so geht das Herz des Schiffers auf, wenn er das Lob seines Schiffes vernimmt. Durch ein paar Worte hatte Curiel den Capitän sich geneigt gemacht und während dieser einem Matrosen etwas zurief, betrachteten sich die Herren den Compaß, das Steuer 2c. Nun kam der Capitän wieder zurück und sagte: „Für ein halbes Stündchen habe ich mich frei gemacht; kommen Sie mit in meine Cajütc." Er ging voran und die beiden Herren folgten. Sie mußten über Ballen und Kisten klettern, Fäsier und Körbe umgehen, die, um eingeftaut zu werden, noch auf dem Verdeck umherstandeu.