Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 57 (17.7.1893)
- Date
- 1893-07-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXIY. Jahrgang. jyö 5 Der Israelit. Ein Gentrat-Hrgan für das orthodore Zudenthum. Begründet von J>r. Lehman« in Mainz. ty.■ Montag, de« 17. Juli 5653 (1893). Leitender Artikel. Sprüche der Wüter. Viertes Buch. LXXXIV. Mainz, 16. Juli. "jn"ID I1? D1JD n’3 -psr -jtl'lSI' /Ni “ism nnN „Lasse dich nicht von deiner Leidenschaft beruhigen, als werde das Grab dir eineZufluchtsstatte sein, denn ohne deinen Willen wurdest du g e l d e t, ohne deinen Willen geboren, ohne deinen Willen lebst du, ohne deinen Willen stirbst du, ohne deinen Willen mußt du einst Rechenschaft und Rechnung ablegen vor dem Könige der Könige, dem Heiligen, Er ist gesegnet." Nachdem unser Väterspruch auf Leben, Tod, Auferstehung, als auf die Vorstufen hingewiesen, die zur Stunde der Verantwortung, am Tage des großen Gottesgerichts führen und den Gedanken an Gott geweckt hat, der alles geschaffen, alles überblickt und alles zur Rechenschaft zieht, kehrt er zu seinem Ausgangspunkt mit der Mahnung zurück: „Lasse dich von deiner Leidenschaft nicht beruhigen, das Grab werde dir eine Zufluchtsstätte fein." Je unwiderleglicher und zwingender alles darauf hinweist, daß es ein Leben nach dem Tode und eine Verantwortung nach dieser Wiederbelebung gibt, um so geschäftiger ist der sinnliche Verstand bemüht, mit Aufgebot alles Geistreichthums nachzuweisen, das alles sei doch nicht so. Er beweist, daß nach allen Gesetzen des Denkens, nach allen Erfahrungen unserer Wissenschaft es nicht möglich sei, daß die in Staub und Moder verfallene Menschenhülle wieder zu einem neuen Leben erstehen könne. Mit dem Tode sei alles vorbei, das Grab ist die Ruhestätte, aus der es kein Erheben, kein Erwachen mehr gibt. Deßhalb predigt die Leidenschaft: „Wonne und Freude, Rinder tödten, Schafe schlachten, Fleisch essen, Wein trinken, Effen und Trinken, denn morgen sterben wir ja doch!" (Jesaja, Eap. 22, V. 12.) Je unbequemer leichtlebigen Wettlingen die ernste, bittere Wahrheit ist, welche eine Wiederbelebung und Verantwortung vor Gottes Richterstuhl lehrt, um so lieber glaubt man der leichtgeschürzten Tagesweisheit, welche dies alles in das Reich traumhafter Schwärmerei weist. Diesem Leichtstnn gegenüber erhebt die Weisheit der Weisen mahnend den Finger und beschwört uns, den beschwichtigenden Einflüsterungen der Lei» denschaft keinen Glauben schenken zu wollen. „Rab Jehuda, der Sohn Rachmeni's, der Meturgeman von Resch Laktsch lehrte: Was ist der Sinn der Worte: „Glaubt nicht dem Freunde, vertraut nicht dem Herrn" (Micha, C. 7, V. 5.). Der Freund ist die Leidenschaft. Wenn dir die Leidenschaft sagt, sündige immerhin, Gott wird es schon verzeihen, so glaube diesem „Freunde" nicht, und der Herr ist der Heilige, gesegnet sei er. Du sagst vielleicht, wer kann gegen mich zeugen? Die Steine, die Balken des Hauses (in dem die Sünde geschehen) treten als Zeugen gegen den Sünder auf. Rabbi Serika sagt, die beiden Gott dienenden Engel, die jeden Menschen begleiten, legen Zeugniß gegen ihn ab. Die Weisen sagen, die Seele des Menschen tritt als Zeugin gegen ihn auf, und Andere sagen, die Glieder des Menschen legen Zeugniß gegen den sündigen Menschen ab." (Talmud Chagiga, fol. 16.) „In der Scheidestunde des Menschen", so lehren die Weisen, „wenn er in seine ewige Hetmath einzugehen bereit steht, werden ihm alle seine Thaten einzeln vorgelegt und man sagt ihm, so und so hast du gehandelt an dem und dem Ort, an dem und dem Tage, und er sagt: „Ja". Man fordert ihn aus, dies durch Unterschrift zu bestätigen und er bestätigt es und nicht nur das, er erkennt Gottes