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Der Israelit · 1893-07-17 · Heft 57 (17.7.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 57 (17.7.1893)
Date
1893-07-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1097 Reichskanzler Herr v. Caprivi hat, um seinen Zweck zu erreichen, für einen Augenblick so gethan, als ob er den Böckel ernst nähme. Dieser verlangte, um für die Militärvorlage stimmen zu können, bestimmte Zusagen seitens des Regierungsvertreters in Bezug auf die Deckungsfrage. Er gebärdete sich dabei sehr stolz und sehr anspruchsvoll, nahm aber schließlich mit einer ziemlich nichtssagenden Erklärung Caprivi's vorlieb. Herr Böckel und seine Getreuen werden für die Militärvorlage stimmen, deren Annahme dadurch gesichert erscheint. Welche Ironie des Schicksals, daß im neuen Reichstag ein Böckel zum Ziergärtner werden konnte! Von langer Dauer ist freilich diese Herrlichkeit nicht. Dieses Mal braucht die Regierung eine Unterstützung von etlichen Stimmen und da greift sie in ihrer Roth sogar zu den Vöckel'schen. Wenn sich daraufhin Dr. Böckel schon gleich Wadelstrümpfe kauft und zu Kniehosen Maß nehmen läßt, so wirft er sein Geld leichtsinniger Weise zum Fenster hinaus. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Berlin. Der von hier aus wegen Beleidigung des Finanzministers Miguel streckbrieflich verfolgte antisemitische Agitator Sch wenn Hagen befindet sich derzeit in Bukarest, wo er bekanntlich mit der Sammlung von Material über die „Theilnahme Miguels" an der ehemaligen Stroußbergschen Etsenbahngründung beschäftigt zu sein vorgibt. Wie der „N. Fr. Pr." aus der rumänischen Hauptstadt geschrieben wird, scheint man in dortigen Regierungskreisen dieses sauberen Gastes bereits überdrüssig geworden zu sein. Schwennhageu, der sich im verflossenen Jahre auch durch seine unwürdigen politischen Hetzereien und Agitationen gegen Oesterreich-Ungarn bemerkbar gemacht, hat vor Kurzem, wie damals mitgetheilt wurde, einen Brief nach Berlin gerichtet, welchen die Berliner „Germania" reproduzirte. In diesem Briefe erzählte der Antisemit unter Hinweis ans seine angebliche vorerwähnte Mission, daß er dabei in Bukarest auf allen Seiten, auch sogar bei der rumänischen Regierung, das größte Entgegenkommen gefunden habe und daß er mit reichen Informationen ausgerüstet demnächst nach Berlin znrückkehren nnd den Kampf gegen den Minister Miguel eröffnen werde. An diesen Brief anknüpfend, werden nun im hochoffiziösen, sowohl mit dem rumänischen Minister-Präsidium, als auch mit dem Ministerium des Aeußern in steter Fühlung stehenden Bukarester „Timpul" zunächst die angeblichen Verbindungen Schwennhagens in Bukarest für Lügen erklärt, mit dem Beifügen, daß er überhaupt in dortigen Regierungskcetsen gar keinen Zutritt habe. Das Vorgehen Schwennhagen's kennzeichne sich als ein einfacher Schwindel, und es liege die Vermuthung nahe, daß der Antisemitismus und rumänische Jrredentismus diesem Herrn nur als Deckmantel*für gewisse andere kleine Geschäfte diene. Das offiziöse Bukarester Blatt schließt seine Ausführungen mit dem nicht mißzuverstehenden Winke, Herr Schwennhagen würde wenigstens so lange, als er sich der Gastfreundschaft Rumäniens erfreut, sehr gut thun, sich solcher Hetzereien zu enthalten, welche ihn wider seinen Willen nach Berlin zurückführen könnten. Rußland. Aus Rußland. Den Lesern dieser geschätzten Zeitung ist bekannt, daß die sogenannte Schechita- Frage auch bet uns, wie in der Schweiz und in Sachsen auftauchte, und wie in jenen Ländern, so auch bei uns versuchten die Antisemiten die Schechita als schlechtes, ungeeignetes Mittel zur Tödtung der Thiere zu erklären. Bei der unlängst berufenen Generalversammlung der Mitglieder des Thierschutzvereins zu Petersburg, dessen Mitglieder Adelige und Aerzte aus verschiedenen Gegenden des russischen Reiches sind, bildete die jüdische Schechita das Hauptthema der Diskussion. Die Zahl der Gegner des jüdischen Ritus war nicht gering, trotzdem aber gelang es unserm Glaubensgenossen Herrn Dr. Dembo, der durch eine langjährige ausgedehnte Thätigkeit eine hohe Stellung in der Gesellschaft einnimmt, alle ausgesprochenen Angriffe nach den letzten Ergebnissen der Medizin glänzend zu widerlegen. Auch die schroffsten Gegner mußten ihre Aeußerung zurücknehmen, nachdem die Experimente, welche im Schlachthause auf Veranlassung des Herrn Dr. Dembo in Gegenwart der hervorragendsten Aerzte unternommen wurden, gerade das Gegcntheil zeigten. Man schlachtete nämlich einen Ochsen nach dem jüdischen Ritus und das Thier verlor sofort das Gefühl; als aber ein zweiter Ochs nach russischem Gebrauch geschlachtet wurde, nahm er Brod und Salz zu sich, welche man ihm nach einigen Minuten abreichte. Dieser schlagende Beweis versetzte den Antisemiten einen mächtigen Hieb, so daß sie jetzt von der Schechita Frage ganz und gar ablicßen. Nun aber, um die Juden nicht in Nahe zu lassen, erhoben sie Beschwerde über das Hinwerfen der Thiere beim Schächten, was ihrer Meinung nach nicht genug der Barmherzigkeit des neunzehnten Jahrhunderts entspricht. Um auch diese Beschuldigung zu beseitigen, erdachte Herr Dr. Dembo eine sehr einfache, zugleich aber sehr praktische Vorrichtung, durch welche das Hlnstrecken des Thieres zum Boden sehr schnell vorgeht und keine Schmerzen verursacht. Dieses Mittel

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